Kaarst (NGZ). Die Junge Union und auch die UWG haben vorgeschlagen, dass künftig die Schulen eingesparte Energiekosten zur Hälfte ausgezahlt bekommen. In Wesel ist das Fifty-fifty-Projekt sehr erfolgreich. Doch Schulleiterinnen berichten, dass schon jetzt manchmal in Schulräumen gefroren wird.
Kaarst Nicht nur Kaarster Privathaushalte stöhnen wegen ständig steigender Energiekosten. Auch die Stadt muss kräftig zahlen: Allein die Stromkosten für Kaarster Schulen betrugen im Jahr 2006 genau 135 470 Euro. Die Gaskosten lagen sogar bei 663 500 Euro. Die hohe Summe kommt vor allem durch die Heizkosten zustande.
Die aufkommende Diskussion über die nicht unerheblichen Energiekosten, die Jahr für Jahr von der Stadt zu tragen sind, nimmt die Junge Union zum Anlass, einen weitergehenden Vorschlag in die Diskussion einzubringen.
„Es sollte nicht nur auf den günstigsten Anbieter geachtet werden, sondern der Energieverbrauch insgesamt gesenkt werden“, erklärt Michael Hoster, Vorsitzender der Jungen Union Kaarst. Insbesondere vor dem Hintergrund des sich immer stärker abzeichnenden Klimawandels gelte es, sich möglichst energiesparend zu verhalten. Angesetzt werden sollte hierbei vor allem bei den Schulen.
Zu diesem Artikel erscheint in der NGZ vom Donnerstag ein Zur Sache mit dem Titel: "Warm anziehen".
Erfolge in Wesel
Die Erfolge des Fifty-fifty-Modelles in Wesel sind nach Auskunft der Stadt Wesel
in erster Linie durch die Kooperationsbereitschaft der Schulen begründet. Vor
allem durch kleinere Maßnahmen, die summiert größere Beträge ergeben. Zum Beispiel durch den Einsatz von Energiesparlampen und Bewegungsmeldern. Auch in Wesel gibt es eine zentrale Gebäudewirtschaft.
So schwebt der JU die Einführung eines Fifty-fifty-Modells vor. „Von den eingesparten Energiekosten sollte die jeweilige Schule 50 Prozent für ihr Schulbudget behalten dürfen. Ein ähnliches Modell hat in der Stadt Wesel bereits zu großen Erfolgen geführt“, erklärt Christian Dumjahn, Ex-JU-Vorsitzender. Die Junge Union will jetzt die Verwaltung auffordern, einen Vorschlag für die Einführung eines Fifty-fifty-Modells in der Stadt Kaarst kurzfristig vorzulegen.
Was halten die Schulen von diesem Vorschlag? Die NGZ fragte am Mittwoch Gisela Saßmannshausen, Schulleiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums: „Ich wüsste nicht, wo wir noch sparen können“, so die Antwort. Denn am Georg-Büchner-Gymnasium ist schon vor rund zehn Jahren eine energiesparende Heizung installiert worden, die mehrere hunderttausend Euro gekostet hat.
Doch offensichtlich hat die Automatik ihre Tücken: „Die Heizung ist zentral gesteuert - und es kam schon vor, dass wir ohne Ende gefroren haben“, erinnert sich Saßmannshausen. Denn wenn zum Beispiel abends zum Elternsprechtag geladen wird, kann es durchaus vorkommen, dass die zentral gesteuerte Heizung automatisch ausgeht. Ähnlich beim Licht: „In der Konferenz um 18 Uhr war es plötzlich stockdunkel“, so Gisela Saßmannshausen.
Auch ihre Schulleiterkollegin am Albert-Einstein-Gymnasium, Brigitte Brinkmann, hat gewisse Bedenken: „Energiekosten zu sparen, würde bei uns nicht funktionieren, weil unsere Heizungsanlage zentral gesteuert wird und gleichzeitig die Dreifachturnhalle und die VHS mitversorgt.“
Stellt sich die Frage, warum das Fifty-fifty-Projekt in Wesel so erfolgreich verlaufen ist. Die NGZ fragte am Mittwoch in Wesel bei der Gebäudewirtschaft nach. Bernd Herchenhahn nannte Zahlen: „Allein in der Gesamtschule konnten innerhalb der letzten fünf Jahren über 53 000 Euro eingespart werden. Die Schule hat also jedes Jahr über 5000 Euro erhalten.“
Die Zahl ist noch beeindruckender, weil ausschließlich Wasser und Strom berücksichtigt wurden. Die Gesamtschule in Wesel hat rund 930 Schüler, die beiden Kaarster Gymnasien jeweils ungefähr 700. „Ich weiß, dass in anderen Gemeinden das Fifty-fifty-Projekt ebenfalls erfolgreich ist. Zum Beispiel in Dinslaken“, berichtet Herchenhahn.
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