Kaarst (NGZ). Weil ihm der Vorstand der Holzbüttgener St.-Sebastianus-Bruderschaft die Proklamation verweigerte, verzichtete der designierte Schützenkönig Josef Pabis auf sein Amt. Pabis hatte verschwiegen, dass er in Scheidung lebt.
Ein Jahr vor der Feier ihres 75-jährigen Bestehens hat die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft keinen König. Was nach einer schlichten Nachricht klingt, ist für die Holzbüttgener Schützen ein echter Skandal. Bereits am Dienstagabend kam es im Festzelt zum Eklat. Da musste Norbert Drennhaus, stellvertretender Brudermeister, nämlich auf der Bühne vor versammelter Mannschaft verkünden, dass der gerade erst mit viel Mühe gefundene Nachfolger Robert I. Schalleys nicht inthronisiert werden kann. Es gebe offene Fragen, hieß es, die erst geklärt werden müssten.
Mit dem 99. Schuss hatte sich Josef Pabis, 39 Jahre alt und Mitglied der Artillerie, zuvor im Schießen gegen Frank Jülich durchgesetzt. Dabei gestalteten sich schon die Ermittlung des neuen Königs ungewohnt schwierig. Bis etwa 19.30 Uhr gab es keinen Bewerber. Die Meldefrist musste verlängert werden. Dann sagten Jülich und Pabis zu. Letzterer erklärte am Mittwoch den Verzicht auf die Position des Schützenkönigs – mit Rücksicht auf die Würde des Amtes.
Das Ideal
Glaube, Sitte, Heimat – das sind die Ideale des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften, an den alle Bruderschaften angegliedert sind.
Der Leitsatz ist auch in den Satzungen verankert.
Glaube steht für die Verbindung mit der christlichen Kirche, Sitte für einen vernünftigen Umgang miteinander sowie das Aufrechterhalten von Traditionen und Heimat für die Liebe zur und die Pflege der Heimat.
Thomas Tillmann, Pressesprecher der St.-Sebastianus-Bruderschaft, bestätigte auf Anfrage der NGZ: "Josef Pabis hat vor dem Schießen bei der Befragung zu seinen persönlichen Lebensumständen falsche Angaben gemacht, über die er erst nach dem Schuss aufgeklärt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste der Vorstand von nichts." Im Klartext: Pabis hatte verschwiegen, dass er von seiner Frau getrennt lebt. Das Scheidungsverfahren läuft. Es soll bereits eine neue Partnerin geben. Für die katholische Bruderschaft, die sich an dem Ideal "Glaube, Sitte, Heimat" orientiert, ist das ein ganz klarer Regelverstoß.
"Wer König werden will und auf den Vogel schießt, muss in geordneten Verhältnissen leben", sagt Tillmann. So steht es in der Satzung der Bruderschaft. "Wäre Pabis bereits geschieden und neu verheiratet, hätte es kein Problem gegeben." Dass dem nicht so war, fiel dem künftigen König allerdings erst kurz vor der Proklamation im Festzelt ein. Den Vorstand inklusive Brudermeister Hans Töller, der dem Vernehmen nach derzeit auch nicht in satzungsgemäß ordentlichen Umständen lebt, erwischte er damit auf dem falschen Fuß. Thomas Tillmann spricht von einem "peinlichen Vorfall". In den kommenden Wochen soll es deshalb eine Vorstandssitzung geben.
Christian Otte, Artillerie-Major und Korpsführer, kann die Aufregung derweil nicht verstehen. "Die Proklamation hätte nicht abgesetzt werden dürfen", sagt er. "Die Scheidung läuft. Die Verhältnisse sind geklärt. Aus unserer Sicht war kein Widerspruch zur Satzung zu erkennen."
Pfarrer Josef Brans, zugleich Präses der Bruderschaft, betonte allerdings, dass selbige auf jeden Fall eingehalten werden muss.
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