Horst Evers meets Frank Goosen (NGZ). Lesungen im Rahmen des Kabarett- und Kleinkunstprogramms sind spätestens seit dem Zeitpunkt ein Risiko, als Kleine & Linzenich statt vergnügliche Flachsereien auf hohem Niveau zu bieten ihre Nasen in Bücher steckten. Jetzt stand mal wieder eine Art Lesung auf dem Programm: Diesmal hatte das Publikum jedoch keinen Anlass, sich zu beklagen: "Horst Evers meets Frank Goosen" war eine sehr kurzweilige Angelegenheit - vor allem die leichten und skurrilen humoristischen Kurzgeschichten von Horst Evers hatten es in sich. Erstmals im Duett auf der Bühne: Frank Goosen (l.) und Horst Evers, beide mit ähnlicher Haarpracht ausgestattet und wie Brüder anmutend, boten im Albert-Einstein-Forum eine Lesung mit hohem Vergnügungs-Faktor. NGZ-Foto: L. Berns
Die beiden Glatzköpfe wirkten beinahe wie Zwillinge, wobei der eine (Frank Goosen) dem anderen (Horst Evers) offenbar immer die Pausenbrote aufgegessen zu haben scheint. Aber der Dünnere war mindestens ebenso pfiffig: "Jonglieren können wir nicht, es kommt auch kein anderer auf die Bühne." Und zur angekündigten Lesung merkte er an: "Mensch, so richtig spektakulär klingt das auch nicht gerade."
Warum er denn liest und nicht auswendig lernt? Die Antwort war typisch für den knochentrockenen Humor der beiden: "Ich habe schließlich mal lesen gelernt - da stecken auch Steuergelder drin." Ganz geschickt ging er kurz auf den Irak-Krieg ein, erlaubte sich einen blitzschnellen Seitenhieb auf Präsident Bush. Ein kleines Meisterwerk: Die Geschichte "Zwei Plätze für Scholz" - im Mittelpunkt steht hier das Missverständnis, Evers betreibe einen Busbetrieb.
Das Programm war leicht nostalgisch angehaucht - Frank Goosen, Jahrgang 1966, ließ die 70er Jahre wieder lebendig werden, erklärte "Möhren durcheinander" zum Essen dieser Zeit, weil auch orange und plauderte von skurrilen Erlebnissen mit Spüli, Pommes und Mücke. Als Bochumer widmete er eine sehr gelungene Geschichte dem rauen Charme des Ruhrgebiets mit der dort anzutreffenden Buden-Kultur.
Goosen erwies sich als genauer Beobachter, als der die "Budenmänner" und "Budenfrauen" mit all' ihren Charakteristika beschrieb. Da fühlte sich auch Horst Evers verpflichtet, aus seiner niedersächsischen Heimat zu berichten: "Da herrscht völlige Ereignislosigkeit - da muss man sich schon ein paar Jahre Zeit nehmen, um das zu erleben." Und er berichtete aus seiner Kindheit - einer Zeit voller Pleiten, Pech und Pannen.
Typischer Evers-Humor tauchte in der Bahn-Geschichte auf: Evers gaukelte den Mitreisenden besseren Handy-Empfang vor, wenn man beim Telefonieren den Kopf in seine Reisetasche hielt - entsprechende Szenen spielten sich daraufhin im Zugabteil ab. Frank Goosen begeisterte mit der Schilderung eines quälend langen Dia-Abends bei so genannten Freunden, und er schilderte ausgiebig die Frühlingsgefühle, die ihn beim Anblick des Mädchens in der "Frittenschmiede" überfielen und die bis zum Herbst anhalten sollten. Unerwünschter Nebeneffekt: 20 Kilo Gewichtszunahme.
Die Fantasie schien vor allem mit Horst Evers immer wieder durchzugehen. Köstlich, wie er den Dieb seiner Küchen-Arbeitsplatte bewusst nicht stellte, als er merkte, dass der mit der schweren Beute in Richtung seiner Wohnung hastete. Insgesamt bescherten Horst Evers und Frank Goosen dem Publikum einen ziemlich vergnüglichen Abend - Lesungen auf der Kaarster Kleinkunstbühne dürften somit ihren Schrecken eingebüßt haben. barni
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