Kaarst (NGZ). Kaarst Die Stadt könnte fünf Millionen Euro mehr im Säckel haben - das ist das zentrale Ergebnis der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) Nordrhein-Westfalen. Doris Krüger, Leitung Überörtliche Prüfung und Beratung, stellte am Mittwoch der Verwaltung, Politik und der Presse die noch frischen ersten Ergebnisse der Prüfung vor. Der beträchtliche Wert von fünf Millionen Euro setzt sich aus mehreren Einzelpositionen zusammen.
Zum Beispiel seien im Bereich Gebäudewirtschaft 900 000 Euro einzusparen. „Der Energieverbrauch in den Gebäuden bietet Potenzial. Aber auch im Hausmeisterbereich ist Sparen möglich“, teilte GPA-Mitarbeiterin Dagmar Klossow mit.
So zum Beispiel, in dem die Pool-Lösung noch ausgebaut werde. Weitere Erkenntnis: Die Verwaltungsmitarbeiter haben übermäßig viel Raum zur Verfügung „Potenzial sehe ich vor allem im Rathaus Büttgen“, verdeutlicht Klossow. „Man muss hier auch darüber nachdenken, inwieweit das Rathaus fremdgenutzt werden kann.“ Allein dadurch ließen sich 300 000 Euro pro Jahr einsparen.
Der Zeitplan
In zwei bis drei Wochen wird der komplette Bericht der GPA vorgelegt. Das Rechnungsprüfungsamt wird die rund 300 Seiten durcharbeiten. Ziel der Verwaltung ist es, vor Beginn der Haushaltsberatungen die Ergebnisse zu veröffentlichen. So können sich die Fraktionen ebenfalls vor den Haushaltsberatungen vorbereiten.
Weiterer Finanzbatzen: Die Stadt könnte pro Jahr 950 000 Euro sparen, wenn die Schulflächen optimiert genutzt würden. Die Rechnung ist einfach erklärt: Es gibt immer weniger Schüler in Kaarst. Die Schulen werden aber in der Regel nicht geschlossen, so dass pro Schüler immer mehr Fläche zur Verfügung steht. „Die Zusammenlegung der beiden Grundschulen in Büttgen ist genau der richtige Weg“, meinte Klossow.
In der Verwaltung könnten Stellen gespart werden - zum Beispiel bei der Finanzverwaltung, im Planungsamt, bei der Bauordnung. Das ist das Ergebnis der Analysen von Doris Krüger. Wie kommen solche Erkenntnisse zustande?
Krüger erläuterte: „Wir haben 15 Produkte als Maßstab gewählt und mit anderen Kommunen verglichen, mit welchem Aufwand dort die Aufgaben gelöst werden.“ Produkte wie zum Beispiel Bauanträge und Statikgutachten wurden verglichen. Daraus habe sich ergeben, dass in Kaarst in den genannten Bereichen mehr Personal sei als in den Vergleichskommunen.
Lobende Worte fand die GPA für die Arbeit der Kämmerei: „Kaarst hat zwar unterdurchschnittliche Einnahmen. Vor allem die Gewerbesteuer ist schwankend. Doch trotzdem hat Kaarst eine vergleichsweise recht geringe Verschuldung. Das ist ein großes Lob an die Kommune, dass bei den Schulden immer der Daumen drauf ist“, so Krüger. „Gerade die Kassenkredite und die Zinsen sind für viele Kommunen der Gau.“
Wasser auf die Mühlen von Bürgermeister Franz-Josef Moormann: „Man rechne nur mal als Beispiel: Bei 50 Millionen Euro Schulden und vier Prozent Zinsen sind das schon zwei Millionen Euro im Jahr.“ Kaarst müsse den Mut aufbringen, möglichst schuldenfrei zu sein. „Und das wird von den Bürgern auch unterstützt“, meinte Franz-Josef Moormann.
Welche Konsequenzen aus diesen und den anderen Erkenntnissen der GPA abgeleitet werden, konnte am Mittwoch noch niemand sagen. Denn es handelte sich nur um einen sieben Seiten umfassenden Vorbericht, der vorgelegt wurde. In zwei bis drei Wochen wird es dann allerdings detailliert: „Ungefähr 300 Seiten wird der komplette Bericht umfassen“, kündigte Doris Krüger an.
Von Verwaltung und Politik wurde der GPA-Bericht am Mittwoch allgemein gelobt. FDP-Fraktionsvorsitzender Jochen Dürrmann merkte jedoch an: „Die Politik wird wohl nicht die Kraft aufbringen, Dinge umzusetzen, die sich aus dem Bericht ergeben. Denn bald stehen die Kommunalwahlen an.“
Moormann dagegen war optimistisch: „Ich habe schon vor Jahren gesagt: Wir haben zu viele öffentliche Flächen. Ich freue mich, dass das jetzt betriebswirtschaftlich untermauert ist. Ich bin total optimistisch, dass wir Lösungen finden werden.“
Am Donnerstag in der NGZ:
Zur Sache Zahlenspiele
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder, Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.