Beronovo-Trio (NGZ). Wenn die evangelische Kirchengemeinde Holzbüttgen zum Konzert bittet, ist Kunstgenuss par excellence vorprogrammiert. Auch jetzt in der Lukaskirche, in die der rührige Kirchenmusiker Wolfgang Weber mit dem Beronovo-Trio ein Ensemble gebeten hatte, das die große Kammermusik pflegt.
Dabei arbeiten die Künstler Michael Zieschang (Klavier), Krassimira Sultanova (Violine) und Judith Krah (Violoncello) erst seit gut einem Jahr zusammen. Trio "Beronovo"? Das ist die Heimatstadt der jungen bulgarischen Geigerin, hier traf sich das Trio zu ersten Intensivproben und Auftritten mit einem bulgarischen Symphonieorchester.
In der Lukaskirche begann das Ensemble sogleich mit dem "Erzherzogtrio" B-Dur (op. 97) von Ludwig van Beethoven. Der rheinische Komponist hatte der Gattung Klaviertrio eine neue Dimension gegeben, schrieb erstmals vier Sätze, wandelte mit großer virtuoser Geste Gestaltungsdichte und Aussagekraft von "unterhaltend" zu "bedeutsam".
Von seinen 14 Klaviertrios ist das dem Wiener Erzherzog Rudolf gewidmete op. 97 von 1811 das "größte" an Fantasie, Ausdruck und Dimension: 45 Minuten spielte das Beronovo-Trio spannend und konzentriert, wenngleich leicht unterkühlt. Der "Spiritus Rector" des Ensembles, Michael Zieschang, trieb immer wieder virtuos das Tempo an, meisterte den anspruchsvollen Part souverän, traumwandlerisch sicher mit sparsamstem Pedal.
Beethoven widmet den Streichern schöne Passagen zu, lebhafte Pizzikati etwa oder die Einleitung zum Scherzo, insgesamt ist das Trio B-Dur ein für Streicher wenig dankbares Konzert. So sind sie eher Begleiter des Pianos denn sein Partner. Immerhin aber zeigten sich die Drei bereits bestens aufeinander eingespielt, emporschwingende Unisoni verliefen absolut kongruent, Sforzati kamen auf den Punkt, wenige Ungenauigkeiten unterliefen nur im letzten klanglich reich "gebauten" Allegro moderato.
Das folgende Werk, "Allegro" des Sonatensatzes B-Dur von Franz Schubert, war im Prinzip ein Schritt hinter Beethoven zurück: Schubert klingt hier ganz und gar unromantisch, Freude an Mozart und Haydns "Clavier-Sonaten mit Begleitung" kommt auf, also ein schönes, eingängiges Wiener Divertimento der ausklingenden Klassik. Dann aber zeigte das Beronovo-Trio, was wirklich in ihm steckt: Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb mit dem Klaviertrio in d (op. 49) von 1839 eines der schönsten der Gattung überhaupt.
Melodische Frische, schlanke Form, transparente Satzkonstruktionen, geschmeidiges Ineinandergreifen der voll gleichberechtigten drei Stimmen und hohe Virtuosität: Ganz sichtbar konnte man in der Lukaskirche nachvollziehen, dass sich das Ensemble dieser Musik lust- und temperamentvoller annahm. Nun konnten auch die Streicherinnen Krassimira Sultanova und Judith Krah ihre technische Versiertheit ausspielen.
Die Begeisterung der Interpreten für diese Musik konnte man unmittelbar spüren, das Trio verschmolz zu einer auch emotional überzeugenden Einheit. Die Zuschauer dankten mit anhaltendem Beifall und freuten sich über ein elegantes "Duett" aus Schumanns "Fantasiestücke" (1842) als Zugabe. Nima
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