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Kaarst: Fachtagung: Wie wir trauern

VON RUDOLF BARNHOLT - zuletzt aktualisiert: 19.09.2010 - 21:00

Kaarst (NGZ). Bei der 8. Kaarster Trauerfachtagung unter der Schirmherrschaft von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ging es darum, wie unterschiedlich Männer und Frauen den Verlust eines nahestehenden Menschen bewältigen.

Neue Impulse für eine schwierige Arbeit holten sich (v.l.) Uwe Sanneck, Angelika Waldeck, Sylvia Brathuhn und Andrea Lißke von der Hospizbewegung Kaarst.   Foto:  Michael Reuter
Neue Impulse für eine schwierige Arbeit holten sich (v.l.) Uwe Sanneck, Angelika Waldeck, Sylvia Brathuhn und Andrea Lißke von der Hospizbewegung Kaarst. Foto: Michael Reuter

Es ging um ein sensibles Thema – den Tod. Die Hospizbewegung Kaarst hatte eingeladen und rund 90 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren gekommen. Die 8. Kaarster Trauertagung richtete sich ausschließlich an Menschen, die in der Trauerbegleitung tätig sind. Sie bekamen neue Impulse für ihre so schwierige Arbeit, erfuhren, dass Frauen und Männer auf unterschiedliche Weise den Verlust von ihnen nahestehenden Menschen zu bewältigen versuchen.

Sprechen hilft

Uwe Sanneck (59) war aus Hamburg angereist, um über die spezifische Männertrauer zu referieren. Der Theater-/Spielpädagoge und Trauerbegleiter hatte seinem Vortrag die Überschrift "Männer können trauern – Männer trauen sich...wenn man sie nur lassen würde" gegeben. Das Gründungs- und Vorstandmitglied des Instituts für Trauerarbeit in Hamburg machte deutlich, wie schwer es die Gesellschaft Männern macht, ihre Trauer auszuleben: "Lass dich nicht so hängen, reiß dich zusammen", seien gängige Tipps, sagte er. Hinzu käme oft noch der Appell, gerade jetzt stark zu sein. Allerdings: "Wenn trauernde Männer Zu- und Hinwendung erfahren, ohne Bewertung und Zeugnisvergabe, tun sich ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten für die eigenen Trauerwege", gab Uwe Sanneck am Samstagvormittag im Bürgerhaus zu verstehen.

Info

Hospizbewegung

Die Hospizbewegung Kaarst fährt zweigleisig: Sie betreut Sterbende, die überwiegend zu Hause ihre letzte Zeit verbringen, ersetzt Angehörige, falls es sie nicht gibt, oder verschaffen ihnen eine Verschnaufpause.

Ein anderes Tätigkeitsfeld der überwiegend ehrenamtlich Tätigen ist die Trauerbegleitung.

Was es den Männern so schwer macht: "Sie wollen alles im Griff haben, stark sein, behindern damit ihren eigenen Trauerprozess." Dabei gilt: Es hilft, über Trauer zu sprechen. "Aber auch gemeinsame Aktionen wie Kanu fahren kann helfen", erklärte der Referent. Ein "Supergau" für Väter: Wenn sie ein Kind verlieren. Trauerbegleitung heißt, für den Mann da sein – wenn er es möchte, ohne jede Aufdringlichkeit.

Sylvia Brathuhn (53), Trainerin in den Bereichen Sterben, Tod, Trauer, Spiritualität und Kommunikation aus Neuwied, sprach über "Die Trauer der Frauen". Die Teilnehmer der Tagung erfuhren unter anderem, dass Frauen intensiver trauern. Ihnen, sagte Brathuhn, mache es weniger aus, ihre Trauer öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Die Trauerphase sei zwar intensiver, aber keinesfalls kürzer.

"Wer trauert, ist für immer anders", erklärte Sylvia Brathuhn. Man solle deshalb Trauernden nicht wünschen, so zu werden, wie sie waren, sondern, dass sie wieder leben und lieben können. Der gewaltsame Tod eines Angehörigen könne zu einer erschwerten Trauer führen. Was jeden Trauernden berührt: "Er wird mit der Sterblichkeit konfrontiert."

Quelle: NGZ


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