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Korschenbroich: „Jeder Kubikmeter zählt“

VON CARSTEN SOMMERFELD - zuletzt aktualisiert: 06.11.2007 - 21:30

Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich Der eine schätzt die gute Brunnenwasserqualität, der andere möchte viel Grundwasser aus dem Boden heraus haben. Am Dienstag wurde offiziell die Basis dafür gelegt, dass beide Partner profitieren.

Auf den neuen, bis 2038 laufenden Konzessionsvertrag stießen Rainer Hellekes und Friedhelm Kirchhartz von der NVV sowie Beigeordneter Bernd Dieter Schultze und Bürgermeister Heinz Josef Dick (v.l.) natürlich mit einem Glas Wasser an.  Foto: Lothar Berns
Auf den neuen, bis 2038 laufenden Konzessionsvertrag stießen Rainer Hellekes und Friedhelm Kirchhartz von der NVV sowie Beigeordneter Bernd Dieter Schultze und Bürgermeister Heinz Josef Dick (v.l.) natürlich mit einem Glas Wasser an. Foto: Lothar Berns

Vertreter der Niederrheinischen Versorgung und Verkehr AG (NVV) in Mönchengladbach und der Stadt Korschenbroich verlängerten den Vertrag für die Trinkwasser-Konzession bis zum Jahr 2038, bislang wäre er 2018 ausgelaufen. Dafür nimmt die NVV die vier Brunnen des früheren Wasserwerks Lodshof/Waldhütte wieder in Betrieb.

Die Förderung von zwei Millionen Kubikmetern im Jahr soll zur Absenkung des Grundwasserspiegels beitragen. Vor zwei Wochen hatte der Rat der Vertragsverlängerung zugestimmt (die NGZ berichtete).

„Jeder Kubikmeter weniger Grundwasser zählt für uns, die Verlängerung des Konzessionsvertrages gibt der NVV Planungssicherheit“, erklärte gestern zufrieden Bürgermeister Heinz Josef Dick, der zugleich betont. „So lange Laufzeiten sind in der Wasserwirtschaft üblich, auch der Vertrag der Stadt mit den Kreiswerken Grevenbroich geht über 30 Jahre.“

Info
Wasser von der NVV

Die NVV beliefert von Herrenshoff über Alt-Korschenbroich bis Liedberg rund 15 000 Korschenbroicher mit Trinkwasser. Das übrige Stadtgebiet wird von den Kreiswerken Grevenbroich versorgt. Die NVV ist eine Tochter der Stadt Mönchengladbach und der EWMG-Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (insgesamt 50 Prozent) sowie der RWE Rhein-Ruhr AG (50 Prozent).

Die Vertragsverlängerung war die Voraussetzung dafür, dass die NVV die Brunnen des vor sechs Jahren stillgelegten Wasserwerks wieder nutzen. „Schließlich nehmen wir Investitionen in Millionenhöhe vor“, erläutert Rainer Hellekes, Vorstand der NVV.

Das alte Wasserwerk selbst geht allerdings nicht in Betrieb: „Wir bauen für 4,5 bis fünf Millionen Euro eine 7,4 Kilometer lange Transportleitung zum Wasserwerk Hoppbruch, in dem für die Aufbereitung weitere Investitionen nötig sind.“ Dort wird dem Wasser Eisen entzogen, wird es enthärtet.

„Wir können von dort nitratfreies Trinkwasser von bester Qualität liefern. Es wäre eine Schande, es ungenutzt zu lassen“, erklärt Hellekes. „Wir schlagen mit der Inbetriebnahme mehrere Fliegen mit einer Klappe.“

Eine Wasserpreiserhöhung aufgrund der Investitionen steht den Korschenbroichern laut NVV-Vorstandsvorsitzendem Friedhelm Kirchhartz nicht ins Haus. Für die Trinkwasserversorgung bräuchte das Unternehmen, wie Kirchhartz erklärt, das Wasser aus Korschenbroich nicht zwingend.

Mit dem größeren Teil der Förderung werden künftig Haushalte im Mönchengladbacher Osten versorgt. Wie groß die Auswirkungen auf den Grundwasserstand in Korschenbroich sind, konnten die Vertragspartner nicht exakt nennen.

„Im direkten Umkreis der Brunnen wird die Grundwasserabsenkung mehrere Meter betragen, im weiter entfernt liegenden Raum wird sie sich im Dezimeter-Bereich bewegen“, so Hellekes. Kirchhartz sieht das Engagement der NVV als einen von mehreren Bausteinen, „davon könnte eine Initialzündung für andere ausgehen“.

Der Rhein-Kreis Neuss hat den Erftverband mit einer Untersuchung beauftragt, wie sich durch Trinkwassergewinnung der Grundwasserstand weiter absenken lässt. Die NVV nutzt nach Einschaltung der vier Pumpen nur knapp die Hälfte ihrer Wasserrechte von jährlich 4,2 Millionen Kubikmetern.

Im Rat hatten mehrere Politiker deutlich gemacht, dass sie dies als Einstieg sehen, eine weitergehende Ausnutzung der Rechte begrüßen würden. Die NVV hatte schon vor Jahren Überlegungen für neue Brunnen angestellt, doch Hellekes betont: „Mit den zwei Millionen Kubikmetern ist die Grenze unseres Bedarfs erreicht.“

Ein weitergehendes Engagement macht er von einer „Kooperation mit anderen Versorgungsunternehmen“ abhängig ist. „Wir liegen sozusagen auf einem unterirdischen Meer, das eine zusammenhängende Bewirtschaftung sinnvoll macht.“ In Frage kommen laut Rainer Hellekes außer den Kreiswerken die Unternehmen im Viersener, Neusser und Krefelder Raum.

Im Rat hatte die „Aktive“ kritisiert, dass etwa die Laufzeit des Wasserwerks nicht festgeschrieben sei. „Angesichts unserer Investitionen haben wir natürlich ein Interesse an einem langfristigen Betrieb“, meinte gestern dazu Hellekes.

Quelle: NGZ


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