Korschenbroich (NGZ). Steinhausen Große Erwartungen werden an das Neubaugebiet am Wasserweg geknüpft. Nach Abschluss der Bauarbeiten werden nach Kalkulation der Stadt rund 70 Neubürger in 26 Wohneinheiten ein Zuhause auf dem etwa 9000 Quadratmeter großen Areal gefunden haben. Nach der Einleitung des Planverfahrens werden nun in getrennten Sitzungen der Kreisverwaltung und des Landschaftsbeirates im April die notwendigen Schritte zum ersten Spatenstich unternommen.
„Wenn keine unvorhergesehenen Einwände auftreten, könnte das Planverfahren in einem Dreivierteljahr abgeschlossen sein“, zeigte sich Dieter Hoffmans, Leiter des Planungs- und Bauordnungsamtes der Stadt Korschenbroich, gegenüber der NGZ optimistisch. „Dann steht der Erschließung des Neubaugebietes nichts mehr im Wege.“
Die Verhandlungen mit der Landschaftsbehörde betreffen jetzt vor allem die Anlage eines Wasserrückhaltebeckens, das für das Baugebiet unerlässlich ist. Doch schon jetzt können die Planer erste Verhandlungserfolge verbuchen. So wurde in Abstimmung mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn eine klare Regelung über den Erhalt einer dem Neubaugebiet unmittelbar benachbarten Hofesfeste getroffen. „Das Gelände wird von den Bauarbeiten nicht tangiert“, so Hoffmans, der weiterhin eine Pflanzeinfassung des Denkmals, das seit 1896 nur noch unterirdisch erhalten ist, in Erwägung zieht.
Des Kaisers Kartograph
Im Jahr 1794 in den wissenschaftlichen Stab Napoleons berufen, unternahm der Oberst Jean Joseph Tranchot zwischen den Jahren 1801 und 1814 eine bis ins Detail genaue topographische Aufnahme der Rheinlande. Sein erhaltenes Gesamtwerk besteht aus 264 Einzelblättern im Maßstab 1 : 20 000. Nach dem Sieg über Napoleon im Jahre 1815 setzten die Preußen das von Tranchot begonnene Werk fort.
Dessen Geschichte reicht weit in das Mittelalter zurück und nimmt im Jahre 1382 ihren Anfang. Wahrscheinlich eher in Form eines wehrhaften Hofes errichtet, berichten schriftliche Quellen im Jahre 1460 von der Existenz einer „Burg Steinhausen“ unter der Herrschaft wechselnder Lehnsherren.
Mit einer Grundfläche von 80 mal 60 Metern besaß das ländliche Anwesen des niederen Adels eine stattliche Größe und lässt sich durchaus mit noch heute erhaltenen kleineren Wasserburgen wie dem nur wenige Kilometer entfernten Haus Fürth vergleichen. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Hofesfeste, in der Regel bestehend aus einem größeren Wirtschaftsteil und einem Wohnhaus, endgültig aufgegeben und verlassen.
In den Jahren 1866 bis 1896 diente Burg Steinhausen nur noch als Steinbruch, wurde abgetragen. Die Gräben, die über Jahrhunderte hinweg die Burg vor Angreifern geschützt hatten, wurden zu großen Teilen verfüllt, hinterließen jedoch bis heute markante Spuren im Gelände.
Lediglich auf einer Karte aus dem Jahre 1806 ist das Bauwerk als rechteckiges Grabenviereck mit einem vierflügeligen Gebäudekomplex vermerkt. Zu verdanken ist diese einzig erhaltene Dokumentation einem Offizier im Heer Napoleons - Jean Joseph Tranchot. Die von ihm und seinem Stab gezeichneten Karten dienen noch heute Historikern und Archäologen, aber auch anderen Wissenschaftlern als wichtige Quelle zur Erforschung der Vergangenheit. Dies gilt auch für die bis auf die Grundmauern geschliffene Burg in Steinhausen.
Zwei deutlich erkennbare Brücken ermöglichten den Zugang zu den umliegenden Feldern und dem schon damals angrenzenden Wasserweg. Vielen künftigen Anwohnern dürfte die historische Nachbarschaft bisher verborgen geblieben sein. Im Bauordnungsamt der Stadt Korschenbroich bestehe daher Interesse an einer entsprechenden Würdigung des längst verschwundenen alten Gemäuers. „Wir könnten uns sehr gut vorstellen, vor Ort eine Informationstafel zu errichten, die die Bürger über die Geschichte und das Aussehen der Burg informiert“, so Hoffmans.
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