Kaarst (NGZ). Kaarst In der Kaarster FDP gibt es Differenzen - mit personellen Konsequenzen: Dr. Frank Lasogga ist als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurückgetreten. Volker Zachel stellt sein Amt als stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender zur Verfügung.
Beide fordern einen Generationswechsel in der Partei. Auch die Position des Fraktionsvorsitzes gerät dabei in den Blick. Für Geprächsstoff dürfte heute gesorgt sein bei einem Treffen, bei dem die Fraktionsmitglieder Halbzeitbilanz für die Ratsperiode ziehen wollen.
Dr. Lasogga hat seinen Kollegen per E-Mail neben der Rücktrittserklärung einen Fragenkatalog übermittelt.
Generationswechsel gefordert
Bei der Sitzung ist er nicht dabei. Die Terminierung - 16 Uhr - hat etwas mit seiner Rücktritts-Entscheidung zu tun. „Wiederholt werden Termine der Fraktion so angesetzt, dass ich als Berufstätiger nicht daran teilnehmen kann“, erklärt Lasogga gegenüber der NGZ.
Bei einem so wichtigen Thema ist es „in einer vierköpfigen Fraktion anscheinend nicht möglich (oder vielleicht auch nicht gewünscht), eine andere Terminabstimmung vorzunehmen“, mailt er den Parteifreunden.
Lasogga ist Unternehmer, zudem mit 43 Jahren der einzige FDP-Ratsherr, der nicht im Ruhestand ist.
Doch es geht um mehr. „Die Gründe für meinen Rücktritt sind eine Gemengelage.“ Lasogga vermisst „Leitlinien der Fraktionsarbeit“. „Ohne eine grundlegende Marschrichtung besteht die Gefahr, von einer Position zur anderen zu springen“, meint er.
„Warum wurden entsprechende Vorschläge zur strategischen Ausrichtung während der Haushaltsberatungen nicht weiter verfolgt?“, lautet nun eine seiner Fragen an die Parteifreunde.
Das ist nicht der einzige Kritikpunkt: Warum werde die bereits im Februar gewünschte „Halbzeitbilanz erst nach mehrmaligem Nachfassen auf die Tagesordnung gesetzt“, so Lasogga, der zudem eine Diskussion über den Fraktionsvorsitz fordert: Vor der Kommunalwahl habe es „personelle Querelen in den eigenen Reihen gegeben.
Wir fanden eine Lösung, die unter anderem vorsah, dass die personelle Besetzung des Fraktionsvorsitzes im Frühjahr 2007 nochmals auf den Prüfstand gestellt wird.“ Vor diesem Hintergrund sei Jochen Dürrmann gewählt worden.
„Warum bleibt dieses Votum bis zum heutigen Tag unberücksichtigt? Wann wird darüber gesprochen?“, fragt Lasogga seine Parteikollegen. Dürrmann (71) ist seit 1969 Fraktionschef, zunächst in Büttgen und dann in Kaarst.
Zachel: Absprache für die Halbzeit
Lasogga tritt für einen Generationswechsel in der Partei ein. „Wir müssen uns personell erweitern, um mehr Impulse für die politische Arbeit zu bekommen.“ Er betont: „ich werde weiter in der Partei mitarbeiten und plane nicht, mein Ratsmandat zurückzugeben.“
Ins Thema Generationswechsel steigt auch Volker Zachel ein, der als Vize-Stadtverbandsvorsitzender zurücktritt. „Es gibt eine Absprache, nach der Jochen Dürrmann zur Halbzeit intensiv darüber nachdenkt, den Stab weiterzugeben. Aber es ist nichts passiert“.
Überhaupt hätten es die Älteren in den Ämtern „bislang vermocht, die Jüngeren wegzubeißen. Wir haben nur wenige Jungliberale“, so Zachel, der selbst 62 Jahre alt ist. Kritik übt er auch am Verhältnis zwischen Stadtverband und Fraktion.
„Eigentlich sollte der Stadtverband die politische Linie vorgeben, die Fraktion sie ausführen. In Kaarst agiert vor allem die Fraktion“.
Der Stadtverbandsvorstand sei „recht schwach, der innere Vorstand mit dem Vorsitzenden Hanno Wilsch, Dr. Horst Blechschmidt und bislang mit mir hat sich in anderthalb Jahren seit der Wahl nicht zu dritt getroffen.“ Ein weiterer Kritikpunkt: Die Kaarster FDP schaffe es nicht, „ihre Positionen in der Öffentlichkeit zu erklären“.
Fraktionsvorsitzender Jochen Dürrmann wollte sich gestern noch nicht zu der Kritik äußern. „Wir werden das Thema erst heute in der Fraktion besprechen.“ Es gebe „klare, schriftliche Absprachen, und an Absprachen, die mit mir gemacht werden, halte ich mich.“
Stadtverbandsvorsitzender Hanno Wilsch wollte zu den Äußerungen gestern noch keine Stellung nehmen, betonte jedoch, „dass die Kaarster FDP nach wie vor handlungsfähig ist“.
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