Kaarst (NGZO). Eine ebenso kurzweilige wie spannende Angelegenheit war der CDU-Neujahrsempfang im Hotel Park Inn. Dafür sorgten das Kammerorchester Neuss und Festredner Dr. Martin Kessler, Ressortchef Politik unserer Zeitung.
Kaarst Mit klassischer Musik ist das so eine Sache. Als Laie weiß man nie so genau, wann der Applaus wirklich angebracht ist. Joachim Neugart, der dem gelungen Neujahrsempfang der CDU im Hotel Park Inn mit dem von ihm dirigierten Neusser Kammerorchester den an Atmosphäre reichen Rahmen gab, nahm die Sache freilich locker. Den allzu eifrigen unter den rund 250 Zuhörern im Saal Berlin, die kurz zuvor einen noch nicht vollendeten Auszug aus dem Werk von Edvard Grieg mit ihrem verfrühten Beifall unterbrochen hatten, erklärte er vor dem nächsten Ohrenschmaus schmunzelnd: "Die folgende Symphonie von Joseph Haydn hat drei Sätze: Presto - Andante - Presto."
Ehrungen
50 Jahre CDU-Mitglied: Heinz Bücheleres; 40 Jahre: Annemarlene Beginnen, Helene und Willi Flanhart, Helmut Haas, August Kordes, Heinrich Leßmann, Hermann-Josef Paas, Michael Rademacher, Hans Schlangen, Paul Stern, Josef Wilms; 25 Jahre: Franz-Wilhelm Hausmann, Hans-Georg Schröder, Gisela Korzeniewsky, Volker Schöneberg
Die Mischung zwischen lockerem Plausch – Bundestagsabgeordneter Ansgar Heveling wusste launig von seinem Alltag in der Bundeshauptstadt zu berichten ("Montags geht's per Flieger nach Berlin, freitags zurück zur Familie – das ist mittlerweile fast schon ein bisschen wie Busfahren.") – und ernsthaftem politischen Diskurs stimmte am Sonntag einfach. So schaffte es Dr. Martin Kessler, seit 1. Januar Ressortchef Politik unserer Zeitung, in seiner fesselnden Festrede, das durchaus heikle und facettenreiche Thema: "Politik und christliche Verantwortung im Wahljahr 2010" kritisch, aber jederzeit konstruktiv auf den Punkt zu bringen.
Dabei schöpfte der Journalist aus seinem als Leiter der Parlamentsredaktion Berlin gewonnenen Erfahrungsschatz. Kessler, "bekannt für seine messerscharfen Analysen, die ihn", so Franjo Rademacher, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Büttgen, "auch in Kanzlerrunden zu einem gefragten Gesprächspartner machen", spielte sich dabei freilich nicht als Richter auf.
Seine Grundaussage lautet: "Die CDU nimmt das christliche Menschenbild ernst." Er schaute indes genau hin – in die Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Gesundheitspolitik, die Sozialpolitik sowie in die Energie- und Umweltpolitik und widmete sich auch dem Thema innere und äußere Sicherheit. Er provozierte: "Sollte man nicht besser die ganze christliche Überhöhung den wenigen überlassen, für die das noch wirklich etwas bedeutet? Also Christentum als reine Privatsache, die in der Politik nicht zu suchen hat?" Inzwischen sei es auch vielen führenden Christdemokraten eher peinlich, sich als gläubige Katholiken oder Protestanten zu bekennen. "Ich möchte da übrigens Bundeskanzlerin Angela Merkel ausdrücklich ausnehmen."
In der praktischen Politik komme das Bekenntnis und die Rückbesinnung auf christliche Werte oft zu kurz. Ausnahmen sind für ihn Forschungsministerin Annette Schavan, CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und Umweltminister Norbert Röttgen. "Dabei", schloss er, "würde die CDU ihre Seele aufgeben und zum reinen Kanzlerwahlverein degenerieren, wenn sie diesen Markenkern aufgäbe."
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