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Kaarst: Ein neues Zuhause für Demenzkranke

VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 05.01.2013

Kaarst (NGZ). Der Bau des Hauses hat neun Monate gedauert, jetzt ist es fertiggestellt. Dementiell erkrankte Senioren werden ab sofort in einer neuen Einrichtung der Johanniter versorgt. Von dem speziellen Angebot profitieren auch die Angehörigen.

Für das demografisch alternde Kaarst ist es ein weiterer wichtiger Schritt in die Zukunft. Während die Politik noch über Angebot und Konzeptionen einer vierten Senioren-Pflegeeinrichtung in der Stadt diskutiert, ist in dieser Woche, nach nur neun Monaten Bauzeit, ein neues Johanniter-Haus für dementiell erkrankte Menschen in unmittelbarer Nähe zum Johanniter-Stift fertiggestellt worden. 24 Einzelzimmer und sechs Stiftswohnungen beherbergt es. Alle Wohnungen und mehr als die Hälfte der Zimmer sind bereits vermietet.

Die Johanniter sehen darin ein deutliches Zeichen für den Bedarf. "Mit dem Neubau", sagt Stiftsleiterin Rosel Band, "haben wir ein in Kaarst dringend benötigtes Zusatzangebot für Senioren geschaffen, das auch für die Angehörigen der Demenz-Patienten wichtig ist." Denn – wer einen nahen Angehörigen auf der Reise ins Vergessen begleitet, braucht das Gefühl, dass der Mensch, den er liebt, gut aufgehoben ist in seiner ganz eigenen Welt. "Das Konzept des neuen Hauses ist auf schwer bis schwerst dementiell veränderte Menschen ausgerichtet", sagt Petra Kinzel, Leiterin des Sozialen Dienstes im Johanniter-Stift. "Wohnen bedeutet nämlich nicht nur, irgendeine Räumlichkeit zur Verfügung gestellt zu bekommen, sondern, am sozialen Leben teilzuhaben und Lebensqualität zu erfahren. Bei Menschen mit einer Demenz im fortgeschrittenen Stadium ist es besonders wichtig, in Selbstbestimmung und Akzeptanz leben zu können."

Demenz ist heute eine Volkskrankheit. Mit 65 Jahren leidet einer von hundert, mit 80 jeder fünfte und mit 90 jeder dritte Deutsche daran. In Deutschland sind etwa 1,4 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Und die meisten dieser Patienten haben Angehörige. "Das Problem", sagt Rosel Band, "ist, dass es für den Umgang mit dementen Menschen nun einmal kein Patentrezept gibt. Der Demenzkranke lebt nicht mehr in der Ratio, sondern in der Emotion. Das muss man akzeptieren lernen." Wichtig sei vor allem, den Menschen, der früher Partner, Stütze und Vorbild war, respektvoll und wertschätzend zu behandeln. Aus dieser Erkenntnis heraus ist das neue Johanniter-Haus nach dem "Drei Welten Modell" des Mediziners Dr. Christoph Held konzipiert worden. Leitgedanke ist, dass an Demenz erkrankte Menschen drei grundsätzlich unterschiedliche Erlebniswelten durchlaufen. Architektur und Gestaltung der Etagen sind auf diese Lebenswelten abgestimmt. So findet im Erdgeschoss zum Beispiel das gemeinsame soziale Leben statt – in einer großen Wohnküche, einer Stube mit Terrasse und direktem Zugang zum Garten; in Räumen, in denen freundliche Farben dominieren, mit Bildern und Gegenständen, die die Erinnerungen der Patienten anregen."Dem Alltag wieder mehr Leben und dem Leben wieder mehr Alltag geben – das", sagt Rosel Band, "ist unser Konzept."

Quelle: NGZ


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