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Ein zweistündiges verbales Feuerwerk: Röck gerockt und Böck gekübelt

zuletzt aktualisiert: 06.03.2005 - 21:43

Ein zweistündiges verbales Feuerwerk (NGZ). „Wenn die Stimmung stimmt, dann stimmt auch alles andere“: Bei Wilfried Schmickler stimmte der gekonnte Umgang mit der deutschen Sprache nachdenklich und trotzdem auch heiter: Er brannte jetzt im Albert-Einstein-Forum ein gut zweistündiges verbales Feuerwerk ab, das es in sich hatte. Selten ist Kritik an Politik und Gesellschaft so wortgewandt verpackt gewesen wie in „Danke!“.

Der Kölner mit dem streng nach hinten gekämmten Resthaar machte sich über die Ängste vieler Bürger lustig und setzte wenig reflektierten Stammtischparolen seine spezifische Polemik entgegen: Wilfried Schmickler warnte scherzhaft: „Die Terror-Türken stehen vor Europa.“ Seine Phantasie kreiste um „Zwangsbeschneidungsorgien“ und andere vermeintliche kleinbürgerliche Horrorvisionen.

Intoleranz und mangelnde Differenzierung sind eigentlich Eigenschaften, die der scharfzüngige Kabarettist anprangert. Peinlich nur, dass er sich selbst auf Stammtisch-Niveau herablässt und „schwarze Schafe“ zur Norm erklärt, indem er beispielsweise suggeriert, alle Ärzte seien Betrüger mit ausgeprägter Selbstbedienungsmentalität. Ärzte, die Konkurs anmelden gibt es bei ihm ebenso wenig wie ausländische Flüchtlinge, die das Asylrecht missbrauchen, obwohl bekannt sein dürfte, dass beides alltägliche Realitäten sind. Es empfiehlt sich also, das eigene Hirn nicht auszuschalten, wenn Wilfried Schmickler seine spitzen Pfeile abschießt.

Aber amüsant ist es schon, auf welch wortgewandte Weise er seine längst nicht immer nachvollziehbare Weltsicht vor dem Publikum ausbreitet. Sein „Folterlied“ macht keinen Unterschied zwischen politisch motivierten Grausamkeiten und - wie im Falle des kleinen Jakob Metzler geschehen, auf den Schmickler ausdrücklich hinweist - angedrohte Zwangsmaßnahmen mit der Absicht, ein Kinderleben zu retten.

Da kann sich ein nicht in ideologischen Denkmustern verhafteter Zuschauer schon ein bisschen verblödet bei vorkommen. Mal ein Lied zwischendurch, dann wieder einen Witz - Schmickler ist sichtlich bemüht, sein Publikum gut zu unterhalten. Und zwei Stunden im Albert-Einstein-Forum waren denn auch alles andere als Folter. Zu den Höhepunkten gehörte eine Art „Tresen-Lesen“: Der Kölner zitierte einen Testesser - dieser überwiegend nörgelnde „Verdauungspoet“ sonderte Sätze an wie diesen: „Kohlrabi und Flusskrebs wirkten wie zufällige Gäste auf dem Teller.“

Auch die Alt-68er, die sich einst ein „Nein-danke“ in die Socken gestickt hatten, bekamen ihr Fett weg, waren sie doch zu selbstzufriedenen Wohlstandsbürgern mit ausgeprägtem Hang zum Spießertum mutiert. Wann ist der Mann ein Mann? Wenn er einen halben Liter Lenor trinkt und dann ein paar Unterhosen bügelt?

Wenn er den Duft nach frei laufenden Wildschweinen auflegt? Schmickler ließ - zum Teil mit atemberaubenden Tempo die Naddel naddeln, die Röck rocken und den Böck kübeln - alles lief unter der Überschrift „Das ist die Zeit der Irren und Idioten“. Zum Schluss watschte Wilfried Schmickler „den Endverbraucher, das Sensibelchen“ ab: „Der lässt die Wirtschaft am langen Arm verrecken.“

Quelle: NGZ


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