Kaarst (NGZ). Kaarst Ihr Name: Wanda Sevecke. Ihr Beruf: Kinderkrankenschwester. Ihr Auftrag: Begrüßung von Eltern mit neugeborenen Kindern. So steht es auf ihrer Visitenkarte. Wanda Sevecke ist die Kinderkrankenschwester, die ab kommender Woche alle Kaarster Familien aufsucht, die gerade Nachwuchs bekommen haben.
Doch die 41-Jährige kommt nicht allein, sondern in Kombination mit einem dicken Paket. In diesem Paket liegen Bücher und Broschüren über Kinderpflege, die richtige Zubereitung der Mahlzeiten für den Nachwuchs. Und auch jede Menge Ansprechpartner mit Telefonnummern sind genannt. Zum Beispiel Kinderärzte oder städtische Stellen, die weiterhelfen, wenn die jungen Eltern einmal nicht genau wissen, was zu tun ist.
Lange hatte es gedauert, bis die Kinderkrankenschwester gefunden war. Jetzt ist es endlich so weit. „300 Begrüßungspakete sind schon geschnürt“, sagte am Dienstag Stadtpressesprecherin Sigrid Hecker. Das ist ungefähr das „Jahrespensum“, das die Schwester auf den Weg bringen wird. Denn rund 300 Geburten sind in Kaarst pro Jahr zu verzeichnen. „Das Begrüßungspaket soll ein Willkommensgruß der Stadt Kaarst sein“, erläuterte Sevecke.
Die Kosten
Für den neu eingerichteten Begrüßungsdienst stellt die STadt 23 000 Euro pro
Jahr zur Verfügung. Weitere 47 000 Euro werden für andere Bausteine des Präventionskonzeptes ausgegeben - zum Beispiel die U16-Party. Die Evangelische Jugend- und Familienhilfe ist Träger und hat weitere drei Kinderkrankenschwestern angestellt. So kann bei Krankheit oder Urlaub der Kaarster Schwester sichergestellt werden, dass eine Vertretung einspringt.
Trotzdem wird niemand zum Begrüßungstermin mit der Krankenschwester gezwungen. Achim Seebeck, Koordinator der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe, die die Trägerschaft übernommen hat: „Wir rufen die Familien vorher an. Wenn jemand an dem Besuch nicht interessiert ist, dann haben wir das zu akzeptieren.“ Seebeck betont, nach dem Besuch müsse niemand befürchten, dass Daten weiter gegeben werden. Zum Beispiel ans Jugendamt. „Es wird keinen Datenaustausch mit der Verwaltung geben. Wir werden zwar eine Statistik erstellen - die ist aber völlig anonym, Namen kommen darin nicht vor.“
Jugend- und Familiendezernent Heinz Dieter Vogt freute sich am Dienstag, dass ein weiterer Baustein im städtischen Präventionskonzept gesetzt werden konnte: „Für das städtische Präventionskonzept werden pro Jahr 70 000 Euro investiert. Ab null bis 18 Jahren werden Kinder und Jugendliche betreut.“ Neben dem Begrüßungspaket zählen dazu zum Beispiel die alkoholfreie U16-Party für Jugendliche unter 16 Jahren, aber auch Angebote in den Kaarster Familienzentren.
Kinderkrankenschwester Wanda Sevecke bereitet sich gerade innerlich auf die ersten Besuche bei Kaarster Familien vor: „28 Elternpaare sind bereits angeschrieben worden.“ Kontaktiert wurden alle Familien, deren Kinder im Januar oder Februar dieses Jahres geboren wurden. Bürgermeister Franz-Josef Moormann ist sich sicher, dass die Schwestern-Besuche auf positive Resonanz stoßen: „Wir haben selbst lange überlegt und sind der Ansicht, dass die Lösung, einen freien Träger einzusetzen, die beste ist.“
Denn es macht einen Unterschied, ob das Jugendamt oder die Kinderkrankenschwester an der Tür klingelt. Die Schwester ist neutraler Ansprechpartner. Steht dagegen das Jugendamt vor der Tür, so dürfte das der eine oder andere als unerwünschte Einmischung empfinden, so der Gedanke der Verwaltung.
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