Seit dem 6. Februar hat sich das Leben für 20 NGZ-Leser verändert. Sie schnüren für die Aktion „City-Runner 2009“ mehrfach pro Woche die Laufschuhe. Bisher nach dem Motto „Fit mit Fun“. So wurden die ersten Trainingseinheiten auf der Tartanbahn am Sportzentrum in Kaarst mit viel Spaß gemeistert.
Auch wenn allen bei dem Tempotraining von Jochen Adomeit gelegentlich die Puste ausging, gelacht wurde dennoch. Seit vergangenem Samstag wissen die City-Runner, dass neben dem Spaß auch eine gewisse Quälerei zu einem professionellen Trainingsprogramm gehört. Denn beim Laktatstufentest ging es an die Leistungsgrenzen.
Eine Erfahrung, die viele begeisterte und zugleich erschreckte. Denn das tolle Gefühl während dieser Grenzerfahrung erhält schnell einen dicken Dämpfer, wenn die Ergebnisse ausgewertet sind. Der Test bringt die Wahrheit über die eigene Form ans Licht. Schummeln geht nicht. „Ein guter Weg, die individuelle Ausdauerfähigkeit zu ermitteln“, meinte daher Rüdigers Hübbers-Lüking von der Neusser medicoreha, der den Test leitete.
Auf der Laufbahn wurden vorher festgelegte Strecken absolviert (drei Mal 800, zwei Mal 1200 Meter) - in kleinen Gruppen und mit Pulsmessgeräten. Mit jeder Stufe wurde die Geschwindigkeit erhöht. Los ging es bei einem Tempo von sieben Minuten auf 1000 Meter, bei der letzten Strecke waren es noch 4:20 Minuten. Ein akustisches Signal in bestimmten Abständen erleichtert das Halten der Geschwindigkeit. Nach jeder Einheit wird bei den Läufern am rechten Ohrläppchen Blut abgenommen: Schon einige Tropfen reichen, um den sogenannten Laktatwert zu ermitteln.
Kann die Energie für die Muskulatur bei intensiven Belastungen nicht mehr ausschließlich mit Hilfe von Sauerstoff (aerob) erzeugt werden, entsteht dabei Laktat (Milchsäure), das bei zu hoher Konzentration zum Leistungsabbruch führt. Ziel des Stufentests ist es, die aerob-anaerobe Schwelle zu ermitteln. Also die Belastungsintensität, die ein Läufer gerade noch erbringen kann, ohne zu übersäuern. „Das ist für die Erstellung eines Trainingsplanes unerlässlich“, betont Rüdiger Hübbers-Lüking. „Denn trainiert werden soll vornehmlich im aeroben Bereich.“ Normalerweise überprüft Hübbers-Lüking so die Ausdauer von austrainierten Leistungssportlern.
Dieses Mal präsentiert sich ihm eine weniger homogene Gruppe. Nach den ersten drei 800-Meter-Strecken stiegen die Ersten aus. Andere waren zu diesem Zeitpunkt gerade erst richtig warm und liefen auf den letzten 1200 Metern zur Höchstform auf.
Trainer Jochen Adomeit hatte zur Feier des Tages sogar die leichten Wettkampfschuhe ausgepackt und zog seine Schützlinge auf den letzten quälenden Runden bis ins Ziel. „Das war nicht schlecht“, staunte er über die Leistungen. „Immerhin war das Tempo am Ende gar nicht so langsam.“ Achim Blonsky, der lediglich auf der allerletzten Runde passen musste, stellte allerdings fest: „Auf fünf Kilometer halte ich das Tempo nicht durch.“ Der Grefrather kennt jetzt nicht nur seine aerobe-anaerobe Schwelle, sondern weiß auch, dass er „schwierige Ohren“ hat.
Das fanden nämlich die Helfer von Rüdger Hübbers-Lüking, die Minuten brauchten, um Blut aus seinem Ohrläppchen abzuzapfen. „Am Ende hat es ja doch noch geklappt“, meinte der 41-Jährige, der den Laktattest als „tolle und hilfreiche Erfahrung“ bewertete. In vier Wochen steht zur Kontrolle der nächste Laktatstufentest an - bis dahin wird trainiert.
Und zwar nach Trainingsplänen, die von den Coaches Petra Maak und Jochen Adomeit individuell mit Hilfe der Ergebnisse erstellt werden. „Ich bin schon jetzt gespannt, wie sich Einzelne bis dahin verbessert haben“, freut sich Jochen Adomeit auf die kommenden Trainingseinheiten. Schon heute Abend wird er wieder mit den City Runnern auf der Tartanbahn in Kaarst unterwegs sein. Allerdings ohne seine ultraleichten Wettkampfschuhe. „Die werden erst wieder beim nächsten Laktattest geschnürt. Damit mir keiner meiner Schützlinge davonlaufen kann“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
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