Kaarst (NGZ). Kaarst Im Sommer mit der Kirchengemeinde ins Zeltlager in die Eifel, nach Südtirol oder nach Schweden - was für Generationen von Jugendlichen selbstverständlich war, ist inzwischen fast schon eine Seltenheit. Die Kirche und andere Träger der Jugendarbeit müssen sparen oder haben Probleme, ehrenamtliche Betreuer zu finden - der Effekt: Das Angebot an klassischen Jugendfahrten geht zurück.
Hinzu kommt: Längst nicht mehr alle jungen Leute finden die Erfüllung ihrer Urlaubswünsche auf Zeltplätzen oder in Jugendherbergen. Ein Kaarster Unternehmen hat diesen Umstand als Marktlücke entdeckt. Stefan Stamm und Frank Donell steuern von ihrem Büro an der Alten Heerstraße aus mit zehn Mitarbeitern die Firmen Donell Gruppenreisen, gegründet 1989, und Fit Jugendreisen, am Markt seit 2003. Als Gruppe betrachtet, decken sie ein breites Spektrum ab: Gruppen- und Gemeindereisen für Jugendliche, Familien und Erwachsene finden sich bei Donell, Reisen und Events für Jugendliche bei Fit.
Früher selbst in der katholischen Jugendarbeit aktiv, wissen Stamm und Donell, wie sie sich präsentieren müssen: Klassisch, „kirchenchor-geeignet“ bei Donell, knallbunt und schrill à la Bravo im Fit-Katalog. Was für manche Eltern vielleicht ein bisschen wild aussieht, steht, so Stamm, dennoch für Qualität: Mit 16 Jahren schon weitgehend unbeaufsichtigt unterwegs, ein Modell, wie es am Markt durchaus zu finden ist, das ist nicht ihre Vorstellung von jugendgerechtem Reisen.
„Wir wissen um die Sorgen der Eltern, die ihren Kindern die Reise zwar erlauben wollen, jedoch keine große Lust haben, dass die Jungs oder Mädels allein bei Partys oder in Diskotheken unterwegs sind.“ Stamm und Donell setzen dem ein ausgefeiltes Betreuungs- und Animationsprogramm entgegen. In der Hochsaison beschäftigt das Unternehmen 150 bis 200 freie Mitarbeiter, intern „Teamer“ genannt, die eine intensive Betreuung sicherstellen sollen.
„Im Grunde arbeiten die ähnlich wie in der kirchlichen Jugendarbeit, nur mit dem Unterschied, dass wir einen Standard an Ausbildung von der Animation über pädagogische Fähigkeiten bis zu Kenntnissen des Jugendschutzes und der entsprechenden Gesetzgebung garantieren können“, sagt Stamm, der pro Jahr 3500 bis 4000 jugendliche Kunden an 25 Zielen bringt.
Als Mitglied im Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sind die Kaarster gemeinsam mit Anbietern wie der AWO oder dem Jugend-Rot-Kreuz dabei, wenn branchenweiten an Qualitätskriterien gefeilt wird. Angesichts des rückläufigen Angebotes der traditionellen Jugendreisen ist Fit jetzt auch mit Stadt Kaarst im Gespräch. Zudem werden neue Angebote entwickelt, etwa Reisen zu einem selbst organisierten Pop-Festival mit Morose, Nevio und Marquess in Rimini oder kombinierte Sport- und Sprachreisen.
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