Korschenbroich: „Der Mensch im Mittelpunkt“
Korschenbroich (NGZ) Wo Kranke gut umsorgt werden, bleibt die Liebe kein leeres Wort. Dies betonte der Aachener Weihbischof Bündgens am Mittwoch Abend in der Niederrhein-Klinik in Korschenbroich. AOK-Chef Jacobs erteilte der Zwei-Klassen-Medizin eine klare Absage.
Korschenbroich Die zehnjährige Geschichte der Korschenbroicher Niederrhein-Klinik ist „eine Erfolgsstory“. Diese Meinung vertrat Wilhelm Straaten, der Vorsitzende des Beirats der Einrichtung, am Mittwoch Abend vor großem Publikum im Foyer des Hauses.
„Es gab eine Vielzahl von Problemen, es gelang aber, sie stets zu lösen“, sagte Straaten. Sein Credo war eindeutig: „Bei aller Wirtschaftlichkeit muss der Mensch im Mittelpunkt stehen.“
Neben den zahlreichen medizinischen und ökonomischen Themen des Alltags wollten die Betreiber bei der Zehn-Jahres-Feier nicht vergessen, dass die Klinik in der Tradition der Orden der Augustinerinnen und Salvatorianerinnen steht.
Die Niederrhein-Klinik ist eine Fachklinik für orthopädische und hämato-onkologische Rehabilitation. 140 vollstationäre Betten im Bereich der Orthopädie, 60 in der Onkologie stehen den Patienten zur Verfügung. Ein weiterer Bereich ist die ambulante Rehabilitation. Auch dort verfügt jede der beiden Fachrichtungen zusätzlich über 20 Betten. Die wohnortnahe Rehabilitation macht es möglich, Angehörige in die verschiedenen Prozesse mit einzubeziehen. Die Niederrhein-Klinik kooperiert eng mit verschiedenen Akut-Krankenhäusern der Region. Eine gut aufeinander abgestimmte und kontinuierliche Behandlung soll einen optimalen Übergang von der Akutbehandlung in die Rehabilitation gewährleisten.
Und so zelebrierte der Aachener Weihbischof Dr. Johannes Bündgens zunächst einen Gottesdienst, den der Mädchenchor „DaCapoConBrio“ unter Leitung von Claudia Bertram und Henning Dembski am Klavier musikalisch umrahmten.
Bündgens lobte die Mitarbeiter des Hauses um die Geschäftsführer Reinhard Strauch und Markus Richter: „Sie geben der christlichen Liebe ein Gesicht und sorgen dafür, dass die Caritas kein leeres Wort bleibt.“
Laut Weihbischof gilt es „sehr wachsam“ zu sein, wenn Begriffe wie „sinnloses Leiden“ durch die Öffentlichkeit gehen. Bündgens: „Leiden gehört zum Menschen. Ohne Leiden wäre ein Leben genauso unmenschlich wie ohne Freude.“ Und so sei der Patient „kein störendes Sandkorn“, sondern geliebtes Kind Gottes. „Leiden bietet die Chance über sich selbst hinaus zu wachsen“, betonte der Würdenträger.
Professor Dr. Uwe Koch, Dekan des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der der Niederrhein-Klinik durch eine Serie gemeinsamer Untersuchungen verbunden ist, lobte die onkologische Rehabilitation in Korschenbroich als „vorbildlich“. Sorgen wegen der mangelhaften finanziellen Grundlage der Sozialversicherungen verhehlte der Experte aber nicht.
Es seien „enorme Anstrengungen“ nötig, um die Rehabilitation in ihrer bisherigen Qualität zu erhalten. Für Koch gehören dazu die Flexibilisierung durch ambulante Maßnahmen, die Mitwirkung der Betroffenen, die stufenweise Integration von Patienten ins Berufsleben oder die verstärkte Ergebnis-Kontrolle. Er zeigte sich aber „optimistisch, dass Rehabilitation zukunftsfähig ist - was erhebliche Änderungen in den nächsten 20 Jahren nicht ausschließt“.
Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Hamburg, bezeichnete die wohnortnahe Rehabilitation als „die Zukunft“. Eine „klare Absage“ erteilte er einer Zwei-Klassen-Medizin. „Medizinische Innovationen dürfen in Deutschland nicht abhängig vom Geldbeutel sein“, sagte Jacobs. Unterschiede bei Service-Standards oder Zusatzversicherungen seien zwar denkbar, „aber nicht, wenn’s drauf ankommt.“



















