Kaarst (NGZ). Unterrichtsstunden im Umfang von vier kompletten Lehrerstellen fallen aktuell am Georg-Büchner-Gymnasium aus. Das Problem: Für offene Posten gibt es landesweit zu wenig qualifizierte Bewerber.
Die Ausfälle sind gravierend, und sie betreffen alle Jahrgangsstufen. Mal hat eine Klasse weniger Sport, weniger Religion oder weniger Erdkunde. Sieben Englisch- und acht Spanischstunden können derzeit am Vorster Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) nicht gegeben werden. Physikunterricht bekommen die Schüler der Klassen 8 und 9 sowieso nicht mehr – weil Lehrer fehlen. Für Schulleiterin Gisela Saßmannshausen besteht die größte Herausforderung momentan darin, die Unterrichtsversorgung so gut es geht sicherzustellen. "Meine Hauptaufgabe", sagt sie, "ist Lehrer fangen".
Das klingt lustig, aber die Situation ist ernst. Stunden im Umfang von etwa vier Stellen fehlen aktuell am GBG, was wiederum mehrere Gründe hat. Zum einen: Die Schülerzahl ist gestiegen. Derzeit besuchen 761 Jungen und Mädchen das Vorster Gymnasium. Das sind 34 Schüler mehr als im vergangenen Schuljahr. Das bedeutet einen Mehrbedarf von circa eineinhalb Stellen.
Seiteneinsteiger
"Jeder Seiteneinsteiger", sagt Gisela Saßmannshausen, "kostet eine Schule zehn Unterrichtsstunden." Eine volle Lehrerstelle umfasst 25,5 Stunden. Ein Seiteneinsteiger unterrichtet nur 15 Stunden. Die restlichen zehn Stunden sind Ausbildungszeit. Einsteiger müssen, wie Referendare, nach zwei Jahren ein Examen ablegen.
Punkt zwei: das Turbo-Abitur (G8). Durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre befindet sich die eigentliche Jahrgangsstufe 10 bereits in der Oberstufe. Das Kurssystem dort beansprucht aber weit mehr Unterrichtsstunden als ein Klassensystem. Und drittens: der gebundene, also verpflichtende Ganztagsunterricht in der Jahrgangsstufe 5. Auch dafür benötigt das GBG zusätzliche Unterrichtszeit. Fünf Stellen hatte Saßmannshausen deshalb kurz vor den Sommerferien ausgeschrieben, drei wurden besetzt: "Und das war noch Glück. Die Bewerberlage ist katastrophal."
In NRW herrscht akuter Lehrermangel. Auf circa 570 offenen Posten haben sich im Juni circa 270 ausgebildete Pädagogen beworben. Laut Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sind derzeit 647 Lehrerstellen frei, was die Schüler des GBG verstärkt spüren. An anderen Schulen sieht die Situation zum Teil noch düsterer aus.
Die zwei nicht besetzten Stellen hat das Vorster Gymnasium neu ausgeschrieben: "Die einzig in Frage kommende Bewerberin auf Stelle eins ist zum Auswahlgespräch nicht erschienen." Reguläre Bewerber, also Pädagogen, die auf Lehramt studiert haben, gibt es kaum. Die meisten Schulen setzten auf Seiteneinsteiger. Auch das GBG hat eine Bewerberin (Fächern Spanisch und Englisch). Allerdings bedeutet ihr Einsatz viel Bürokratie. Saßmannshausen: "Ich stehe in ständigem Kontakt mit dem Schulministerium und der Bezirksregierung. Dort tut man alles, was möglich ist. So, wie es aussieht, kann die Frau am Montag als Vertretungslehrerin anfangen." Was ein Anfang sei.
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