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Abwasserprobleme in Kaarst: Ein halbes Jahr Verspätung

VON CHRISTOPH PÜTZ - zuletzt aktualisiert: 12.07.2009 - 21:30

Abwasserprobleme in Kaarst (NGZO). Es wird ein halbes Jahr länger dauern, bis die Stadt die Daten für die neue Abwassergebühr ausgewertet hat. Vor allem Schwierigkeiten beim Datenabgleich sind der Grund. Auch bei der Abwasserentsorgung gibt es Probleme.

Anhand des riesigen Ikea-Parkplatzes lässt sich die neue Abwasserberechnung gut verdeutlichen. Der Regen, der dort niederging und ins Kanalnetz floss, wurde bisher nicht von der Stadt als Abwasser berechnet. Nach der neuen Regelung muss Ikea nun dafür Entsorgungsgebühren bezahlen.  Foto:  L. Berns
Anhand des riesigen Ikea-Parkplatzes lässt sich die neue Abwasserberechnung gut verdeutlichen. Der Regen, der dort niederging und ins Kanalnetz floss, wurde bisher nicht von der Stadt als Abwasser berechnet. Nach der neuen Regelung muss Ikea nun dafür Entsorgungsgebühren bezahlen. Foto: L. Berns

Kaarst "Bei den Abwassergebühren liegen wir ungefähr ein halbes Jahr hinter Plan", räumte Jan Opial, Bereichsleiter Tiefbauamt, ein. Opial spricht von den Gebühren für Regenwasser, die die Stadt nach neuem Schlüssel berechnen muss. Bisher wird so gerechnet: Nur für Wasser, das aus der Leitung kommt, müssen Kaarster Privatleute und Firmen Abwassergebühr bezahlen. Eigentlich nachvollziehbar: Wenn zum Duschen 100 Liter aus dem Brausekopf plätschern, fließen auch 100 Liter wieder in den Abfluss.

Anders sieht die Sache beim Regenwasser aus: Wer auf seinem Grundstück zum Beispiel einen großen Parkplatz hat, muss bisher nicht für die Entsorgung des Regenwassers aufkommen. Das Wasser fließt aber letztlich genau so ins Kanalnetz, wie das Duschwasser. Man könnte das Regenwasser als "höhere Gewalt" und damit niemandem (oder der Allgemeinheit) zugehörig definieren. Tatsächlich "gehört" das Wasser, das vom Himmel fällt, aber demjenigen, auf dessen Grundstück es ankommt. Also sollen Bürger künftig bezahlen, ein neuer Verteilungsschlüssel ist nötig. Vor einigen Monaten hat die Verwaltung daher begonnen, rund 12 000 Haushalte anzuschreiben. Es geht darum, solche Flächen wie Parkplätze oder Terrassen für jeden einzelnen Grundeigentümer zu vermessen, Denn nur so kann ein gerechter Verteilungsschüssel gewonnen werden.

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Der neue Schlüssel

Die Stadtverwaltung betont, erst nach der kompletten Auswertung der Daten sagen zu können, wer künftig wie viel für die Abwasserentsorgung zahlen muss. Unterm Strich werden die Gebühren jedoch nicht erhöht (oder gesenkt). Es wird lediglich umverteilt. Prinzipiell werden Besitzer von Häusern mit großen Freiflächen (Parkplätze und Ähnliches) mehr zahlen müssen. Das gilt für Firmen und Privatleute.

Doch warum dauert das alles rund ein halbes Jahr länger, als von der Stadtverwaltung ursprünglich geplant? Opial erläutert: "Es gab bereits im Vorfeld diverse Schwierigkeiten. Wir hatten Probleme, die Daten des Finanzamtes in unser System zu integrieren. Außerdem war es doch schwieriger als gedacht, die Gebäudedaten, die vom Flugzeug aus aufgenommen wurden, auszuwerten."

Für die Bürger, so betont Jan Opial, entstehe aber keinerlei Nachteil. Denn: "Für das Jahr 2008 /  2009 sind die Haushalte unter Vorbehalt veranschlagt worden. Ob die genaue Abrechnung nun sofort oder sechs Monate später erfolgt, ändert nichts an den Zahlen." Spätestens Ende des Jahres müssen die Arbeiten sowie so abgeschlossen sein. Denn dann muss die neue Gebührensatzung verabschiedet werden.

Ratsherr Josef Karis (Zentrumspartei) spricht von einem weiteren Problem in Zusammenhang mit den neuen Abwassergebühren: "Jede Menge Häuser saufen regelmäßig ab. Denn Häuser, die vor 1996 gebaut wurden, müssen nun ihr Abwasser in die Kanalisation leiten, dürfen es nicht mehr in den Garten fließen lassen." Karis berichtet, dass die Verwaltung die nun größer gewordenen Mengen an Abwasser nicht mehr schnell genug entsorgen kann – was der Grund für überflutete Keller sei. "Unter anderem am Goldammerweg standen die Entsorgungscontainer, weil die Hausbesitzer durch Wasser unbrauchbar gewordene Möbel wegwerfen mussten", berichtet Josef Karis. Den Grund dafür, dass die Bürgern nun nicht mehr ihr Abwasser in den Garten fließen lassen dürfen, beschreibt Karis so: "Die Stadt verdient kein Geld, wenn das Abwasser in die Gärten geleitet wird. Wenn die Bürger aber das Wasser in die städtische Kanalisation leiten, müssen sie dafür Entsorgungsgebühren zahlen – und die Stadt verdient."

Quelle: RP

 
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