Kaarst (NGZ). Der Rat hat sich gegen die Schenkung eines Glas-Gemäldes von Burkhard Siemsen entschieden. Die Opposition stimmte dabei geschlossen gegen die CDU. Das Zünglein an der Waage war diesmal die Zentrumspartei.
Weder im Kaarster Ratssaal noch in der Galerie wird ein Kreuz-Kunstwerk aufgehängt, das ist Fakt. Statt dessen soll demnächst ein Kruzifix den Eingangsbereich des Rathauses und ein Stadtwappen den Sitzungssaal zieren. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend entschieden.
Mit 24 Nein- zu 21 Ja-Stimmen wurde das Schenkungsangebot des Initiativkreises "Kunst im Bürgerratssaal" abgelehnt. Dabei ging es um ein vom Glasmaler Burkhard Siemsen gestaltetes, zweiteiliges Kunstwerk, das neben einem Kreuz auch andere religiöse Symbole mit Bezug zu nichtchristlichen Glaubensrichtungen enthalten sollte. Die Frage, ob ein Kreuz beziehungsweise ein Kreuz-Gemälde in einen Ratssaal gehört, löste eine ethische wie rechtliche Debatte aus.
Kaarster Wappen
Als die Städte Büttgen und Kaarst im Jahre 1975 zusammengelegt wurden, entstand in Kaarst das aktuelle Wappen.
Das schwarze Balkenkreuz findet seinen Ursprung im Mittelalter. Es erinnert daran, dass Kaarst einst unter der Landesherrschaft von Köln stand.
Auf den Reitergeneral Jan van Werth geht dagegen das Bild "Drei um einen Ring 2:1 gestellte Mühleisen" zurück.
Das dritte Symbol stellt den von St. Martin geteilten Mantel dar.
Klage angedroht
Die CDU hatte den Antrag gestellt, die Schenkung anzunehmen. Die Opposition inklusive der Zentrumspartei, die ursprünglich den Anstoß zur Kreuz-Diskussion mit einem entsprechenden Antrag gegeben hatte, stimmte geschlossen dagegen und schloss sich überraschend einem Kompromissvorschlag (Holzkreuz, Stadtwappen, Siemsen-Kunstwerk in der Rathaus-Galerie) der Grünen an. Deren Fraktionschef Christian Gaumitz hatte bereits im April eine verwaltungsgerichtliche Klage gegen ein Kreuz im Ratssaal angedroht. Bürgermeister Franz-Josef Moormann warf er Unprofessionalität bei der Handhabung des Themas vor.
SPD-Fraktionschefin Elke Beyer sprach, bezogen auf den Siemsen-Entwurf, von einer "zusätzlichen Verstärkung des religiösen Wesensgehaltes". UWG-Fraktionschefin Anja Rüdiger kritisierte, das Kunstwerk sei zu weit von der ursprünglichen Kreuz-Idee entfernt. Die FDP-Chef Jörg Löhler hegte Befürchtungen, das Kreuz im Entwurf sei zu dominant und könnte auf Andersgläubige irritierend wirken.
Für CDU-Fraktionsvorsitzende Dorothea Zillmer ist das keine nachvollziehbare Argumentation: "Das Kunstwerk wäre in jeder Hinsicht eine gute Sache für Kaarst gewesen", sagte sie. Es stehe für Toleranz, die Einbeziehung der großen Weltreligionen, Stärkung und Wertschätzung des Bürgerengagements, die Einbeziehung eines Kaarster Künstlers und die Aufwertung des Rats- und Bürgersaals. "Es sollte den Rat ermahnen, all seine Entscheidungen für die Menschen aus der Kenntnis der Geschichte und den Traditionen für die Zukunft zu treffen. Es ist nicht nachvollziehbar, wie man sich ernsthaft gegen eine solche Intention stellen kann."
Franjo Rademacher, Sprecher des Initiativkreises, kritisierte, dass sich die Opposition zu keiner Zeit ernsthaft mit dem Entwurf beschäftigt habe. "Das Engagement unabhängiger Bürger wurde auf dem Altar machtpolitischer Spielchen geopfert." Die "Wendehalspolitik von Josef Karis" (Zentrum) sei entlarvend.
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