"Null Fehler" - das Soloprogramm von Horst Schroth, bekannt als Bühnenpartner von Achim Konejung, ist gründlich desillusionierend. Olaf Laux, der Prototyp eines Lehrers, steht für eine ganze Generation von Intellektuellen, die als Weltverbesserer angetreten waren und ihr Scheitern zwar erkennen, aber in ihrer wenig selbstkritischen Art nicht verstehen.
Horst Schroths "Doppelstunde" lässt Erinnerungen wach werden: an die altehrwürdigen 68er und an die eigene Schulzeit. Gelbliches, solides Schuhwerk, eine abgewetzte braune Ledertasche plus Stoffbeutel, lindgrüne Hose mit mäßiger Passform, rötliches Hemd und Weste - Horst Schroth schien mit seinem Olaf Laux Lehrer-Klischees bestens zu bedienen. Schnell machte er einen Herrn Ulrich aus der ersten Reihe zu seinem Musterschüler, der immer wieder ins Gespräch gebracht wurde. Der oberlehrerhafte Ton war ihm zumindest bewusst: "Den kriegt man nicht mehr raus - das ist wie mit Rotweinflecken." So sehr er auch gestikulierte, den alten Lateiner raushängen ließ, sich autoritär gebärdete: Die Zuschauer merkten bald, dieser Typ ist ein echter Looser.
Sein Thesenpapier zum Thema "Lehrer", dieser nur eingeschränkt lebensfähigen Besserwisser, umständlich vorgebracht, machte deutlich, dass hier ein Mann in der Krise steckt, dass dieser Lehrer einen Berufsstand und auch eine ganze Generation repräsentierte. Horst Schroth, der als Olaf Laux wie aufgezogen agierte und doch kaum etwas auf die Reihe bekam, vermittelte überdeutlich Sinnkrise und Ausweglosigkeit. Hier und da ein kleiner Lehrerwitz diente zur Auflockerung des "Unterrichts", besonders wenn die Lacher von diesem Kaliber waren: "Mal ist der Bundestag voller, mal ist er leerer, aber immer voller Lehrer." Die Generation der geistig hochgezüchteten Theoretiker, die alles ausdiskutieren musste und die in ihrem blinden Eifer am Leben vorbei lebte, musste eine klägliche Bilanz ziehen. Auf Olaf Laux reduziert, hörte sich das so an: "Lehrer wissen alles besser und können selber nichts."
Peinlich, wie Laux ausgerechnet auf der von ihm mit viel Herzblut und Engagement initiierten Friedenskonferenz zum Schläger wurde. Die Moral von der Geschicht: "Mach erst Frieden mit dir selbst." Der enttäuschte Profi-Miesmacher ("Wir haben immer gewarnt, es sei 5 vor 12 - dass es nicht 12 geworden ist, dafür können wir doch nichts"), auf den sich kein Vermieter einlässt, der durch sein nachlässiges Outfit und den alten Mitsubishi-Bus Nonkonformismus signalisiert und als ein mit theoretischem Wissen vollgestopftes Neutrum daherkommt, entpuppt sich als Mann mit Doppel-Moral: Heimlich von Luxus träumend, nach sinnlichen Genüssen schmachtend und dabei voll ins Fettnäpfchen in Form der reizvollen und gerissenen Schülerin Tanja tretend.
Die Zuschauer ließen sich auf diesen skurrilen Lehrer ein - da flog schon mal ein Papierflieger, mit schelmischem Grinsen stellte ihm eine Frau das leere Bierglas auf den Stuhl. Horst Schroth, dessen Programm als Appell für mehr Lebensfreude und gesunden Menschenverstand statt miefiger ideologischer Zwangsjacke verstanden werden kann, ließ Olaf Laux als unausgeglichenen, vom Burn-out-Syndrom gebeutelten technikfeindlichen Zeitgenossen alt aussehen. Fehler hatte er als Kabarettist kaum gemacht - "Null Fehler" ist als Name des Programms daher berechtigt. barni
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