Kaarst (NGZ). Kaarst Aus Überlegungen und Plänen ist jetzt Gewissheit geworden: Zum 1. Januar 2008 soll es im Kaarster Stadtgebiet nur noch einen Seelsorgebereich der Katholischen Kirche geben. Das erklärten die leitenden Pfarrer der beiden Seelsorgebereiche in Kaarst, Dr. Kurt-Peter Gertz und Monsignore Josef Brans, gegenüber der NGZ.
Sie hatten jetzt an einem Gespräch in Köln teilgenommen, bei dem Prälat Hans-Josef Radermacher, Leiter der zuständigen Hauptabteilung Seelsorgebereiche im Generalvikariat, sie über die Pläne informierte. „Mit einem neuen Zuschnitt der Seelsorgebereiche habe ich gerechnet. Dass er aber zu einem so frühen Zeitpunkt kommt, hat mich überrascht“, erklärte Brans vom Seelsorgebereich Büttgen, zu dem auch Holzbüttgen und Vorst gehören.
„Über die Zusammenschlüsse der Seelsorgebereiche ist quasi entschieden“, bestätigt der stellvertretende Pressesprecher im Erzbistum, Christoph Heckeley, „außer wenn aus den Seelsorgebereichen substanzielle Vorschläge für die Neustrukturierung vor Ort gemacht werden.“ Heckeley: „Es ist klar, dass der Schritt manchen Gemeinden viel abverlangt, ein großes Umdenken erfordert.“
Hintergrund des Zusammenschlusses - nicht nur in Kaarst - ist das Projekt „Perspektive 2011 - den Wandel gestalten“. „Angesichts „der sinkenden Zahl an leitenden Priestern und an Katholiken wollen wir mit diesem Projekt die Seelsorge in den Gemeinden auf Dauer sicherstellen“, erläutert Heckeley. Der Plan: Die Zahl der bislang 221 Seelsorgebereiche wird auf rund 180 mit je einem leitenden Pfarrer verringert. Offen ist zurzeit noch, wie die Struktur der Pfarren künftig aussehen soll.
„Im Herbst will Joachim Kardinal Meisner entscheiden, ob eine Fusion der Pfarrgemeinden in einem Seelsorgebereich angeordnet wird oder ob diese die Wahlfreiheit zwischen einer Fusion und einem Pfarreienverband haben“, sagt Heckeley. Auch im letzteren Fall stehen gravierende Veränderungen bevor. Der Pfarreienverband soll für alle Gemeinden über einen Kirchengemeindeverband für die Verwaltung und auch nur einen Pfarrgemeinderat verfügen. Bei einer angeordneten Fusion würden dann die Pfarren St. Martinus, St. Aldegundis Büttgen, Sieben Schmerzen Mariens in Holzbüttgen und St. Antonius Vorst zusammengeschlossen werden.
Zunächst geht es um die Fusion der Seelsorgebereiche. „Ich weiß von dieser Entscheidung seit vorgestern, ich war überrascht“, erklärt Pfarrer Dr. Gertz, Leiter des Seelsorgebereichs St. Martinus Kaarst, gestern. Und er hat dazu eine klare Meinung: „Das ist Unsinn, es besteht die Gefahr, dass der Kontakt zur Basis bei der Bildung eines so großen Seelsorgebereichs verloren geht. Jede der beiden heutigen Seelsorgebereiche hat rund 10 000 Katholiken“, so Dr. Gertz. „Man sollte lieber darüber nachdenken, wie man Gemeindeleitung auf mehr Schultern verteilen kann und wie man neue Zugänge zum Priesterberuf schafft.“
Deutliche Kritik an den Plänen für eventuell einen Pfarrgemeinderat für den neuen Seelsorgebereich hat Klaudia Schuch, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von St. Martinus. „Ich bin entsetzt. Wir versuchen im Pfarrgemeinderat, die Bedürfnisse und Anliegen unserer Mitglieder vor Ort zu erfassen und entsprechend zu handeln. In unserer Pfarre setzen wir zurzeit einen Aktionsschwerpunkt auf junge Familien. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir in einem Pfarrgemeinderat für ganz Kaarst mit 20 000 Katholiken so nah an den Menschen arbeiten können.“
„Ich bin nicht glücklich über die Entscheidung, aber ich weiß keine bessere Lösung“, sagt Monsignore Josef Brans (58), Pfarrer im Seelsorgebereich Büttgen. „Ziel ist schließlich, die Seelsorge auch künftig zu gewährleisten. Angesichts der Veränderungen müssen wir uns von manchem Liebgewonnenen verabschieden“, so Brans. „Ich vermute, dass dem Ehrenamt künftig eine noch größere Rolle in der Kirche zukommen wird als heute schon. Und wir müssen erfinderisch sein, wie wir bei einem Zusammenschluss die Arbeit vor Ort organisieren können.“
Der Fahrplan für den Zusammenschluss der beiden Seelsorgebereiche steht. Die Fusion ist laut Pfarrer Gertz per Verwaltungsakt für den 1. Januar vorgesehen. Das Jahr 2008 soll der Vorbereitung dienen, um die bisherigen Strukturen zusammenzuführen. Ab 1. Januar 2009 soll ein leitender Pfarrer dem neuen Seelsorgebereich vorstehen. Für Dr. Kurt-Peter Gertz (64) steht bereits fest: „Ich werde aus gesundheitlichen Gründen vor 2010 aufhören.“
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