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Korschenbroich: KiBiz macht Eltern Sorgen

VON CARSTEN SOMMERFELD - zuletzt aktualisiert: 04.04.2008 - 21:38

Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich „Da werden vor allem für Mütter, die wieder berufstätig sein wollen, Hürden aufgestellt“, erklärt Stephanie Gutsch. Erhebliche Kritik hat die Mutter eines Kindes in der „Kindertageseinrichtung Am Sportplatz“ in Korschenbroich an der Umsetzung des Kinderbildungsgesetzes in der Stadt: „KiBiz soll bedarfsgerechte, flexible Betreuungsangebote schaffen, doch in Korschenbroich wird das Gesetz starr umgesetzt“, meint sie - und steht damit nicht allein. Mehrere Mütter und Väter haben sich mit einem Brief an Bürgermeister Heinz Josef Dick gewandt, der sich am 14. April in einer Sitzung des Elternrates den Fragen stellen wird.

Diese Kinder haben im Kindergarten am Sportpark sichtlich Spaß . Amtsleiterin Michaele Messmann (hinten r.) muss sich mit aber mit Eltern-Kritik an der Umsetzung des Gesetzes in Korschenbroich auseinandersetzen.  Foto: NGZ
Diese Kinder haben im Kindergarten am Sportpark sichtlich Spaß . Amtsleiterin Michaele Messmann (hinten r.) muss sich mit aber mit Eltern-Kritik an der Umsetzung des Gesetzes in Korschenbroich auseinandersetzen. Foto: NGZ

Diesen Eltern ein Dorn im Auge sind die festen Anfangs- und Endzeiten für die Betreuung über 25, 35 oder 45 Wochenstunden. „Wir müssen für die Zeit ab 7.30 Uhr bezahlen, obwohl viele ihre Kinder erst um etwa 8.30 Uhr bringen. Wählen wir eine Betreuung bis 14.30 Uhr, muss ich bis zu dieser Zeit mein Kind abholen, obwohl ich morgens die Zeit nicht ausnutze“, sagt Stephanie Gutzsch. „Ich bin berufstätig, arbeite nicht mit der Stechuhr. In vielen Berufen ist Flexibilität nötig.“

Individuellere Modelle wünscht sich auch Susann Köster. Die Lehrerin ist Mutter einer anderthalbjährigen Tochter und betont: „Mein Kind fühlt sich im Kindergarten am Sportplatz pudelwohl.“ Doch auch sie übt Kritik an der KiBiz-Umsetzung. „Wenn ich meine Tochter um 14.30 Uhr abholen muss, hält sie gerade Mittagsschlaf, müsste geweckt werden. Oder ich müsste 45-Stunden buchen.“ Das gelte auch für berufstätige Eltern, die mit Blick auf Überstunden zur Vorsicht die längere - und teurere -Betreuung bestellen müssten. Dabei müssten Besserverdienende für Kinder unter zwei Jahren künftig sowieso deutlich mehr zahlen. „Zudem sollen die Eltern sich für das ganze kommende Kindergartenjahr festlegen. Warum wird die Betreuung so starr gehandhabt, können nicht individuelle Anfangs- und Abholzeiten vereinbart werden?“, fragt Susann Köster, die Mitglied des Elternrates ist und weiter bemängelt: „Ich hätte mir eine bessere Information gewünscht - und, wie in anderen Kommunen geschehen, eine Elternbefragung zur Bedarfserhebung.“

Info

Vier Betreuungszeiten

An allen Kindergärten der Stadt werden ab August vier Betreuungsmodelle angeboten: wöchentlich 25, 35 und 45 Stunden mit Kernöffnungszeiten von 7.30 bis 12.30, 14.30 und 16.30 Uhr sowie 35 Stunden mit Unterbrechung von 12.30 bis 14 Uhr.

„Für eine Elternbefragung haben wir keine Zeit mehr gesehen. Wir haben die vorläufigen Elternbeiträge Mitte Dezember vom Kreisjugendamt erhalten. Wir mussten ein Wahnsinnstempo vorlegen, die Verträge mussten Ende Februar unterschrieben sein“, erklärt Amtsleiterin Michaele Messmann. „Zudem fehlten den Behörden, die das Gesetz vor Ort umsetzen sollen, lange Zeit die Ausführungsbestimmungen“, berichtet sie. „Wir haben aber analysiert, welche Zeiten die Eltern bislang gebucht und wie sie sie genutzt haben. Eine Konsequenz daraus ist, dass wir - im Gegensatz zu manchen anderen Kommunen - in allen Kindergärten alle vier Betreuungszeiten anbieten.“ Einerseits biete KiBiz mehr Betreuungsmodelle, andererseits sei „das Gesetz tatsächlich starr. Die Pauschalen, die wir vom Land erhalten, berechnen sich nach den gebuchten Zeiten und gelten für ein Jahr. Das heißt aber nicht, dass wir Eltern, die im Laufe des Jahres eine andere Betreuungszeit benötigen, nicht helfen. Da werden wir flexibel sein“, versichert Messmann.

Beispiele für Flexibilität nennt Elisabeth Küppers-Ullrich, Leiterin des Kindergartens Am Sportpark: „Als künftiges Familienzentrum verfügen wir über eine ganze Kartei mit Namen von Tagesmüttern und Babysittern, können bei unvorhergesehenem Bedarf schnell eine Betreuung vermitteln.“ Und im Fall eines zur Abholzeit schlafenden Kindes „haben wir angeboten, dass das Kind mittags früher isst, somit früher schlafen gelegt werden kann. Auf Eltern-Kritik, einige Vorschulangebote würden nachmittags liegen, seien nur bei längeren Betreuungszeiten wahrzunehmen, entgegnet Küppers-Ullrich: „Vorschulangebote sind vormittags. Wenn besondere pädagogische Angebote auf den Nachmittag fallen, können auch Kinder teilnehmen, die sonst nicht zu dieser Zeit im Kindergarten sind.“

Messmann macht aber auch die Grenzen der Flexibilität deutlich. „Wir müssen den Personaleinsatz nach den gebuchten Betreuungszeiten planen und dafür sorgen, dass immer ausreichend Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Deshalb können wir von den festen Anfangs- und Endzeiten nicht abweichen.“

Quelle: NGZ

 
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