kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
Kommentare ()

Kaarst: Auto waschen für den Lehrer

VON PETER BÖTTNER - zuletzt aktualisiert: 25.03.2010 - 21:30

Kaarst (NGZ). Die Schüler der Sebastianus-Schule für Geistigbehinderte in Holzbüttgen müssen im Rahmen eines Berufsförderungskonzepts die Wagen der Lehrer waschen. Das dazugehörige Fach heißt "Hausmeister-Service".

Der 17-jährige Niklas musste in den letzten Monaten einige Male die Autos seiner Lehrer an der Sebastianus-Schule in Holzbüttgen waschen. Die Schulleitung will die Praxis fortsetzen.  Foto:  L. Berns
Der 17-jährige Niklas musste in den letzten Monaten einige Male die Autos seiner Lehrer an der Sebastianus-Schule in Holzbüttgen waschen. Die Schulleitung will die Praxis fortsetzen. Foto: L. Berns

Wenn Niklas mittwochs zur Schule geht, dann muss der 17-Jährige damit rechnen, nach der Frühstückspause die Autos seiner Lehrer zu waschen. Diese Maßnahme ist an der Sebastianus-Schule für Geistigbehinderte nämlich Teil eines Konzepts zur Berufsförderung der Schüler. So steht es zumindest in der offiziellen Stellungnahme des Schulamtes im Rhein-Kreis Neuss, der Träger der Schule ist.

Doch ganz offensichtlich soll dieses Konzept erst nachträglich zu einer von langer Hand geplanten Schülerfirma verklärt werden – so der Vorwurf von Renate Linnartz, die im Stundenplan ihres Sohnes Niklas nur den Eintrag "Hausmeister-Service" gefunden hatte: "Wir wussten von nichts, sind von der Schulleitung nie über diese Tätigkeiten informiert worden."

Info

"Hausmeister-Service"

Im Rahmen der Unterrichtseinheit "Hausmeister-Service" werden nicht nur Autos gewaschen. Die Schüler werden auch zu anderen Tätigkeiten herangezogen. So werden etwa der Schulhof gereinigt, die Fenster geputzt oder kleinere Reparaturarbeiten durchgeführt. Geht es nach der Schulleitung, soll die spätere "Schülerfirma" Auftragsarbeiten durchführen.

Niklas erzählte vor rund acht Wochen eher beiläufig von seiner ungewöhnlichen Beschäftigung – "ich schätze, dass viele Eltern gar nicht wissen, was da an der Schule passiert", so Renate Linnartz. Denn die geistigbehinderten Schüler sind längst nicht immer in der Lage, ihre Erfahrungen zu kommunizieren. "Manche Eindrücke kommen mit Verspätung", glaubt Linnartz.

Offenbar begann das Projekt schon im Sommer 2009 – die Schüler reinigen in "Zweier-Teams" die Lehrer-Autos. Schulleiterin Anette Stauche war am Donnerstag nicht zu einer persönlichen Stellungnahme gegenüber der NGZ bereit. Sie verwies an das zuständige Schulamt und damit an Schulrätin Ulrike Hund.

Die bestätigt den Vorfall, sieht aber keinen Grund zur Aufregung: "Schließlich werden diese Arbeitsleistungen auch entlohnt. Der jeweils vereinbarte Betrag wird der Klassenkasse gutgeschrieben – davon werden besondere Aktionen wie Ausflüge oder Theaterbesuche finanziert." Wie viel den Lehrern die Autowäsche wert ist, gibt aber auch das Schulamt nicht an.

"Wo bleibt denn bitte die Transparenz. Keiner kann doch kontrollieren, ob ein Lehrer tatsächlich Geld in die Klassenkassen einwirft", kritisiert Renate Linnartz. Zudem seien die jüngsten Ausflüge – etwa ins Phantasialand – alle von den Eltern bezahlt worden. "Es kann doch nicht sein, dass unsere Kinder sogar die Autos der Lehrer-Ehefrauen waschen müssen", kritisiert Linnartz.

Die Schulaufsicht ist mittlerweile eingeschaltet, die Schule musste sich zu den Vorgängen äußern. Kein Grund allerdings, vom Konzept abzurücken, das nun nach den Osterferien der Schulpflegschaft vorgestellt werden soll. Niklas bekam am Donnerstag einen Brief von Schulleiterin Anette Stauche in die Hand gedrückt. Die erste Stellungnahme seit acht Wochen: "Es bleibt bei den bisherigen Regelungen."

Quelle: NGZ


Die Neuß-Grevenbroicher Zeitung lohnt sich Tag für Tag - jetzt testen.

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

AUS DER NACHBARSCHAFT
MEHR

Kaarst

Unfall: 19-jähriger Autofahrer war alkoholisiert

In der Nacht zu Samstag ist ein 19-Jähriger aus Kaarst auf der L 514 mit seinem Auto frontal gegen einen Baum geprallt. Dabei wurde er leicht verletzt. Weil die Polizei Alkohol bei dem Fahrer feststellte, wurde sein Führerschein beschlagnahmt. mehr

 
Ostern vor 75 Jahren im Garten der Familie Tillmanns in Driesch. Ludwig und Maria haben die gut gefüllten Osternester entdeckt. Sogar ein kleiner Hase lag darin – eine echte Ausnahme. NGZ-Repro (2): Berns

Kaarst

Eier suchen anno 1935

Als sich Ludwig und Maria Tillmann 1935 im heimischen Driesch auf Ostern vorbereiteten, stand das Osternest im Fokus der kindlichen Aufmerksamkeit. Schließlich sollte der Osterhase wissen, wo er seine Eier zu platzieren hat. VON Peter Böttner  mehr

 
 
 
 
 
BILDER AUS KAARST
 
Familienanzeigen