Kaarst (NGZO). Leser sagen ihre Meinung zur eskalierenden Gewalt im Kaarster Stadtpark.
Kaarst Schlägereien rund um den Stadtpark, alkoholisierte, brutale Jugendliche – die Neuß-Grevenbroicher Zeitung hatte ihre Leser am Donnerstag aufgerufen, am Heißen Draht zur NGZ-Redaktion ihre Erfahrungen zu schildern und Ideen vorzuschlagen, wie die Übergriffe eingedämmt werden können.
Nathalie N. (Name von der Redaktion geändert) ist erst 17 Jahre alt und gehörte bis vor kurzem noch selbst zu einer der Jugendgruppen im Stadtpark: "Es gibt dort tatsächlich mehrere Jugendgruppen, deren Mitglieder auch aus anderen Städten kommen. Die Rivalitäten gehen so weit, dass sich die Gruppen gegenseitig Stadtpark-Verbot geben." Und wenn dieses Verbot nicht eingehalten wird – was häufig passiert, da sich keiner Vorschriften machen lassen will – eskaliert die Situation, es kommt zu Schlägereien und Übergriffen (wie die NGZ berichtete). Nathalie ergänzt: "In den Gruppen ist immer mehr Alkohol getrunken worden, nachher vor allem Wodka und scharfe Sachen. Jeder der Jugendlichen weiß: Die Polizei kann einen höchstens für eine Nacht einbuchten, sonst passiert einem nichts."
Matthias Molzberger meint: "Der Vorschlag der FDP zeigt wiederholt überaus deutlich, wie viel Wert in Kaarst auf sachgerechte Jugendpolitik gelegt wird und welchen Stellenwert die Jugend hat: Anstatt in die Gewaltprävention und qualifizierte Jugendarbeit zu investieren, versucht man, die Probleme mit einem Sicherheitsdienst zu bekämpfen, dessen Kosten und Nutzen in keinerlei Relation stehen, da die Gewalt dann nur an einen anderen Ort verdrängt wird. Agieren statt reagieren muss die Devise lauten: Mehr Geld in die Sanierung und Angebote der Jugendzentren investieren und direkter Kontakt zu der Jugend vor Ort durch Streetworker."
Ute Havers sagt: "Ich finde es richtig, wenn jetzt mehr Präsenz von Ordnungskräften in der Stadt gefordert wird. Ich meide den Stadtpark abends, zur Volkshochschule fahre ich lieber mit dem Auto, als zu Fuß zu gehen. Was Streetworker in Kaarst ausrichten sollen, wenn die Schläger aus den umliegenden Städten kommen, ist mir nicht klar. Ich möchte ungern als weiteres Opfer in die Statistik eingehen sondern auch abends unbesorgt durch Kaarst gehen können. Es ist egal, wie viele Menschen insgesamt in Kaarst bereits überfallen wurden. Jeder einzelne ist zu viel!"
"Das Zauberwort heißt ,schnell'", ist die Meinung von Claudia Trapp. "Wichtig bei allem ist vor allem, dass jetzt nicht lange geredet, diskutiert und gestritten wird. Es geht hier nicht um Wahlpropaganda, sondern parteiübergreifend um eine schnelle Lösung im Sinne unserer Kinder, unserer Bürger, die Sicherheit unserer Stadt. Wenn es sich erst herumgesprochen hat, dass in Kaarst lange gezögert wird und somit auswärtige Banden Zeit haben, sich auszutoben, ist es zu spät. Genauso schnell spricht es sich aber auch herum, wenn in Kaarst massiv, professionell und schnell gegen diese Gewalttäter Vorsorge getroffen wird. Es ist auch nichts Schlimmes, wenn verschiedene Methoden ausprobiert werden, bis gesehen wird, was greift. Also schnell ran", so die Empfehlung von Claudia Trapp.
Peter Kurz nimmt die Polizei in Schutz: "Unsere Polizei ist total unterbesetzt. Es ist überhaupt nicht möglich, ein so großes Areal wie den Stadtpark und die Umgebung effektiv zu überwachen, wenn nicht genügend Einsatzkräfte zur Verfügung stehen. Wer Sicherheit und Ordnung will, muss dafür auch Geld zur Verfügung stellen, um das dringend nötige Personal bezahlen zu können."
Ulrike Bender hat Angst: "Wenn es abends etwas später wird, vermeide ich es, durch den Stadtpark zu gehen." Die Wege seien zu schlecht ausgeleuchtet. Auch ihre Tochter habe Angst – und zwar um ihre Kinder. Die besorgte Mutter hat ihrem Nachwuchs deswegen strikt verboten, auch am frühen Abend das Gelände des Parkes zu betreten.
Christel Pranre fragt sich: "Haben die Politiker und die Verwaltungsmitarbeiter keine Kinder? Müssen erst zehn oder 20 Kinder im Stadtpark totgeschlagen werden, bis endlich etwas passiert? Da bleibt mir der Verstand stehen." Ihr Lösungsvorschlag: "Der Bürgermeister soll abends zwei Leute abstellen, die im Park patroullieren."
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