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Kaarst: Paintball – ein Leistungssport

VON STEFAN REINELT - zuletzt aktualisiert: 26.01.2012

Kaarst (NGZ). Zu einem Trainingswochenende trafen sich jetzt Teams der Bundesliga in der "Paintball Arena Kaarst". Die Spieler sind Studenten, Handwerker, Ärzte oder Anwälte. Mit Krieg spielen hat das Schießen mit Farbkugeln für sie nichts zu tun.

Marvin Bunsch spielt im Jugendnationalteam. Foto:

Auf den ersten Blick wirkt es sehr martialisch: Nach dem Startsignal ist knapp zwei Minuten Dauer-Geballer zu hören. Bis zu 1000 Schuss feuert ein Paintball-Profi in einem Wettkampf ab. Zu einem Trainingswochenende trafen sich jetzt Teams aus der ersten und zweiten Bundesliga, aber auch aus Belgien, in der "Paintball Arena Kaarst".

Wo früher Filzbälle übers Tennisnetz geschlagen wurden, fliegen jetzt Farbkugeln durch die Luft. Die Mannschaften heißen Düsseldorf Rackless oder Comin@Ya, die Truppe von Brakeout Spa aus Belgien ist derzeit das Maß aller Dinge in der Paintball-Szene. Die Spieler sind Studenten, Handwerker, Versicherungsvertreter, Ärzte, Anwälte, Feuerwehrleute und Polizisten. Häufig lautet der Vorwurf, sie würden Krieg spielen. "Niemand hier hat etwas Böses im Sinn, und wir möchten keinem wehtun. Wenn jemand umknickt, lachen wir auch nicht über ihn", sagt Marvin Bunsch.

Info

Paintball

Ausrüstung Eeite Kleidung, feste Schuhe, Schutzbrille, Gewehr ("Markierer") mit Druckluft, Farbkugeln; Leistungssportler spielen mit einem elektrischen Markierer, der 20 bis 30 Schuss pro Sekunde abgibt

Kosten Ein vernünftiges Gewehr mit Zubehör kostet rund 700 Euro, eine Kiste mit 2000 Farbbällen 35 Euro

Verleih In der "Paintball Arena Kaarst" braucht man nur Kleidung und Schuhe, der Rest wird zur Verfügung gestellt; Paketpreise zwischen 35 und 85 Euro pro Person

Der 19-Jährige gehört dem Jugendnationalteam an, ist jede Woche auf der Anlage in Holzbüttgen. Als er mit zwölf Jahren einen Katalog über Paintball in die Hände bekam, wollte er es unbedingt ausprobieren. Allerdings musste er noch warten, bis er mit 16 ein Schuljahr in den USA verbrachte. "Dort ist das etwas für die ganze Familie. Sobald man eine Maske tragen kann, darf man spielen", sagt Bunsch.

In Deutschland ist Paintball erst ab 18 Jahre erlaubt. Eine Mannschaft schickt fünf Spieler aufs 1500 Quadratmeter große Feld. Drei Positionen sind zu besetzen: Der "Snake" ist meist klein und quirlig, robbt sich am Rand bis zur Mitte des Parcours vor. Der "Corner" zieht das Spiel in die Breite, der "Center" gibt Rückendeckung. "Beim Runterzählen der letzten zehn Sekunden bis zum Start erlebt man einen extremen Adrenalinstoß", sagt Jan Wollenhaupt. Der 23-Jährige betreibt zusammen mit Bernd Hausmann die Paintball Arena Kaarst. Sie haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Gezielt wird mit bloßem Auge. Die meisten Schüsse gehen in die Luft, um zu zeigen, wo sich jemand befindet und um Bereiche abzuriegeln. Die Spieler gehen hinter den Barrikaden in Deckung. Nur für einen kurzen Moment sieht man den Kopf dahinter hervorkommen.

"Es ist ein Hochleistungssport mit viel sprinten und hocken", sagt Marvin Bunsch. Die Taktik gleicht Zügen wie beim Schach. "Hat man Routine, ist es vor allem der Kick, wenn man jemanden ausgetrickst hat", so der Maschinenbaustudent. Wer es bis zur Mitte des Parcours schafft, hat das Duell bereits so gut wie gewonnen. Dafür müssen alle fünf Spieler des Gegners zuerst getroffen werden. Zum Schutz sind Ellenbogen- und Knieschoner in die Kleidung eingearbeitet. "Blaue Flecken sind vorprogrammiert. Das macht den Sport aber auch aus. Man soll schon spüren, wenn man getroffen wird", sagt Bernd Hausmann. Schmerzhafter ist es allerdings nur in den seltensten Fällen.

Foto
Foto: Lothar Berns
Quelle: NGZ

 
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