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Kaarst: Welt friedlich gestalten

VON RUDOLF BARNHOLT UND SIMON HOPF - zuletzt aktualisiert: 18.11.2007 - 21:52

Kaarst (NGZ). Büttgen Gisbert Verbücheln (73), Ortsvorsitzender des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, geriet ins Stocken. Als er am Sonntag von seinem 1943 gefallenen Bruder berichtete, dessen sterbliche Überreste erst vor kurzem im ehemaligen Ostpreußen angemessen beigesetzt werden konnten, wurde er von den Erinnerungen überwältigt.

In der Friedhofskapelle Büttgen: Bürgermeister Franz Josef Moormann gehörte gestern zu den Rednern der zentralen Gedenkveranstaltung.  Foto: NGZ
In der Friedhofskapelle Büttgen: Bürgermeister Franz Josef Moormann gehörte gestern zu den Rednern der zentralen Gedenkveranstaltung. Foto: NGZ

Gefallene in Ostpreußen: „Bis zum Jahre 2015 sollen dort 25 000 Kriegstote eine würdige letzte Ruhestätte finden“, sagte Verbücheln und rief gerade seine jüngeren Zuhörer dazu auf, Soldatenfriedhöfe zu besuchen. Dort werde Geschichte sichtbar: „Die Toten können uns die Augen öffnen!“

Es war eine Rede, die unter die Haut ging. Verbücheln gehörte zu den Mitgestaltern der zentralen Gedenkstunde, die im Rahmen des Volkstrauertages in Büttgen abgehalten wurde. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, bei der am Kreuz auf dem Ehrenfriedhof ein Kranz abgelegt wurde, von Antje Avolin und Gisela Seidel (Gesang) und Michael Steindort (Posaune).

Bürgermeister Franz-Josef Moormann bezeichnete den Volkstrauertag als „ein Stück unserer gelebten Kultur“. Es gehe darum, aus diesem Verständnis heraus zu einem humanen Miteinander zu kommen. Moormann richtete seinen Blick aber nicht nur zurück: „Es gibt China, Indien, die arabischen Länder, den Islam - da ist viel, was auf uns eindrängt, was wir begreifen müssen.“ Und weiter: „Der Volkstrauertag ist ein wichtiger Tag, um anschließend die Welt in guter, in friedlicher Kultur zu gestalten.“

Dechant Josef Brans entlarvte als Grund für die vielen Kriege in dieser Welt „die Ursünde des Menschen, nur an sich und seinen Eigennutz zu denken“. Der Geistliche appellierte: „Was muss noch an Schrecken und Elend passieren, damit der Mensch sieht, dass Kriege nur Probleme schaffen und keinesfalls welche lösen?“ Aber auch Vorurteil und Lüge seien Waffen, mit denen auf subtile Art andere Menschen ins Abseits gedrängt und fertig gemacht werden, mahnte er.

Ute Lendzian als Vertreterin der evangelischen Kirche wiederum sprach die so genannte Schlussstrich-Debatte an, in der ein Ende des Erinnerns gefordert wird. Gerade dies aber sei unvermindert wichtig, erteilte Lendzian solchen Bestrebungen eine entschiedene Absage: „Es geht bei Menschen wie mir, die nach dem Krieg geboren wurden, nicht um Schuld, sondern darum, unsere Verantwortung wahrzunehmen, damit wirklich nie wieder ein Krieg von deutschem Boden ausgeht.“

Quelle: NGZ


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