Kaarst (NGZO). In Mönchengladbach fürchten Politiker der CDU und SPD den Ausbau der Regiobahn von Kaarst bis nach Viersen und wollen das Projekt bekämpfen. Sie sehen die eigenen Pläne für eine Intercity-Anbindung torpediert.
Als die Regiobahn-Gesellschaft vor wenigen Wochen in Viersen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum geplanten Ausbau der Strecke bis an die holländische Grenze vorstellte, schrillten bei einigen Politikern aus Mönchengladbach die Alarmglocken. Sie sehen in den drei Varianten eine Bedrohung der eigenen Pläne – nämlich der Intercity-Verbindung Eindhoven-Mönchengladbach-Düsseldorf. Der CDU-Landtagsabgeordnete Norbert Post wird deutlich: "Die Regiobahn hat für Mönchengladbach keinen Nährwert."
Geht es nach den Plänen der Regiobahn, dann soll die S28 künftig nicht mehr am Kaarster See enden, sondern über Schiefbahn, Willich, Neersen und Viersen bis an die holländische Grenze fahren. Letztlich ist Venlo als Zielpunkt anvisiert. Die mit 34 000 Euro von der Euregio Rhein-Maas-Nord bezuschusste Machbarkeitsstudie gibt drei Varianten vor: 1. Eine Verbindung Kaarster See/Viersen im 20-Minuten-Takt, 2. Eine Erweiterung bis nach Venlo im 60-Minuten-Takt, 3. Ein zusätzlicher Regionalexpress, der auf gleicher Strecke die Fahrgäste zwischen Venlo und Düsseldorf bedient.
Kaarst bleibt gelassen
Manfred Meuter, Technischer Beigeordneter der Stadt Kaarst, verfolgt den Mönchengladbacher Vorstoß aufmerksam, aber ohne Sorge: "Wir würden es begrüßen, wenn sich beide Projekte – Regiobahn und Intercity – verwirklichen ließen, denn in beiden Fällen würde Kaarst profitieren. Ich sehe auch keinen direkten Zusammenhang. Da wird die 2. mit der 1. Liga verglichen, dabei können beide wunderbar nebeneinander existieren."
"Wir wollen mit dieser Erweiterung in erster Linie die Stadt Willich und den Kreis Viersen an die Regiobahn anbinden", erläutert Ulrich Bergmann, Geschäftsführer der Regiobahn-Fahrbetriebsgesellschaft. Und genau dieser Eindruck dürfte sich auch den Gladbachern aufgedrängt haben, als sie die Pläne zur Kenntnis nahmen. Insbesondere der von Mönchengladbach befürwortete Intercity steht so nämlich in den Sternen. Der Zug müsste im Gladbacher Hauptbahnhof wenden, um in entgegengesetzter Richtung bis zum Düsseldorfer Flughafen weiterzufahren. Ein Manöver, das bei der Nutzung der Regiobahn-Trasse durch den Intercity wegfiele. In den Niederlanden liegt der Fokus der Bahnlobby in erster Linie auf einer möglichst direkten Anbindung an den Düsseldorfer Flughafen: Der Intercity aus Eindhoven würde Mönchengladbach also schlichtweg umfahren.
Und auch wenn Bergmann betont, dass die Regiobahn-Erweiterung unabhängig vom Intercity-Projekt zu werten sei, bleibt die minimale Anbindung der Stadt Mönchengladbach an die angedachte Regiobahn-Trasse. Mit der Haltestelle "Neersen" soll der Gladbacher Stadtteil Neuwerk abgedeckt werden – mehr Gladbach ist in der Regiobahn-Erweiterung nicht zu finden. Dabei braucht der Pool aus Regiobahn, den Kreisen Viersen und Neuss, Land und Bund die Stadt Mönchengladbach zur Finanzierung des rund 57 Millionen teuren Ausbaus. Momentan treibt die Regiobahn vor allem die Streckenerweiterung nach Wuppertal an. Doch irgendwann wird sich das Unternehmen auf die widerspenstigen Gladbacher zubewegen müssen.
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