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Kaarst: Von der Ritterburg zur Villa

VON PETER BÖTTNER - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010 - 21:30

Kaarst (NGZ). Die Lauvenburg hat in ihrer rund 700-jährigen Geschichte viele Besitzer gesehen: Kurkölnische Ritter, Industrielle und nun eine Akademikerfamilie. Das Gestüt und die Villa zählen zu den wenigen Zeugnissen Kaarster Geschichte.

Trutzig und wehrhaft: Die alte Lauvenburg mit der Freitreppe.  Foto:  Stadtarchiv
Trutzig und wehrhaft: Die alte Lauvenburg mit der Freitreppe. Foto: Stadtarchiv

Kaarst Der Sturm auf die Lauvenburg endet schneller als erwartet. Als die 30 Kaarster Bauernschützen am 1. Januar 1755 die Brücke der Lauvenburg betreten, um den Rittersitz nach einem Erbrechtsstreit gewaltsam zu räumen, feuert ihnen Freifrau von Cortenbach kurzer Hand eine Ladung Schrot auf den Pelz. Das Kämpferherz der Schützen ist damit gebrochen. Zwei Chirurgen aus Anrath operieren die Schrotkugeln aus den Schützen heraus, danach zerstreut sich die wenig furchteinflößende Streitmacht.

Auch wenn diese Episode letztlich zum Schmunzeln anregt, so ist sie doch eine der wenigen belegten "Waffengänge" in und um die Lauvenburg. Ihre heutige Form als repräsentative Villa passt nämlich ganz gut zur Geschichte der Lauvenburg. Als ehemaliges kurkölnisches Lehen in der Provinz war die Lauvenburg mit ihrem Gestüt eher eine Randnotiz der Geschichte. Und dennoch ist ein Blick in die Chronik der Burg spannend – und das nicht nur, weil die SS das Gestüt für ihre Zwecke missbrauchte.

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Der Name Lauvenburg

Der Name Lauvenburg ist nicht eindeutig zu erklären. Einige Historiker gehen von der Form Lovenburg aus und deuten "Lov" als Laub – ein Verweis auf den umliegenden Wald. Als wahrscheinlicher gilt aber die Herleitung über den Personennamen "Lof" oder "Luv" – eine Kurzform von Ludwig. Die Ritter der Lauvenburg erscheinen erstmals 1300 und letztmalig 1487 in einer Urkunde.

Der erwähnte Schützensturm markiert übrigens den Höhepunkt eines Erbstreits, dem drei Jahre später die Franzosen während des Siebenjährigen Krieges ein jähes Ende bereiten, als sie die Burg kurzer Hand zum Lazarett machen. Die früheste urkundliche Erwähnung der Burg stammt aber aus dem Jahr 1300, als ein gewisser Heinrich von Lovenburg der Abtei Kamp seinen Zehnten in Willich und eine Rente zu Langst schenkt. Die alten kurkölnischen Lehnsverhältnisse lassen sich anhand eines Lehnsbriefes aus dem Jahr 1469 nachvollziehen: "Wir Ruprecht von Gottes Gnaden der hilligen Kirchen zu Cöllen Doyn kunt und bekenen, dat wir unsern manne geschriebenen Arndt von Lofenberg mit dem Hoef Loefenberg gnedelich beleent hayn."

Der Blick auf die heutige Villa Lauvenburg. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekten Heinrich Kayser. Foto: Stadtarchiv

Die Geschichte derer von und zu Lauvenburg endet jedoch nur wenige Jahre später: Das Geschlecht der Burgebesitzer wechselt anschließend wie die Jahreszeiten im angrenzenden Forst. Die Burg selbst fällt schließlich dem Geschmack von Christian Schaurte zum Opfer: Der Neusser Schrauben-Fabrikant lässt die dicken Mauern 1897 von Kölner Pionieren sprengen und errichtet die auch heute noch erhaltende Villa Lauvenburg. Sein Sohn Werner führt die Geschäfte weiter – mit ihm ist aber nicht nur ein dunkles Kapitel Neusser Stadtgeschichte verbunden. So lässt sich leicht ein Zusammenhang zwischen dem glühenden Nazis Schaurte und dem Tagesbefehl 5641 aus dem SS-Führungshauptamtes herstellen. Das Pferdegestüt Lauvenburg wird jedenfalls "zur Aufstellung befohlen" und die SS-Pferde starten 1943 in Hoppegarten. Gleichzeitig beschlagnahmt die Luftwaffe das Gelände und legt einen Flugplatz an.

67 Jahre später züchtet Tierarzt Heinrich Gentz auf dem Gestüt erfolgreich Trab-Rennpferde. Bruder Hermann bewohnt gemeinsam mit der Mutter die Villa. Ein SS-Gestüt kann sich Gentz nicht vorstellen, "schließlich waren hier doch Flugzeuge". Schwierig ist das Verhältnis der Eigentümer zur Stadt: "Wir lassen uns nichts vorschreiben", sagt Heinrich Gentz und meint den Denkmalschutz. Hoffentlich entsenden die Stadtväter nicht noch einmal ihre Schützen...

Quelle: NGZ


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