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Charlie Mariano im Jazz-Café: Auch "Legenden" sind noch Spitze

zuletzt aktualisiert: 21.09.2003 - 22:01

Charlie Mariano im Jazz-Café (NGZ). Leonard Gincberg konnte für Freitagabend in der Aula des Korschenbroicher Gymnasiums bei seinem vierten Jazz-Café-Konzert mit Charlie Mariano eine "Legende" des Jazz ankündigen. Dieses Prädikat wird im Jazz gern leichtfertig verwendet, obwohl manche so betitelte Musiker Jahrzehnte vorher nicht einmal "Frischlinge" waren. In diesem Fall war die Bezeichnung aber mehr als gerechtfertigt. Star-Solist beim Jazz-Café: Charlie Mariano begeisterte sein Publikum in der Aula des Gymnasiums. NGZ-Foto: L. Berns

Der amerikanische seit Jahren in Köln wohnende Saxofonist Charlie Mariano, der am 21. November während der Leverkusener Jazztage seinen 80. Geburtstag feiern wird, ist wirklich einer der wenigen noch lebenden ganz Großen aus den 40er- und 50er Jahren. Und in Korschenbroich überzeugte er nachhaltig und zeigte, dass man für den wahren Jazz wohl nie zu alt ist.

Der in Boston geborene Charlie Mariano machte zunächst in der Band von Stan Kenton, dessen bombastischer Big-Band-Jazz immer sehr zwiespältig beurteilt wurde, und beim revolutionären und experimentierfreudigen Charles Migus auf sich aufmerksam. In den 60er Jahren lebte er in Japan, danach ging er nach Indien, studierte die dortige Musik und integrierte sie großartig mit dem Jazz.

Der holländische Flötist Chris Hinze holte ihn 1967 nach Europa, wo er seit dieser Zeit auch mit Rock-Gruppen arbeitet. Perkussionist und Schlagzeuger Leonard Gincberg und seine "friends" hatten in der gut besuchten Aula ausreichend Gelegenheit, sich auch als eigenständige Gruppe zu profilieren. Gincberg selbst konnte nicht nur beim Solo mit seiner "Percussion Suite" gefallen, sondern überzeugte auch als stimmiger Rhythmusgeber.

Norbert Haunschild an der Gitarre und der Bassist Christian von Kaphengst begleiteten hervorragend. Der vierte Mann, der ebenfalls aus Boston stammende Vibraphonist Tom van der Geld, der auch schon bei Produktionen des Neusser Klarinettisten Lajos Dudas mitwirkte, gestaltete sehr schöne, ausdrucksvolle Klangfarben. Das Konzert begann mit einem leichten, eingängigen Mambo, der das aufmerksam mitgehende Publikum in die lockere Atmosphäre des ganzen Auftritts einstimmte.

Charlie Mariano ist nach wie vor von großer Klasse. Da muss man nicht verständnisvoll das hohe Alter hinzuziehen, um Gutes an der Musik zu finden. Er spielt hervorragend, kraftvoll und mit nie versiegendem Ideenfluss. Es war ein Genuss, diesem herausragenden Mann zuzuhören. In seinen Improvisationen gibt es keinen Leerlauf, sie sind frisch und orientieren sich nicht an abgedroschene Wendungen.

Gincberg und "friends" und vor allem dem "Stargast" Charlie Mariano war höchstes Lob zu zollen, was die Zuhörer auch durch lebhaften und ehrlichen Beifall taten. Allerdings wurde Mariano in keiner Phase das fünfte Gruppenmitglied, nie wirkte er integriert. Er blieb der verehrte Solist, als der er auch mit vielen anderen Gruppen auftritt, aber so nirgendwo seine ureigene Musik präsentieren kann. Helmut Schwanen

Quelle: NGZ


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