Kaarst (NGZ). In der Frage zur Zukunft der weiterführenden Schulen votieren die Sozialdemokraten jetzt offen für eine Gesamtschule am bisherigen Haupt- und Realschulstandort in Büttgen sowie für eine schnelle Elternbefragung.
Problemzonen haben eine unangenehme Eigenschaft: Meistens wachsen sie mit der Zeit – in diesem Fall im übertragenen Sinn. Die weiterführenden Schulen in Kaarst werden immer schwächer frequentiert. Die Hauptschule konnte in diesem Schuljahr mit Müh und Not eine Eingangsklasse bilden, und auch die Elisabeth-Selbert-Realschule in Büttgen wird voraussichtlich "schmaler" werden. Die Politik hat das erkannt und sucht nach Lösungen. Verbundschule, Gemeinschaftsschule, Gesamtschule? Eigens zur Beantwortung dieser Fragen wurde ein Arbeitskreis (AK) "Perspektivische Entwicklung der weiterführenden Schulen in Kaarst" gegründet. Verwaltung, Politik und Schulen sitzen dort an einem Tisch.
Anmeldungen
SPD-Ratsherr Ulf Imiela ist Diplom-Ingenieur, Unternehmer und geschäftsführender Gesellschafter einer Beratungs-GmbH.
Um eine Gesamtschule einrichten zu können, müssen mindestens 112 Anmeldungen vorliegen.
"Sollten die Kaarster Eltern keine Gesamtschule wollen, sollte die Verwaltung zumindest Kooperationen mit Nachbarkommen prüfen", sagt er.
Bereits im Vorfeld hatten SPD, Grüne, UWG, Zentrum, Familienpartei und Linke ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet. Darin wird auch die Errichtung einer Gesamtschule am bisherigen Haupt- und Realschulstandort in Büttgen vorgeschlagen. Die CDU befürchtet: Eine Gesamtschule wäre das Ende eines der beiden Kaarster Gymnasien. Trotzdem hatten alle Fraktionen im AK vereinbart, die konkreten Anmeldezahlen, die Ende Februar vorliegen, abzuwarten, bevor sie mit eigenen Positionen an die Öffentlichkeit treten. Doch jetzt sagt Ulf Imiela (SPD), die Union habe diese Vereinbarung gebrochen, in dem sie den Schulexperten Rainer Dollase zu ihrem Neujahrsempfang als Redner eingeladen hat. Deshalb gehen die Sozialdemokraten jetzt in die Offensive.
"Wir haben die Frage in den Etatberatungen diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es verlogen wäre, so zu tun, als wären unsere Positionen wirklich offen", so Imiela. "In der SPD sind alle für die Gesamtschule am Schulstandort Büttgen" – aus verschiedenen Gründen. Die Sozialdemokraten gehen davon aus, dass der Wunsch der Eltern nach einer Gesamtschule groß ist. Dafür, sagt Imiela, spräche allein schon hohe Auspendlerzahl unter Kaarster Schülern. Ihr Ziel seien vornehmlich Gesamtschulen in den Nachbarkommunen. Und auch eine informelle Befragung unter Grundschuleltern habe die Erkenntnis bestärkt. "Nur eine Gesamtschule, die alle Schulabschlüsse vereint und ein Abitur nach 13 Schuljahren ermöglicht, kann die Schüler-Abwanderung stoppen", sagt Imiela. Und eine Gesamtschule wird auch wieder Schüler aus dem Umland ziehen. Deshalb muss es nicht sein, dass die Kaarster Gymnasien Schüler verlieren."
Mit einer formellen Befragung noch vor der Sommerpause will die SPD nun den Elternwillen ermitteln lassen – mit konkreten Fragen in Richtung Gesamtschule. "Entsprechende Beschlüsse müssen bis spätestens April/Mai vorliegen, um Anträge bei der Schulaufsicht vorlegen zu können", sagt Imiela. Und: "Sollten die Eltern gegen eine Gesamtschule sein, werden wir uns dem beugen."
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