Kaarst (NGZ). Holzbüttgen Noch riecht es nach frischer Farbe, doch die Heizungen laufen schon auf Hochtouren und strahlen behagliche Wärme ab. Wärme und Betreuung werden die künftigen Bewohner des neuen Wohnkomplexes am Bruchweg 17 auch brauchen: In das vollstationäre Gebäude mit 16 Plätzen werden nämlich Menschen einziehen, die psychische Probleme haben.
„Psychiatrieerfahren“ - so der Begriff, den die Graf-Recke-Stiftung als Träger des Hauses für die Charakterisierung der Klientel verwendet. Nicole Paulussen, Geschäftsbereichsleiterin der Stiftung, übersetzt: „Es handelt sich um Menschen, die vorher schon wegen seelischer Probleme Hilfe gesucht haben.“
Allein für das Wohnheim sind 1,5 Millionen Euro investiert worden. Aus Eigenmitteln hat die Graf-Recke-Stiftung davon 550 000 Euro übernommen, ein NRW-Darlehen steuerte 340 000 Euro bei. Weitere 320 000 Euro zahlte die Aktion Mensch, 260 000 die Stiftung Wohlfahrtpflege und 160 000 Euro das Land Nordrhein-Westfalen. Die Appartements haben 800 000 Euro gekostet - wovon 200 000 Euro die Stiftung übernahm, 200 000 die Aktion Mensch und 400 000 das Land NRW.
Es handelt sich bei den Häusern um ein vollstationäres Wohnhaus mit drei Vierergruppen und vier Einzelappartements, also 16 Plätzen. Und ein Appartementhaus mit sieben Plätzen in Einer- und Zweier-Appartements. Beim Appartementhaus, das im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus gebaut wurde, handelt es sich um Betreutes Wohnen.
„Dieses ambulante Angebot in direkter Nachbarschaft zum vollstationären Wohnhaus ist im Rhein-Kreis Neuss und auch insgesamt noch weitgehend unbekannt. Es bietet den Betroffenen die Möglichkeit, selbstständig in eigenen Miet-Appartements zu leben und gleichzeitig die vorhandenen Unterstützungsangebote wahrzunehmen, so zum Beispiel die Teilnahme an ergotherapeutischen Maßnahmen, Ansprechpartner nachts und am Wochenende“, erläutert die Einrichtungsleiterin Annette Weirauch.
Die sieben ambulanten Plätze in den Appartements sind schon im Juli vergangenen Jahres bezogen worden. So konnte die Einrichtungsleiterin schon über erste positive Erfahrungen mit der Nachbarschaft berichten: „Ein Nachbar klingelte ganz spontan bei uns an und fragte, ob wir nicht eine Tischtennisplatte gebrauchen könnten.“ Zur Freude der Bewohner wurde die Platte dann gleich abgeholt und gemeinsam Richtung Wohnheim gerollt.
Insgesamt elf Mitarbeiter sind rund um die Uhr für die Bewohner da, bieten Einzel- und Gruppentherapien, aber auch Ausflüge und Spiele an. Einen Arzt gibt es jedoch nicht in der Einrichtung.
Interview Nicole Paulussen
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