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Kaarst: Sensationeller Zufallsfund

VON SIMON HOPF - zuletzt aktualisiert: 09.08.2007 - 22:39

Kaarst (NGZ). Büttgen Bei Erdarbeiten für den neuen Neun-Loch-Golfplatz unweit des Rittergutes Birkhof ist ein steinerner Sarg aus römischer Zeit entdeckt worden. „Eine Sensation“, sagt Dr. Michael Gechter.

Der Archäologe Dr. Michael Gechter (l.) untersucht den römischen Steinsarg, der in geringer Tiefe auf dem Areal gefunden wurde, wo Hans Georg Osterspey derzeit einen neuen Golfplatz anlegen lässt.  Foto: Lothar Berns
Der Archäologe Dr. Michael Gechter (l.) untersucht den römischen Steinsarg, der in geringer Tiefe auf dem Areal gefunden wurde, wo Hans Georg Osterspey derzeit einen neuen Golfplatz anlegen lässt. Foto: Lothar Berns

Der Archäologe datiert den Fund etwa in die Zeit um 180 n. Chr. Zusammen mit Hans Georg Osterspey, Besitzer des Rittergutes Birkhof und Eigentümer des Geländes, auf dem der neue Golfplatz angelegt wird, steht Gechter neben dem Sarg und stellt seine ersten Erkenntnisse über den Zufallsfund vor.

Demnach gehört der Sarg zu den ältesten Steinsärgen, die bislang im Rheinland geborgen werden konnten und bekannt sind, so der Wissenschaftler.

Innen ist der rund drei Tonnen schwere Sarg handwerklich sorgfältig bearbeitet worden - die Spuren des Hohleisens, mit dem der Steinmetz an die Arbeit ging, sind deutlich erkennbar. Äußerlich wirkt er schlicht, weist aber Steinmetzzeichen auf.

Info
Der neue Golfplatz

Im Frühsommer haben die Bauarbeiten für den Neun-Loch-Golfplatz begonnen. Die neue Anlage grenzt an den bestehenden Golfklub Rittergut Birkhof. Betreiber Hans Georg Osterspey investiert in sein neues Projekt auf Kaarster Stadtgebiet rund zwei Millionen Euro. Der landschaftlich anspruchsvoll gestaltete Golfpark soll das ganze Jahr über bespielbar sein. Den römischen Sarg entdeckte man im Randbereich eines der künftigen Teiche auf dem weitläufigen Gelände.

In sechzig Zentimetern Tiefe war am Montag bei Baggerarbeiten der Deckel des aus Brohler Tuff gefertigten Sarges zum Vorschein gekommen.

„Wir sind umgehend informiert worden“, betont Gechter, der die Außenstelle Overath des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege leitet. So konnte in kürzester Zeit mit der Sicherung begonnen werden.

Bestattet wurde ein Mensch, dessen sterbliche Überreste zwar erhalten seien, aber die Knochen seien „stark angegriffen“, sagt Gechter. Er beugt sich über den Toten, entnimmt vorsichtig Schienbein- und Wadenknochen und steckt beides in einen durchsichtigen Plastikbeutel.

Die Relikte des etwa 1,65 Meter langen Skeletts müssen nun untersucht werden: auf Alter, Geschlecht, mögliche Krankheiten.

Der Deckel des Sargs wurde einst per Kran auf die Grablege gehievt. Die Steinmetze schafften hierfür die entsprechenden Voraussetzungen.  Foto: Lothar Berns
Der Deckel des Sargs wurde einst per Kran auf die Grablege gehievt. Die Steinmetze schafften hierfür die entsprechenden Voraussetzungen. Foto: Lothar Berns

Denn noch ist über den Menschen, der vor mehr als 1800 Jahren wohl auf einem Landgut - einer „villa rustica“ - oder einem Bauernhof lebte, dessen einstige Existenz anhand anderer Fundstücke in der Nähe vermutet wird, nicht viel bekannt. Ob es „ein Römer“ war - selbst das ist Spekulation.

Der Schädel des Verstorbenen ist eingedrückt. Bei der Bergung brach ein Teil der Sargabdeckung ab, Gesteinsbrocken fielen hinein. Der Kopf ruhte einst in einer Vertiefung auf einem steinernen „Kissen“.

Im Bereich der rechten Hüfte fand sich eine Münze, zudem wurden dem Toten vier Räuchergefäße mit ins Grab gegeben. „Die Art dieser Gefäße ist einmalig fürs Rheinland“, sagt Gechter. Es handele sich um so genannte Funeralkeramik, die eigens für das Begräbnis gekauft wurde.

 Foto: Lothar Berns
Foto: Lothar Berns

Gechter spricht von einer insgesamt eher sparsamen Ausstattung. Sie unterscheidet sich damit deutlich von den kostbaren Beigaben, die bei Grabfunden im Gebiet der Gemeinde Rommerskirchen ans Tageslicht kamen.

Sie datieren ins dritte Jahrhundert und weisen auf einen Reichtum und Wohlstand hin, den in solcher Opulenz zu zeigen einige Generationen zuvor noch nicht üblich war, sagt Gechter.

Die Aufmerksamkeit des Forschers richtet sich nun auf die Lehmschicht am Boden des Sarges, dessen Deckel über eine Kante verfügt und so gearbeitet worden war, dass Wasser und Dreck möglichst nicht eindringen sollten.

„Das habe ich noch nie gesehen“, sagt Gechter, der über mehr als 30 Jahre Erfahrung verfügt. Über die Jahrhunderte lagerten sich trotzdem Sand und Erde im Innern ab. Im Lehm könnten sich Spuren von Textilien erhalten haben, hofft der Archäologe.

Beate Düster, Untere Denkmalbehörde der Stadt Kaarst, zeigte sich gestern begeistert. Dass der Fundort auf Kaarster Stadtgebiet liege, sei etwas „völlig Unvorhergesehenes“ und „einmalig“.

Hans Georg Osterspey signalisierte gegenüber der NGZ, den Steinsarg künftig ausstellen zu wollen. „Es wird sich ein Platz auf dem Gelände finden.“

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 Foto: Lothar Berns
Foto: Lothar Berns
Quelle: NGZ

 
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