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Kaarst: Damit die Früchte wachsen können

VON RUDOLF BARNHOLT - zuletzt aktualisiert: 09.07.2006 - 21:30

Kaarst (NGZ). Holzbüttgen Jutta (46) ist braungebrannt. Sie ist jetzt schon zum 16. Mal in Deutschland. Nein, sie macht hier keinen Urlaub, sondern arbeitet als Erntehelferin bei Franz-Josef Küppers. Jutta kommt aus Polen - wie rund 80 andere Landarbeiter auch, die auf dem Hasselshof eine Beschäftigung gefunden haben.

Weniger ist mehr: Anna, Marcelina und Jutta entfernen zu kleine Früchte und „Hageläpfel“, damit die verbleibenden sich besser entwickeln können. Die drei Frauen aus Polen arbeiten bei Franz-Josef Küppers in Holzbüttgen.  Foto: Lothar Berns
Weniger ist mehr: Anna, Marcelina und Jutta entfernen zu kleine Früchte und „Hageläpfel“, damit die verbleibenden sich besser entwickeln können. Die drei Frauen aus Polen arbeiten bei Franz-Josef Küppers in Holzbüttgen. Foto: Lothar Berns

Dieses Jahr waren darüber hinaus erstmals 20 Arbeitskräfte aus Rumänien nach Holzbüttgen gekommen. Mit ihrer Arbeit war Franz-Josef Küppers ebenfalls sehr zufrieden. Mit Deutschen hat er dagegen durchweg schlechte Erfahrungen gemacht; da steht er nicht allein da, denn landauf, landab haben andere Landwirte und Gartenbaubetriebe ähnliches zu berichten.

Viel Arbeit, aber stets zufrieden

Die Frau hat schon einige Stunden Arbeit hinter sich, wirkt aber immer noch frisch und fröhlich: Jutta Jusziczyk wird aufgrund ihrer Erfahrungen „die Oberpolin“ genannt. In ihrer Heimat hat sie eine eigene Baumschule - trotzdem kommen sie und etliche ihrer Familienangehörigen regelmäßig nach Holzbüttgen. Müsste ihr Franz-Josef Küppers ein Zeugnis ausstellen, es würden wohl nur die besten Noten darin zu finden sein.

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Keine deutschen Kräfte 

Franz-Josef Küppers erinnert sich, dass bis etwa Mitte der 80er Jahre die Erdbeerernte fest in den Händen von deutschen Schülern war. Heute kommt er ganz ohne deutsche Arbeitskräfte aus und das ist aus seiner Sicht auch gut so: Herzschmerzen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, die Motivation lasse doch sehr zu wünschen übrig, sagt der Obstbauer.

Ein anderes Beispiel: Anna (24) ist Studentin, ihr Studienfach ist Englisch; in Holzbüttgen war sie in den vergangenen Tagen damit beschäftigt, Apfelbäume auszudünnen: Weg mit den „Hageläpfeln“ und den kleinen Früchten, damit die besten Äpfel optimale Wachstumschancen haben. Diese Arbeit ist weniger anstrengend als das Erdbeerpflücken. Anna ist jetzt zum fünften Mal hier, es gefällt ihr gut, ebenso wie Marcelina, 22 Jahre alt.

Sehen die polnischen Arbeiterinnen und Arbeiter eigentlich auch einiges von der Umgebung? Nun, alle wohnen in Containern, das Essen wird von einem Catering-Unternehmen angeliefert. „Bei der ersten Catering-Firma schmeckte das Essen nicht, bei der zweiten waren die Portionen zu klein, erst mit dem dritten Anbieter sind wir zufrieden“, so Franz-Josef Küppers. Wenn die Sonne erbarmungslos brennt, ist eine vierstündige Mittagspause angesagt. Dafür wird dann abends umso länger gearbeitet.

Nein, viel kommen sie nicht rum, aber die fleißigen Erntehelfer besuchen gerne Schützenfeste in der Umgebung. „Die gibt es in Polen zwar auch, aber die Schützenfeste hier sind viel schöner“, so die Erfahrung von Jutta Jusziczyk. Fußball interessiert die Gastarbeiter natürlich auch, außerdem spielen sie gerne Karten.

Küppers beschäftigt lieber polnische Frauen als Männer, denn es sei leider mehr als ein Vorurteil, dass die Männer oftmals sehr dem Alkohol zusprechen. Die Zeiten, als polnische Intellektuelle zur Erdbeerernte kamen, seien vorbei: „Die haben heute in ihrer Heimat ein auskömmliches Einkommen.“ Küppers erinnert sich noch an einen Professor, der sich für etwas Besseres hielt und sein Zelt weit von den Landsleuten entfernt aufgeschlagen hatte, seine Arbeitsleistung sei aber eher bescheiden gewesen.

Ganz anders dagegen die 20 Erntehelfer - zwei Männer und 18 Frauen - aus Rumänien, die bereits wieder nach Hause zurückgekehrt sind. Küppers hatte sich die Mühe gemacht, in ein rumänisches Dorf zu reisen und die Arbeitskräfte dort zu rekrutieren. Ihr Aufenthalt war auf sechs Wochen beschränkt; 2007 werden sie aller Voraussicht nach wiederkommen.

Quelle: NGZ


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