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Korschenbroich: Die Ärmel hochgekrempelt

VON RUDOLF BARNHOLT - zuletzt aktualisiert: 03.02.2008 - 21:30

Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich Mit Speck fängt man ja bekanntlich Mäuse. Aber ob es möglich ist, mit Kartoffelsalat und Würstchen Blutspender anzulocken? Karin Scheffler, DRK-Bereitschaftsleiterin von Korschenbroich und ihr Team hatten sich einiges einfallen lassen, um Blutspender zu motivieren.

Wie Jutta Thönnes (l.) machten es rund 90 Männer und Frauen am Karnevalssonntag: Sie krempelten die Ärmel hoch, um bei DRK-Mitarbeiterin Maren Rübsam und deren Kollegen Blut zu spenden.  Foto: Lothar Berns
Wie Jutta Thönnes (l.) machten es rund 90 Männer und Frauen am Karnevalssonntag: Sie krempelten die Ärmel hoch, um bei DRK-Mitarbeiterin Maren Rübsam und deren Kollegen Blut zu spenden. Foto: Lothar Berns

Mit einem so großen Erfolg hatte jedoch niemand wirklich gerechnet. Es lief einfach hervorragend, und das ist auch gut so: Krebskranke Menschen beispielsweise und Umfallopfer sind dringend auf frische Blutspenden angewiesen, egal, ob Karneval ist oder nicht.

„Wir haben zunächst gedacht, dass uns die Älteren zumindest die Treue halten werden“, gab Karin Scheffler gegenüber der NGZ zu verstehen. Umso erleichterter war sie, als klar wurde, dass auch junge Leute kamen und Blut spendeten.

Auch ohne Alkohol ging es ausgelassen zu, es ertönte Karnevalsmusik, viele der Helfer des Deutschen Roten Kreuzes hatten sich zumindest ein buntes Hütchen aufgesetzt. Dr. Elke Rugulies gestand: „Mit einem solchen Andrang hatte ich nicht gerechnet.“

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Blutspende-Termine

Im Stadtgebiet gibt es pro Jahr insgesamt zwölf Blutspende-Termine, an denen sich rund 1000 Bürger ab 18 Jahren beteiligen. Erstspender dürfen nicht älter als 58 Jahre sein. Wer den Spendetermin am Sonntag verpasst hat, muss nicht lange auf eine weitere Gelegenheit warten: Am kommenden Freitag kommt das Blutspendeteam von 17 bis 20 Uhr ins Dionysiushaus nach Kleinenbroich.

Es ging stressig zu und trotzdem waren die Untersuchungen gründlich. Die Folge: Drei mögliche Spender mussten abgewiesen werden - ein schlechter Hämoglobin-Wert macht deutlich, dass der potenzielle Spender selber nicht genügend Blut in seinen Adern hat.

Eine Frau hatte Probleme mit dem Kreislauf - sie wurde deshalb gestern nicht „angezapft“. Zum Glück reagierten die Abgewiesenen mit Verständnis - Dr. Rugulies weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Axel Schwedler und Roger Wange gehörten am Sonntag zu den „Vampiren“, die den Spendern im ehemaligen Physikraum des Korschenbroicher Gymnasiums Blut abnahmen. „Wir haben schon ähnliche Aktionen gehabt an einem Karnevalssonntag, die waren aber nicht so gut besucht“, erinnerte sich Axel Schwedler.

Susanne Böttcher, für die Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst West in Breitscheid zuständig, ließ sich kurz blicken, hatte Sekt mitgebracht und war angenehm überrascht: „Ich komme gerade aus Mülheim, da war deutlich weniger los. Die Ehrenamtler in Korschenbroich sind sehr motiviert, das ist für uns Gold wert.“

Karneval und Feste wie Weihnachten bezeichnete sie als „schwere Zeiten“ - immerhin würden rund 1500 Blutkonserven täglich benötigt. Herbert Giesen und Anni Baues, beide 60 Jahre alt, gehören zu den regelmäßigen Spendern. „Ich komme jetzt zum 52. Mal“, gab Herbert Giesen zu verstehen. Er erinnerte sich an Zeiten, wo es zur Stärkung noch einen Weinbrand gab.

Anni Baues ist „Spätberufene“: „Mach das doch auch mal“, hatte ihr eine Freundin vor zwei Jahren gesagt. Zum ersten Mal war jetzt Heinz-Otto Ruhe mit dabei. Der 55-Jährige hat nicht vergessen, dass sein Vater eine Zeit lang auf Blutkonserven angewiesen war.

Das einzige Missgeschick am Sonntagvormittag: Der Computer wollte nicht so recht, also musste Reinhold Scheffler die Blutspendeausweise kopieren - die Eintragungen wird er nachträglich vornehmen müssen. Seine Frau Karin hatte zehn Kilogramm Kartoffeln zu Kartoffelsalat verarbeitet und sich insgeheim wohl auf eine sehr einseitige Kost in den kommenden Tagen eingestellt.

Trotzdem war sie optimistischer gewesen als Helga Semmler, mit der sie eine Wette abgeschlossen hatte, dass mehr als 30 Spender kommen würden. Helga Semmler wird nun zu einem opulenten Frühstück einladen müssen - als Ehrenamtlerin des DRK wird sie das mit einem lachenden Auge sehen.

Quelle: NGZ

 
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