Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich Rund 100 Euro kostet ein Verkehrsschild „Achtung Straßenschäden“ und ist damit deutlich preiswerter als eine Straßenerneuerung. An diese Schilder werden sich die Korschenbroicher künftig wohl gewöhnen müssen. Der Stadt fehlt nämlich seit Jahren das Geld für die Straßensanierung.
„Wir erfüllen die Verkehrssicherungspflicht, aber wir können nicht alles erneuern, was eigentlich nötig wäre“, erklärt Beigeordneter Bernd Dieter Schultze. „Wir werden deshalb künftig bei Straßenschäden wohl leider noch mehr solcher Schilder aufstellen müssen.“ Wie die aussehen, können Autofahrer beispielsweise auf der mit Schlaglöchern übersäten Zollhausstraße sehen.
Der Bauausschuss nahm jetzt die Prioritätenliste zur Erhaltung der Straßen zur Kenntnis. Hans Bolten (CDU) fragte dabei, wann mit der Erneuerung der Zollhausstraße - dafür sind 633 000 Euro veranschlagt - zu rechnen sei. „In diesem Jahr nicht“, erklärte dazu Schultze. „Wir bemühen uns um Fördermittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Vielleicht ist es auch nötig, dass wir die Pläne abspecken, etwa die Straße nur fünf statt sechs Meter breit bauen.“
Tiefbauamt
Im Tiefbau- und Grünflächenamt betreuen im Tiefbaubereich fünf Mitarbeiter etwa 280 Kilometer Straßen, außerdem rund 200 Kilometer landwirtschaftliche Wirtschaftswege. Für die Straßenunterhaltung stehen 2007 rund 230 000 Euro zur Verfügung.
Doch Handlungsbedarf besteht vielerorts: „Eigentlich müssten rund 20 Straßen - etwa in Korschenbroich die Arndtstraße und die Freiheitsstraße - eine neue Fahrbahn erhalten, aber uns fehlt das Geld im Etat. Ich kann 2008 wohl nur eine Straße anpacken. Die Politik muss diskutieren, welche das sein soll“, erklärt Tiefbauamtsleiter Christoph Herchner gegenüber der NGZ.
Rund 230 000 Euro stehen dem Tiefbaubereich 2007 zur Instandhaltung der Straßen zur Verfügung - ein Tropfen auf den heißen Stein: „Eine Million ist im Straßenbau nichts. Nur einen Quadratmeter zu erneuern kostet rund 30 Euro, und eine Straße ist ja fünf bis sechs Meter breit“, so Herchner. Den gesamten Investitionsstau auf Korschenbroicher Straßen schätzt er auf „rund 25 bis 30 Millionen Euro“. Und diese Summe wächst von Jahr zu Jahr: „Einfach Löcher und Risse mit Kaltbitumen zu schließen, reicht nicht.Auch wenn dies nicht zu sehen ist, ist oft auch der Straßen-Unterbau beschädigt.“ Werde dann nicht rechtzeitig gehandelt, sei nach einigen Jahren eine Grundsanierung erforderlich - und das werde dann noch teurer.
Nicht, dass in vergangenen Jahren nichts passiert wäre. „Wir haben 1998 ja die Prioritätenliste erstellt, weil schon damals ein Sanierungsstau bestand. In den ersten Jahren haben wir uns besonders der Gehwege angenommen. Die sind heute überwiegend in Ordnung, doch sie müssen auch jedes Jahr unterhalten werden.“
Dem Ausschuss lag auch eine Liste mit rund 40 Straßen, darunter die Zollhausstraße, vor, die bislang noch nicht endausgebaut sind, zum Teil über keinen Gehweg oder Straßenentwässerung verfügen. Der Ausbau würde Millionen verschlingen, „aber daran können wir die Anlieger auf der Basis des Kommunalen Abgabengesetzes an den Kosten beteiligen“ , so Herchner. Allerdings stehe manches Projekt seit Jahren auf der Liste, weil Anwohner den Ausbau mit ihrer Beteiligung nicht wollten.
Einen Verbündeten hat Herchner - „die milden Winter. Wir hatten in den vergangenen Jahren zum Glück wenig Frost.“ Und er kann der Misere noch etwas Positives abgewinnen. „Ein Glück, dass Korschenbroich nicht in Bayern liegt.“
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