Kaarst (NGZ). Wegen sinkender Anmeldezahlen kämpft die einzige Hauptschule in Kaarst um ihre Existenz. Die Politik diskutiert über Möglichkeiten, den Schulstandort zu erhalten – zum Beispiel durch eine Zusammenlegung mit der Realschule.
Am liebsten würde Hermann Köster in Zukunft das machen, was er bislang auch getan hat: gute Arbeit nämlich – als Leiter der einzigen Kaarster Hauptschule. Das Problem ist aber, dass es die Hauptschule, so wie sie jetzt existiert, möglicherweise bald nicht mehr gibt. 20 Schüler sind für das aktuelle Schuljahr neu angemeldet worden, davon gehören fünf einer Lerngruppe für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an.
Gäbe es diese Fördergruppe nicht, wäre das Aus für die Hauptschule bereits besiegelt. Und dass im kommenden Schuljahr genügend Kinder zum Lernen nach Büttgen zur Hubertusstraße geschickt werden, hält selbst Köster für unwahrscheinlich. "Die Eltern", sagt er, "haben uns das Vertrauen entzogen". In der Politik wird deshalb diskutiert, wie der gewachsene Schulstandort Büttgen mit Haupt- und Realschule erhalten werden kann. Die Möglichkeit, die am realistischsten erscheint, ist ein Verbund.
Die Profilschule
Die Profilschule Ascheberg soll mit der Klasse 5 beginnen und Platz für alle Schüler der Grundschule bieten.
Zielsetzung, heißt es, ist ein längeres gemeinsames Lernen.
Ein ressourcen- und zeitintensiver Schwerpunkt soll in Ascheberg im Bereich der individuellen Förderung liegen.
Während Grünen-Chef Christian Gaumitz die Diskussion für "kontraproduktiv" und "verfrüht" hält ("Man muss erst die Betroffenen einbinden"), verweist die SPD in diesem Zusammenhang auf ein Ganztagsmodell der Gemeinde Ascheberg. Aus einer Haupt- und einer Realschule soll dort unter dem Begriff "Profilschule" ein Schulverbund entstehen. Schülern mit entsprechendem Leistungsniveau wird nach der Klasse 10 der Weg zum Abitur durch Kooperationen mit Gymnasien ermöglicht. "Das könnte auch für Büttgen eine Lösung sein", sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Anneli Palmen.
CDU und FDP sehen das anders. Das Modell aus dem ländlich strukturierten Ascheberg sei zwar nicht grundsätzlich schlecht, allerdings auch nicht auf Kaarst übertragbar, sagen sowohl CDU-Stadtverbandschef Lars Christoph als auch FDP-Fraktionsvorsitzender Jörg Löhler. In Kaarst gebe es mit einer Haupt-, zwei Realschulen und zwei Gymnasien eine gewachsene, bislang funktionierende Schullandschaft. "Wir sehen die schlechte Position der Hauptschule", sagt auch CDU-Fraktionschefin Dorothea Zillmer. Die Entscheidung über die Zukunft solle aber auf keinen Fall gegen die Interessen der Schulleiter getroffen werden. "Wir haben schon Gespräche geführt." Die CDU stehe hinter einer Verbundschule, solange sie einen Mehrwert gegenüber dem Bisherigen biete. "Eine Verbundschule", sagt Zillmer, "braucht ein klares Profil."
Fakt ist: Die Zeit drängt. Soll es in Büttgen einen Zusammenschluss geben, muss die Entscheidung bis zur Anmeldezeit für das nächste Schuljahr (Februar 2011) politisch abgesegnet sein. Haupt- und Realschule stehen in Kontakt. "Das Thema wird bei uns innerhalb des Lehrerkollegiums differenziert diskutiert", sagt Ursula Vitz, Leiterin der Elisabeth-Selbert-Realschule. "Noch ist alles offen. Wir überlegen in alle Richtungen."
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