Korschenbroich (NGZ). Hoher Besuch auf Schloss Liedberg: Landesbauminister Lutz Lienenkämper war der Einladung der Deutschen Burgenvereinigung ins sanierungsbedürftige Schloss gefolgt. Thema: Die Zukunft des Denkmalschutzes.
In Teilen gleicht Schloss Liedberg immer noch einer Großbaustelle, doch die Pläne von Eigentümer Peter Overlack zeigen, wie man ein historisches Gebäude saniert, ohne dabei in architektonische Experimente zu verfallen. "Es soll nicht auf alt getrimmt werden", stellte er am Mittwoch vor der Diskussion mit Lutz Lienenkämper die Wiederaufbaupläne der längst verfallenen Gebäudeteile vor. "Hier werden mit modernen Methoden historische Stilelemente wiedergewonnen. Was hier nicht her passt, kommt hier nicht hin."
Davon konnten sich die Besucher bei einem Rundgang durch die alten Gemäuer selbst überzeugen, die mutigsten erklommen sogar die frisch restaurierte, barocke Turmhaube. Im Anschluss wurde dann vor knisterndem Kaminfeuer über die Zukunft des Denkmalschutzes in NRW diskutiert. Wie in allen anderen Bereichen, spielten auch dabei die nur in geringem Maße vorhandenen finanziellen Mittel eine große Rolle. "Auch im Denkmalschutz waren Kürzungen notwendig", gab Lutz Lienenkämper zu, betonte aber auch, dass es trotzdem ein qualitativ gutes Programm zur Denkmalpflege gäbe. Darüber hinaus profitierten die Eigentümer denkmalgeschützten Gebäuden von diversen Steuererleichterungen. Für Lienenkämper eigentlich ein positiver Aspekt, der ihn dennoch zu einer Kritik veranlasste: "Dass diese Steuererleichterungen in Gefahr sind, glaube ich nicht, da in Berlin keine Steuerreform zustande kommt."
Burgenvereinigung
Die Deutsche Burgenvereinigung (DBV) versteht sich als eine Vereinigung von Denkmalschützern und -liebhabern aus allen Schichten und Berufsgruppen der Bevölkerung. Sie ist die älteste überregional tätige Denkmalschutzinitiative in Deutschland, seit 1899 engagiert sie sich gegen die weitere Zerstörung der Burgen und anderer historischer Bauten, aber auch gegen falsch verstandene Restaurierungen.
Freud und Leid in diesem Fall auf der selben Seite, denn einerseits profitiert die Denkmalpflege von den momentan geltenden Regeln, andererseits sprach auch er sich für "notwendige Steuervereinfachungen" aus, für die die Bundesregierung jedoch nicht die nötige Kraft hätte. Auch auf die Frage, ob eine niedrigere Mehrwertsteuer für Reparaturarbeiten an Denkmälern sinnvoll sei, reagierte er mit Kritik am bestehenden System. "Die ganze Mehrwertsteuer-Gesetzgebung mit diesen willkürlichen Ausnahmen muss neu überarbeitet werden. Für die Denkmalpflege kann eine weitere dieser Ausnahmen nicht der richtige Weg sein."
Den richtigen Weg sahen Lienenkämper und die anwesenden Vertreter von Stadt, Kreis und Burgenvereinigung eher in neuen Nutzungskonzepten für denkmalgeschützte Gebäude und in einer regionenübergreifenden Zusammenarbeit auch in Sachen Tourismus. Als Beispiel wurde hier die Kampagne für das Ruhrgebiet genannt. So müsse es künftig für ganz NRW einen Tourismus geben.
"Auf der Landkarte ist die Region Niederrhein trotz seiner zahlreichen Sehenswürdigkeiten ein weißer Fleck", kritisierte der Minister und betonte auch mit Blick auf die Investitionen in die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet, dass nicht nur Industriedenkmäler wichtig für NRW seien. Viele Ansätze also, um die Denkmalpflege im Zusammenhang mit dem Tourismus überregional zu fördern, und so die Denkmäler von bloßen Kostenstellen in Einnahmequellen zu verwandeln.
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