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Der runde Geburtstag wird im Obus gefeiert: (K)ein Hobby von der Stange

zuletzt aktualisiert: 01.10.2004 - 22:40

Der runde Geburtstag wird im Obus gefeiert (NGZ). Von Carsten Sommerfeld Im Keller drehen leise surrend kleine Modellbusse unter der Oberleitung ihre Kreise, oben im Haus reihen sich die Bände mit rund 10 000 Fotos und Korrespondenz zu nur einem Thema aneinander - dem Obus. Heute Verkehrsgeschichte: Der Rheydter Obus faszinierte Jürgen Lehmann als Jungen.

Jürgen Lehmann aus Büttgen hat sich in seiner Freizeit dem in Deutschland selten gewordenen Fahrzeug verschrieben, das aussieht wie ein Bus, seine Energie aber ähnlich wie eine Straßenbahn über Stangen aus einer Oberleitung bezieht. Seine Adresse ist auch britischen und niederländischen Fans bekannt, mehrere Bücher hat er veröffentlicht. Die „Stangenbusse“ hatten es dem heute 41-Jährigen, der zusammen mit seiner Frau Gisela und seinen Töchtern Katrin und Kristina an der Korschenbroicher Straße wohnt, schon früh angetan - damals in Rheydt.

„Als Kind wohnte ich direkt an einer Obus-Haltestelle.“ Das prägte, die großen Fahrzeuge mit ihren Reklameflächen faszinierten ihn. Irgendwann begann er Fahrzeugnummern zu notieren. „Aus Lego und aus Pappe baute ich mir damals Obus-Modelle.“ In späteren Jahren kaufte Jürgen Lehmann sich eine Kleinbildkamera, bannte die Obusse aufs Bild. Als er sich als Jugendlicher von seiner Tante etwas wünschen durfte, „wollte ich zum Obus-Betrieb in Solingen“.

In seiner Heimatstadt war der Oberleitungsbus damals bereits Geschichte, 1973 legte letztmals eines der mittlerweile altehrwürdigen Geräte seine Stangen an die Oberleitung. Seinegroße Zeit hatte dieses Verkehrsmittel von den 30ern bis in die 50er Jahre. Unter den Nationalsozialisten sollte mit dieser Fahrzeugart kriegswichtiger Treibstoff gespart werden, in vielen Städten wurde sienach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber der schienengebundenen Straßenbahn bevorzugt. Auch in Neuss rollte er einige Jahre.

Rund 70 Obus-Betriebe gab es einst in Deutschland, nur drei - in Solingen, Esslingen und Eberswalde - sind noch übrig. Im zunehmenden Autoverkehr galten die an die Oberleitung gebundenen Wagen mehr und mehr als Hindernis, mussten trotz des umweltfreundlichen Antriebs Dieselbussen Platz machen. Jürgen Lehmann aber blieb dem Trolley-Bus treu, sammelte Daten, tauschte Fotos mit Gleichgesinnten. Sein in Jahrzehnten erworbenes Wissen ist gefragt. Sein erstes Buch galt natürlich seiner alten Heimatstadt.

Dem Band „Straßenbahn und O-Bus in Rheydt“ folgten weitere Bücher über die Straßenbahn in Mönchengladbach und die Solinger Obusse. Neues gibt es für ihn immer noch zu entdecken, auch wenn die Fahrten oft länger geworden sind: In der Schweiz, in Italien, osteuropäischen Staaten und in Russland gibt es zahlreiche OBus-Betriebe“, erklärt Jürgen Lehmann, der in Rom, Salzburg, Porto, Arnheim, Lyon ebenso war wie in Athen und Tschechien. Nicht nur ihm haben es die Oberleitungsbusse angetan - bei Tagen der offenen Tür etwa bildet sich vor den Fahrzeugen eine Phalanx aus Fotografen.

„Bei der Eröffnung des Betriebes 2003 im schwedischen Karlskrona habe ich wieder viele Fans getroffen, und zum Schluss hieß es, Bis nächstes Jahr in Rom ’.“ Auch zu Hause hat der bei der Deutschen Bahn in Essen beschäftigte Architekt reichlich zu tun.

Seit vielen Jahren gibt er Kurzberichte aus den deutschen Obus-Betrieben in Deutsch und Englisch heraus, seine Internetseite http://home.t-online.de/home/jgk.lehmann/homepage.htm ist ebenfalls eine Fundgrube für Obus-Freaks. Und natürlich wurde vergangenes Jahr sein runder Geburtstag mit Familie und Freunden ganz stilecht gefeiert - im Solinger Obus Nummer „40“.

Quelle: NGZ


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