Kaarst (NGZ). Die Landesregierung plant eine Verschärfung des Nichtraucherschutzgesetzes – zwar erst zum 1. Juli, aber schon jetzt reagieren viele Brauchtumsvereine mit Rauchverbot. Die NGZ hat sich bei den Kaarstern umgehört.
Während für die Gastronomie Ausnahmeregelungen bestanden, mussten sich Schützen und Karnevalisten keine Gedanken machen: Brauchtumsveranstaltungen waren bisher ausgeschlossen. Die aktuelle Karnevalssession ist ohnehin noch nicht betroffen.
So darf auch bei der Galasitzung der Büttgener "5 Aape" im Pfarrzentrum dieses Jahr noch geraucht werden. Vizepräsident Peter Ducksch, selbst Raucher, befürchtet ein letztes Mal Sitzungskarneval in gemütlicher Atmosphäre. "Spätestens nach einer Stunde hat man den Drang zu rauchen. Wenn man dafür rausgeht, herrscht eine ständige Unruhe im Saal. Wir können schließlich nicht ständig Raucherpausen einlegen", so Ducksch.
Dem widerspricht Henny Siedler, Präsidentin der Kaarster Narrengarde "Blau-Gold". Bei den Veranstaltungen der Narrengarde in der städtischen Realschule Kaarst herrscht bereits seit Einführung des Nichtraucherschutzes Rauchverbot. "Wir standen nie vor leeren Sitzreihen", sagt sie. Die Präsidentin habe zudem festgestellt, dass die Leute sogar weniger rauchen, weil sie dafür rausgehen müssen. Henny Siedler war an der Seite ihres Mannes Bernd im vergangenen Jahr auch Schützenkönigin in Kaarst. Für das Sommerbrauchtum erwartet sie schon Probleme. "Bei schönem Wetter gehen die Leute eher nach draußen und bleiben auch länger dort. Bei den Krönungen wird es bestimmt leerer sein im Zelt", glaubt sie.
Die Situation
Karneval Beim Galaball der "5Aape" ist Rauchen noch erlaubt, bei der Kindersitzung nicht. Die Narrengarde feiert immer ohne Zigaretten.
Schützen Kaarst, Büttgen und Driesch feiern vor dem 1. Juli. Betroffen wären Holzbüttgen im August und Vorst im September. Gastwirte Große Gaststätten haben abgetrennte Räume oder verbieten während der Essenszeit das Rauchen. Andere erlauben in einer Ecke das Rauchen, es gibt aber auch noch "Raucherkneipen".
Das Kaarster Schützenfest im Juni wird von der möglichen Neuregelung noch nicht betroffen sein. Thema war sie trotzdem im Vorstand der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Kaarst. "Glücklich sind wir darüber nicht. Wir sehen es als Stimmungskiller an, obwohl in unserem Vorstand alle Nichtraucher sind", sagt Schützensprecher Guido Otterbein. Wenn dieses Jahr das Zelt steht, werde man sich die Gegebenheiten anschauen. "Die einzige Lösung wäre eine Außenterrasse", so Otterbein. Schließlich geht es nicht nur um den Getränkeumsatz.
"Wir müssen sowieso schon mit so vielen Einschränkungen leben. Wenn das Zelt um ein Uhr bereits schließt, und man dann noch für jede Zigarette rausgeht, überlegt man sich, ob man überhaupt noch Eintritt zahlt", sagt Volker Schöneberg, Brudermeister der Holzbüttgener Schützen. Sie feiern im August und wären damit von der neuen Gesetzeslage betroffen. Platz für eine Außenterrasse sieht Schöneberg nicht, dafür stets sein halbes Regiment draußen am Bierpavillon stehen. Raucher Volker Schöneberg meint auch, man könne Bayern, wo bereits ein absolutes Rauchverbot herrscht, nicht mit NRW vergleichen. "Wir haben eine ganz andere Kneipenkultur. In Bayern gibt es eine große Biergartentradition, die das im Sommer auffängt", sagt er.
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