Kaarst (NGZ). Nach dem Skandal um den nicht proklamierten Schützenkönig Josef Pabis hat der Vorstand der St.-Sebastianus-Bruderschaft die Vertrauensfrage gestellt – mit negativem Ergebnis für den 1. Brudermeister.
Es ging um viel gestern Abend: um gebrochene Regeln, enttäuschtes Vertrauen, Indiskretionen und die Frage, ob die Mitglieder der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft nach wie vor hinter ihrem Vorstand stehen oder nicht. Mehr als 200 Schützen nahmen deshalb an der kurzfristig zur Vollversammlung erweiterten Chargiertenversammlung im Holzbüttgener Bischofshof teil. Der komplette Vorstand um Brudermeister Hans Töller und seinen Stellvertreter Norbert Drennhaus (insgesamt zwölf Mitglieder) stellte die Vertrauensfrage – mit einem eindeutigen Ergebnis. Bis auf Hans Töller wurde allen der Rücken gestärkt. Töller dagegen erhielt nur 97 Ja- und 135 Nein-Stimmen. Daraufhin trat er gestern Abend zurück.
Brans kritisiert Töller
Anlass für die Abstimmung, die zwar keine rechtlich verbindliche Wirkung hat, dennoch aber als eindeutiges Signal für den Willen der Mitglieder gilt, war eine Geschichte, die nicht nur in Kaarst eine Diskussion über das Wertegefüge der Bruderschaften ausgelöst hat. Für die Holzbüttgener ist die Episode "Josef Pabis" ein waschechter Skandal. Ein Jahr vor der Feier ihres 75-jährigen Bestehens hat die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft keinen König, weil der Vorstand dem 39-jährigen Artilleristen die Proklamation verweigerte (die NGZ berichtete).
Vorgeschichte
Für die Holzbüttgener Artillerie, aus deren Reihen beide Bewerber um den Königstitel kamen, war die verweigerte Proklamation nicht das einzige Ärgernis.
Ein Regimentsoberst hatte gegen das Corps eine Strafe von 250 Euro verhängt, weil der Artillerie ein Major vorsteht. Hauptmann, hieß es, sei statt dessen der richtige Rang.
Im Frühjahr hatte die Artillerie ihre Satzung in diesem Punkt explizit geändert. Major Christian Otte sprach von "Willkür".
Der Königsschuss von Josef Pabis, hieß es daraufhin hinter vorgehaltener Hand, sei womöglich eine Retourkutsche gewesen.
Am Schützenfestdienstag Anfang August war es im Festzelt zum Eklat gekommen. Da musste Norbert Drennhaus auf der Bühne vor versammelter Mannschaft verkünden, dass der gerade erst nach langem Suchen gefundene Nachfolger Robert I. Schalleys nicht inthronisiert werden könne. Es gebe offene Fragen, hieß es, die erst geklärt werden müssten. De facto ging es um die ungeklärten familiären Lebensverhältnisse des designierten Schützenkönigs Josef Pabis. Der hatte vor dem Schuss auf den Vogel verschwiegen, dass er in Scheidung beziehungsweise im Trennungsjahr lebt. Dieses Verhalten verstieß aus Sicht des Vorstandes gegen die Grundsätze der christlichen Bruderschaft. Deshalb wurde Pabis nicht proklamiert, was wiederum für Missmut unter den Schützenbrüdern sorgte. Vor allem die Tatsache, dass auch Brudermeister Hans Töller – wie im Protokoll der letzten Chargierten-Versammlung festgehalten und gestern verlesen – gleichfalls in satzungsgemäß ungeklärten Verhältnissen lebt, machte viele Bruderschaftsmitglieder wütend. Forderungen nach einer Satzungsänderung wurden laut.
Pfarrer Josef Brans, zugleich Präses der Bruderschaft, kritisierte gestern Abend öffentlich die Lebensverhältnisse Töllers. Aus kirchlicher Sicht, sagte er, finde er das nicht gut. Eine Entscheidung über ihren ersten Brudermeister hätten aber allein die Mitglieder zu fällen.
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