Kabel durchgetrennt (NGZO). Seit rund zwei Wochen werden im Stadtgebiet die Kabel von Straßenlaternen durchtrennt. Der oder die Täter klettern dazu sogar auf die bis zu sechs Meter hohen Lampen hinauf. Die Polizei tappt im Dunklen.
Kaarst Ist es ein zweifelhafter Spaß oder bezweckt der Lampen-Zerstörer etwas Spezielles mit seinen Taten? Die Polizei weiß es nicht. Denn sie ist bereits seit rund zwei Wochen auf der Suche nach dem mysteriösen Täter.
Seine Vorgehensweise: Zuerst entfernt er die Schutzabdeckung aus Metall, die Sicherungen und Kabel der Straßenlaterne vor unbefugtem Zugriff schützt. "Dafür ist Spezialwerkzeug nötig", weiß Stadtpressesprecherin Sigrid Hecker. Danach durchtrennt der Unbekannte die Kabel – die Lampe leuchtet nicht mehr. Doch damit gibt sich der Kaarster Lampen-Zerstörer in einigen Fällen noch nicht zufrieden: Er steigt auf die bis zu sechs Meter hohen Straßenlaternen hinauf, entfernt dort den Dämmerungsschalter. Offenbar weiß er, was er macht. Hecker: "Wenn dieser Schalter entfernt wird, dann geht nicht nur die eine Lampe aus, sondern alle Lampen, die sich in der Umgebung befinden." So wird es auf einen Schlag zappenduster.
Der oder die Lampen-Zerstörer haben bisher aus ihrer Sicht ganze Arbeit geleistet: Mindestens 35 Straßenlaternen wurden bereits auf diese Weise bearbeitet. das fällt auch Anwohnern auf. So zum Beispiel Horst Mokros. Er moniert: "Ich wohne an der Neusser Straße, und die defekte Laterne hier wurde nur notdürftig mit einem Draht repariert." Das Ergebnis: Die Klappe, die Drähte und Sicherungen verbirgt, liegt offen. "Das ist eine Gefahr für Kinder, die hier spielen", mahnt Mokros. Die Stadtverwaltung hat sich seinen Angaben zufolge seit längerer Zeit nicht darum gekümmert.
"Vielleicht haben wir den Einzelfall übersehen", sagt Hecker. Aber generell sei die Stadtverwaltung bereits am nächsten Tag im Einsatz, um die gefährlichen Hinterlassenschaften des Lampen-Zerstörers wieder zu neutralisieren. "Wir erhalten mittlerweile regelmäßig E-mails oder Anrufe von Bürgern, die auf neue Zerstörungen hinweisen", berichtet die Pressesprecherin.
Was treibt jemanden dazu an, auf sechs Meter hohe Straßenlaternen zu klettern und die Beleuchtung auszuschalten? Finanzielle Gründe können es nicht sein. "So ein Schalter kostet vielleicht zwei Euro", meint Hecker.
Und auch die Polizei tappt im Dunklen: "So einen Fall hatten wir hier noch nie", sagt Polizeisprecher Bernd Schmutzler. Es gibt bislang auch keine Hinweise auf den Täter. Dabei müsste es eigentlich an der viel befahrenen Neusser Straße auffallen, wenn jemand eine sechs Meter hohe Lampe besteigt. Auch in dem Fall, dass der Lampen-Zerstörer eine Leiter benutzt, dürfte er Passanten oder Autofahrern ins Auge fallen. "Falls jemand etwas beobachtet hat, nehmen wir gern Hinweise unter der Telefonnummer 0 21 31 / 30 00 entgegen", appelliert Bernd Schmutzler.
Wer haftet eigentlich, wenn sich jemand wegen der defekten Lampen verletzt? Das erläutert Sigrid Hecker: "Die Stadt ist nur verpflichtet, an Verkehrsknotenpunkten Lampen aufzustellen." Wer hinfällt und sich die Knochen bricht, haftet also selbst. Falls aber jemand einen Stromschlag erleidet – zum Beispiel an der oben erwähnten offenen Laterne – dann müsste die Stadt in Haftung treten.
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