Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich (mape) Sie wollte ihn heiraten, obwohl er sie immer gequält hat - jetzt hat das Düsseldorfer Landgericht einem Beziehungsdrama aus Korschenbroich zumindest ein vorläufiges Ende bereitet.
Die erste große Strafkammer verurteilte am Freitag einen 27-jährigen Mann aus Sierra Leone zu fünf Jahren Haft. Laut Gericht hatte sich der Arbeitslose wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Widerstands gegen Polizeibeamte und Bedrohung schuldig gemacht.
Johnny H. (Namen alle geändert) musste sich vor Gericht verantworten, weil er seine aus Korschenbroich stammende Freundin angeblich immer wieder geschlagen, gequält und verfolgt hatte.
Unter anderem hatte der 27-jährige Afrikaner seine wesentlich ältere Lebensgefährtin in eine Gartenlaube gesperrt und sie dort mit glühenden Zigarettenkippen und einem Messer misshandelt. Später war die Korschenbroicherin nach Aussage ihres 18-jährigen Sohnes immer wieder mit „blauen Augen“, Prellungen und sogar einem Rippenbruch nach Hause gekommen.
Immer wieder gewalttätig
Trotz dieses Martyriums hatte das Gericht zum Prozessauftakt auf die wichtigste Zeugin verzichten müssen. Katja D. wollte gegen den Angeklagten nicht aussagen, den sie trotz der ganzen Vorfälle als ihren „Verlobten“ bezeichnete.
Richter Rainer Drees setzte dennoch alles daran, den Fall aufzuklären. Er vernahm einen Richter aus Neuss als Zeugen, dem Katja D. in einer Befragung von den Vorfällen berichtet hatte. Letztlich griff Drees hart durch. „Wir haben ein deutliches Urteil gesprochen, weil der Angeklagte offenbar keinerlei Unrechtsempfinden hat“, so Drees.
Johnny H. sei mehrfach vorbestraft, er habe sich an noch offenen Bewährungen nicht gestört und sei seiner Freundin gegenüber immer wieder gewalttätig geworden. „Und nicht nur das: Er hat sie laut Staatsanwaltschaft regelrecht ausgenutzt.“ Der 27-Jährige hatte nach eigenen Angaben nie Anstalten gemacht, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.
Stattdessen soll er im Haus der Korschenbroicherin gewohnt und dort nach Angaben von Zeugen regelmäßig Alkohol getrunken und ferngesehen haben. Das Haus will er nach eigenen Angaben selten verlassen haben. „Es sei denn, ich wollte zur Stadtverwaltung, meine Sozialhilfe abholen“, übersetzte der Dolmetscher im Prozess.
Die angeblich geplante Hochzeit des Paares muss nun im Gefängnis stattfinden. Abgeschoben wird Johnny H. übrigens erst mal nicht. Die Behörden wissen nämlich nicht, wohin mit dem 27-Jährigen.
„Deutliches Urteil gesprochen“
„Er hat angegeben, er stamme aus Sierra Leone“, so Richter Rainer Drees, „angeblich kommt er aber doch nicht dort her.“ Woher H. wirklich stammt, soll noch ermittelt werden. Aufatmen dürfte allerdings der Sohn des Opfers. Er hatte darauf gehofft, dass das Gericht gegen H. durchgreift. „Seitdem er in Haft ist, geht´s uns allen besser“, hatte der 18-Jährige als Zeuge erklärt.
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