Kaarst (NGZ). Das Gericht hat bestätigt: Gerhard Woitzik ist rechtmäßig Bundesvorsitzender. Seine Gegner sehen das anders. Stadtverbandschef Josef Karis stärkt dem 83-Jährigen weiter den Rücken, fordert von ihm aber auch Engagement.
Für Josef Karis war die Angelegenheit von vornherein ganz großer Quatsch. Im Oktober vergangenen Jahres sprach der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Kaarster Zentrumspartei, der zugleich auch stellvertretender Landesverbandschef ist, von einem "einzigen Kindergarten" – und meinte damit ausnahmsweise nicht die Kaarster Lokalpolitik, sondern seinen eigenen, zerstrittenen Bundesverband.
Am Dienstag stellte das Düsseldorfer Landgericht fest: Gerhard Woitzik ist rechtmäßiger Bundesvorsitzender. Karis hatte dem 83 Jahre alten Dormagener im Streit um dessen Parteiausschluss in den vergangenen Monaten den Rücken gestärkt und war daraufhin selber ins Schussfeld der Kritiker geraten. Dem Kaarster Stadtverband wurde sogar mit Verlust des Parteistatus' gedroht. Geklagt hatte der Landesverband Baden-Württemberg. Dessen Vorsitzender Ewald Jaksch beanspruchte seinerseits den Bundesvorsitz und wollte das vom Gericht bestätigt wissen. Die mündliche Verhandlung war der vorläufige Höhepunkt des seit 2005 andauernden parteiinternen Streits.
Vorstand
Der Kaarster Stadtverband hat vor kurzem einen neuen Vorstand bestimmt:
Vorsitzender Josef Karis, wiedergewählt mit einer Gegenstimme
Stellvertreterin Christiane Eickelmann, sitzt jetzt auch im Rat
Zweiter Stellvertreter Manfred Schmidt
Im Februar 2011 sollte ein "Vereinigungsparteitag" in Fulda die Differenzen beilegen. 58 von bundesweit 600 Mitgliedern wählten zunächst Woitzik zum Vorsitzenden. Der anfängliche Versammlungsleiter Jaksch verließ später mit einem Dutzend Mitgliedern die Versammlung und bestimmte einen eigenen, neuen Bundesvorstand. Begründet wurde der laut Gericht nicht rechtmäßige Alleingang damit, dass Woitzik und der Stadtverband Dormagen satzungsgemäßen Verpflichtungen, unter anderem Beitrittserklärungen und Mitgliedsbeiträge betreffend, nicht nachgekommen seien.
Das sah der Vorsitzende Richter so allerdings nicht. "Das Gericht", sagt Karis, "hat damit Tatsachen bestätigt." Die Woitzik-Gegner bestreiten das nach wie vor. Der 83-Jährige, hieß es am Dienstag, sei seit Oktober kein Mitglied der Zentrumspartei mehr, der Bundesvorsitzende heiße Michael Möller. Möller war und ist Woitziks Stellvertreter. Auch habe sich Woitzik vor einer Woche illegal zum Kreisvorsitzenden wählen lassen. Für den 24. Februar kündigen sie einen neuen Kreisparteitag an. Dieser solle ohne Josef Karis und den zurückgetretenen Kaarster Fraktionsgeschäftsführer Christian Otte stattfinden. Beide seien mittlerweile Mitglieder der Piratenpartei.
Karis reagiert auf all das gelassen. "Alle Behauptungen sind haltlos", sagt er. "Jetzt werden wir uns auf die Politik konzentrieren." Im Lokalen liege die Stärke des Zentrums. Von Woitzik als Kreisvorsitzenden verlange er noch in diesem Jahr die Gründung eines siebten Kreis-Ortsverbands Rommerskirchen. "Ich stehe hinter dem alten Mann, aber ich nehme ihn auch in die Pflicht."
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