Korschenbroich (NGZ). Glehn Von einem Happy End konnte am Dienstag im Bauausschuss keine Rede sein. „Die ganze Sache ist unbefriedigend. Nur mit Blick auf das Wohl der Kinder spreche ich mich nicht gegen den Beschluss aus“, erklärte Hans-Joachim Götze vor der Abstimmung.
Mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, die ausstehenden Aufträge für den Neubau zur Ganztagsbetreuung an der Grundschule Glehn zu vergeben.
Beigeordneter Bernd Dieter Schultze hatte am Anfang der kurzen Diskussion eine angesichts der Umstände gute Nachricht. „Die Ausschreibungs-Ergebnisse der Gewerke haben ergeben, dass wir mit den vom Hauptausschuss zusätzlich bereitgestellten Mitteln auskommen werden.
Und wir gehen davon aus, dass wir unter diesem Kostenrahmen bleiben werden“ - um 44 000 Euro, wie im Ausschuss deutlich wurde. Doch viel teurer als ursprünglich vorgesehen wird es nach wie vor.
Statt der zunächst 846 300 Euro für alle Kosten rund um den Neubau - samt Abriss alter Gebäudeteile - sind nun 1 196 300 Euro, mehr als ein Drittel über dem früheren Ansatz, bereitgestellt.
Zum fünften Mal bereits befasste sich gestern ein Ratsgremium mit dem Kostenanstieg. Als im Sommer die Kosten wegzulaufen drohten, hatte Bürgermeister Heinz Josef Dick die Notbremse gezogen, die Ausschreibungen gestoppt.
Die Verwaltung sprach von einer „exorbitanten Kostenexplosion“. Ursachen für den Anstieg nennt die Verwaltung viele. Beim eigentlichen Neubau sei er auf die „allgemeine Preissteigerung“ im Baubereich und „auf die Unterbewertung der Rohbaukosten durch die Werkgemeinschaft Quasten und Berger zurückzuführen.
Beim Abbruch dagegen musste teerhaltiges und anderes belastetes Material, mit dem nicht gerechnet worden war, entsorgt werden. Die Baupläne wurden abgespeckt, doch das führte auch nicht zur Kostenreduzierung im erwarteten Umfang.
Um Kostentransparenz herzustellen, hatte der Bauausschuss in einer Sondersitzung im August beschlossen, die noch zu vergebenden Gewerke neu auszuschreiben. Aus der Politik hagelte es Kritik und Fragen nach der Ursache.
Auch wenn die Bagger nun anrollen können, wird sich die Verwaltung weiter mit der Kostenexplosion befassen. Das Rechnungsprüfungsamt soll das gesamte Verfahren eingehend unter die Lupe nehmen. „Darauf legen wir sehr großen Wert“, sagte Götze und machte damit klar, dass seine Fraktion nach dem Beschluss nicht zur Tagesordnung übergehen wird.
Er fand in der Verwaltungsvorlage zur Kostenentwicklung „viele Ungereimtheiten“. „Wie können die veranschlagten Rohbaukosten derart in einer Zeit steigen, in der es doch computergesteuerte Berechnungssysteme dafür gibt?“, fragte er.
Rolf Kluthausen (FDP) formulierte schärfer, die Vorlage mache „Inkompetenz“ der Verwaltung und des Architekturbüros deutlich. „Für die Verwaltung weise ich das zurück. Auch wir sind nicht zufrieden, dass die Werkgemeinschaft erst so spät auf Kostensteigerungen hingewiesen hat“, entgegnete Beigeordneter Schultze, der aber auch betonte, dass nicht alle Kostensteigerungen in Zusammenhang mit dem eigentlichen Hausbau stünden.
„Die Werkgemeinschaft hat schon viel und gut in der Stadt gebaut, aber nach dieser Erfahrung muss man sich überlegen, sie wieder zu beauftragen“, meinte Götze. Und gar nicht sah er ein, laut Vorlage „auch noch mehr Honorar für das Architekturbüro zu zahlen.
Doch daran kommt die Stadt nicht vorbei, wie die Verwaltung mitteilte: Auf der Basis der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure steigen mit den Baukosten auch die Honorare für alle Planer - insgesamt um 25 000 Euro.
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