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Kaarst: SPD: Gemeinsam lernen bis Klasse 10

zuletzt aktualisiert: 13.07.2011

Kaarst (NGZ). Gemeinschafts- oder Gesamtschule? Stakerseite oder Bussardstraße? Kaum ein anderes Thema wird in Kaarst derzeit so emotional diskutiert wie die Schulpolitik. Die NGZ sprach darüber mit SPD-Fraktionschefin Elke Beyer.

Elke Beyer, Fraktionsvorsitzende der SPD in Kaarst.  Foto:  lber
Elke Beyer, Fraktionsvorsitzende der SPD in Kaarst. Foto: lber

Frau Beyer, was das Thema "weiterführende Schulen" betrifft, hat sich die SPD Anfang des Jahres deutlich für eine Gesamtschule als "optimale Schulform für Kaarst" ausgesprochen. Mitte Juni, als NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann in Kaarst zu Gast war, sagten Sie, die SPD stehe der Gemeinschaftsschule offen gegenüber. Was stimmt denn nun?

Beyer Ich sehe keinen Widerspruch darin, die Gesamtschule, deren gerechtes und leistungsstarkes Bildungskonzept bereits in vielen Städten erprobt ist, zu favorisieren und gleichzeitig offen zu sein für eine Schulform, die bildungspolitisch das gleiche Ziel verfolgt. Das Ziel, das beide Schulformen verfolgen, ist, durch längeres gemeinsames Lernen die Chancengerechtigkeit zu vergrößern und mehr Schüler zu besseren Abschlüssen zu führen. Den Erfolg dieses pädagogischen Konzeptes kann man leicht an den Grundschulen in NRW ablesen, die seit Jahren gemeinsames Lernen praktizieren und im internationalen Vergleich an einem der oberen Plätze stehen. Dabei ist deutlich hervorzuheben, dass auch an allen weiterführenden Schulen, die dieses Konzept verfolgen, besondere didaktische Kompetenzen der Lehrer erforderlich sind.

Info

Persönliches

Elke Beyer ist von Beruf Künstlerin und Mitglied der Gruppe Salix.

Hobbys: Lesen (ständig), Musik (sowohl hören als auch spielen), Kunst und Architektur anschauen, Wandern, Freunde sehen.

Abneigungen: Unaufrichtigkeit, Intoleranz, eigensüchtiges Denken und Handeln, parteipolitische "Spielchen" zum Nachteil der Stadt.

Die CDU befürchtet eine "Zerschlagung der Kaarster Schullandschaft", sollte es nicht genügend Schüler für drei eigenständige Oberstufen gibt. Deshalb favorisiert die Union eine Gemeinschaftsschule, die mit einem bestehenden Gymnasium kooperiert. Würde denn die SPD ein Kaarster Gymnasium für eine Gesamt- oder Gemeinschaftsschule "opfern"?

Beyer Wenn man die CDU manchmal so hört, dann klingt das, als befänden wir uns im Krieg, in dem etwas "zerschlagen" oder "geopfert" werden muss, und in der Regel sind damit die Gymnasien gemeint. Tatsächlich aber befinden wir uns angesichts der akuten Gefährdung unserer Hauptschule und allgemein sinkender Schülerzahlen in einer Situation, in der wir über die Neustrukturierung und gegebenenfalls Straffung unserer gesamten Schullandschaft nachdenken müssen.

Die Hauptschule in Büttgen ist akut gefährdet. Am Standort könnte eine Gemeinschaftsschule entstehen. Foto: lber

Das heißt, es muss was passieren?

Beyer Der Anfang ist bereits gemacht: Mit der Reduzierung der Zahl unserer Grundschulen und der Festlegung der Zügigkeiten haben wir gute Entscheidungen getroffen. Dabei haben wir nicht nur die Anpassung des schulischen Angebotes an den aktuellen und künftigen Bedarf vorgenommen, sondern es ist auch gelungen, die Vielfalt der pädagogischen Ansätze zu erhalten. Mit Ausnahme des Standortes für die dritte Grundschule wurden diese Entscheidungen von der SPD voll und ganz mitgetragen.

Was spricht denn aus Sicht der SPD gegen die Variante "Gemeinschaftsschule am jetzigen Haupt- und Realschulstandort Büttgen plus Kooperation mit einem der beiden bestehenden Kaarster Gymnasien"?

Beyer Diese Kooperations-Variante würde letztlich bedeuten: Schüler würden nach Klasse 6 nach schulformspezifischen Bildungsgängen – also Hauptschule, Realschule und Gymnasium – getrennt unterrichtet. Das entspricht weder unserer Forderung nach einer Pädagogik des langen gemeinsamen Lernens noch den Vorstellungen der zahlreichen Eltern, die ihre Kinder seit Jahren auf eine der umliegenden Gesamtschulen schicken müssen, weil die Stadt Kaarst ein solches pädagogisches Konzept nicht anbietet. Hier dringt die SPD auf das Maß pädagogischer Vielfalt an unseren weiterführenden Schulen, auf das wir bei den Grundschulen großen Wert gelegt haben. Im Gegensatz zu den Befürchtungen der CDU sind wir sogar der Meinung, dass eine solche Attraktivierung des Schulstandortes Kaarst unsere Gymnasien eher stärken wird.

Derzeit ist ein "Pädagogisches Team" damit beschäftigt, ein Konzept für eine mögliche Gemeinschaftsschule in Kaarst zu erarbeiten...

Beyer Die SPD hat in ihrem Antrag, die Eltern im Vorfeld informell zu befragen, ob sie eine Gemeinschafts- oder Gesamtschule wünschen, bereits deutlich gemacht, dass sie die vorgenommene Festlegung auf eine Gemeinschaftsschule als Übergehung des Elternwillens wertet. Da dieses Team trotz der momentan unklaren Rechtslage seine Arbeit fortsetzen und das Ergebnis im nächsten Arbeitskreis vorstellen will, warten wir ab, ob unsere Forderungen nach integrativem Unterricht bei "innerer Differenzierung" bis Klasse 10 sowie einer eigenen Oberstufe mit Abitur nach neun Jahren in dem Konzept berücksichtigt sind. Einer Lösung, die diese Durchlässigkeit und Option nicht bietet, wird die SPD nicht zustimmen.

Ein anderes Schulthema: die vom Rat beschlossene Verlegung der GGS Stakerseite an die Bussardstraße. Das dagegen gerichtete Bürgerbegehren ist – eine gute Sache für Kaarst?

Beyer Mit diesem Bürgerbegehren betreten wir gewissermaßen Neuland, weil es unsere erste Begegnung mit dieser Form der Einflussnahme der Bürger auf politische Entscheidungen ist. Diesen Weg "unmittelbarer demokratischer Äußerung", der ja auch in der Verfassung vorgesehen ist, halte ich für grundsätzlich gut.

Julia Hagenacker führte das Gespräch.

Quelle: NGZ/rl


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