Landtagswahl (NGZ). Am 9. Mai bewirbt sich Lutz Lienenkämper zum zweiten Mal um das Direktmandat im Wahlkreis 46 (Jüchen, Kaarst, Korschenbroich, Meerbusch). Als Minister ist er für alle da, als Fußball-Fan gehört sein Herz nur Schalke 04.
Warten auf NRW-Bau- und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) fühlt sich ein bisschen so an wie Warten auf einen Termin beim Arzt. Auf dem kleinen, rechteckigen Tisch im Vorzimmer zum Düsseldorfer Ministerbüro liegen zwar dicke Hochglanz-Architekturbildbände statt Bunte und Gala, ansonsten ist die Einrichtung aber eher schlicht: rechts neben der Tür steht ein Kleiderständer, links unter dem Fenster eine Zimmerpalme, ein paar Stühle. Das war’s.
Lutz Lienenkämper – als Bauminister und auch sonst sehr auf eine ansprechende Optik bedacht – ist der fehlende Charme seines Empfangszimmers fast ein wenig unangenehm. „Tut mir leid, der Raum ist furchtbar“, sagt er und grinst. „Ich würde ihn sofort umbauen, aber wir stehen kurz vor der Landtagswahl und man weiß ja nicht, was passiert.“
Sollte nach dem 9. Mai jemand anderes sein Büro samt Vorzimmer beziehen, wolle er denjenigen oder diejenige nicht vor vollendete Tatsachen stellen. „Vielleicht findet mein Nachfolger hier ja alles schön, so wie es ist.“
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wer glaubt, aus den Worten des 40-Jährigen, der zum zweiten Mal als Kandidat im Wahlkreis 46 (Jüchen, Kaarst, Korschenbroich und Meerbusch) antritt, so etwas wie eine Vorahnung in Bezug auf den Wahlausgang herauszuhören, irrt. Lienenkämper ist Realist, praktisch veranlagt und – trotz eines übervollen Terminkalenders – auf erstaunliche Weise unaufgeregt.
„Manchmal wundere ich mich über mich selber“, sagt er. „Offenbar trage ich so etwas wie ein Entspannungs-Gen in mir.“ Das kann helfen, wenn es um das Tragen von Verantwortung geht. Als Ressortchef verfügt der Bau- und Verkehrsminister über einen „Fördertopf“ von 2,5 Milliarden Euro. Damit, dass es im politischen Geschäft wie auch als Minister manchmal unbequeme und unwillkommene Positionen zu vertreten gilt, hat Lienenkämper kein Problem.
Von einem Spagat zwischen seinen Forderungen als Politiker und den Anforderungen seines Ministeramtes – zum Beispiel beim Dauerbrenner-Thema Fluglärm – will er nichts wissen. „Als Minister muss ich alle Interessen abwägen“, sagt er. Im Ergebnis gebe es oft Unzufriedenheit auf beiden Seiten. „Dann habe ich den richtigen Kompromiss gefunden.“ So sieht sein persönlicher Maßstab aus.
Dass ihn viele Menschen in seinem Wahlkreis mögen, mag mitunter an der Bodenständigkeit liegen, die der Hobby-Tennisspieler (TC Bovert) und Schalke-Fan trotz seines Amtes nach wie vor ausstrahlt. Die Heimat, zu der er die gesamte Region rund um Meerbusch zählt, ist Lutz Lienenkämper wichtig.
Deshalb trifft man ihn abends manchmal auch in irgendeiner Kneipe – ganz nah bei den Wählern. „Minister“, sagt er, „ist eben ein Job, für den es keine Arbeitsplatzbeschreibung gibt.“ Pläne für die Zeit nach der Wahl habe er viele. Die Einrichtung eines neuen Empfangszimmers im Ministerium gehört möglicherweise dazu.
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