Korschenbroich (NGZ). Der Klimawandel geht an Korschenbroich nicht vorbei, lässt langfristig den Grundwasserspiegel steigen - Ursache sind deutlich nässere Winter. Das ist eine Prognose, die der Erftverband am Donnerstag im Umweltausschuss vorstellte.
Korschenbroich Auf der Leinwand im Schulungsraum der Feuerwache waren sogar Weltkarten zu sehen, der Ausschuss für Umwelt, Grundwasser und Energie brach ein globales Thema auf die heimatliche Region herunter: „Mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf Grundwasser und Wasserversorgung“ lautete das Thema eines Vortrags, für den Dr. Bernd Bucher, Bereichsleiter Gewässerschutz beim Erftverband, und Abteilungsleiter Stefan Simon nach Korschenbroich gekommen waren.
Sie beleuchteten am Donnerstag Abend die regionalen Auswirkungen des Treibhauseffekts bis 2050.
Klar ist, dass so langfristige Prognosen mit der Treffgenauigkeit der täglichen Wettervorhersage wenig gemein haben. Die regionalen Klimamodelle seien, so Simon, „mit erheblichen Unsicherheiten behaftet“.
Mehr Winter-Regen
Mehr Regen im Winter ist kein reines Zukunftsszenario, der Regenschirm wird in Wintermonaten schon heute öfters aufgespannt als früher. Der Erftverband hat Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes der vergangenen 100 Jahre für seinen Einzugsbereich von Neuss bis Bad Münstereifel verglichen. Danach fiel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts elf Prozent mehr Niederschlag als in der ersten.
Doch eines wurde deutlich: Die Korschenbroicher können nicht damit rechnen, dass die drohende Erd-erwärmung - je nach Prognose um 1,1 bis 6,4 Grad bis 2100 - ihr Grundwasserproblem mildert - im Gegenteil: „Die jährliche Niederschlagsmenge wird etwas steigen, die Grundwasserneubildung etwa um zehn Prozent zunehmen“, sagte Simon.
„Wir müssen mit trockeneren Sommern und nässeren Wintern rechnen.“ Der Erftverband hatte mehrere Klimaszenarien unter anderem von Ministerien ausgewertet, nach denen in den Sommermonaten um 2050 etwa 15 bis 20 Prozent weniger Regen fällt. Für die Wintermonate, wenn die Wachstumsperiode beendet ist und sich das meiste Grundwasser neu bildet, soll die Regenmenge dagegen um rund 25 bis 30 Prozent zunehmen.
Die Folge: ein höherer Grundwasserspiegel. „Wir haben die Prognosen auf Raderbroich herunter gerechnet, dort würde sich der Anstieg etwa im Dezimeter-Bereich bewegen“, erläutert Simon. Allgemein dürften heutige Grundwasserstände in nassen Jahren in einem halben Jahrhundert eher zur Regel werden.
Aber auch auf andere Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt machte der Erftverband aufmerksam. Während das Mehr an Grundwasser der Trinkwassergewinnung zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, ist im Sommer mit einem deutlich größeren Wasserbedarf zu rechnen.
Insgesamt hält der Erftverband es zum heutigen Zeitpunkt für verfrüht, die prognostizierten Veränderungen schon jetzt bei konkreten Entscheidungen zu berücksichtigen. Doch sowohl die „Aktive“ als auch die FDP sehen sich bestätigt, im heutigen Engagement für Grundwasser-senkende Maßnahmen nicht nachzulassen.
„Die Prognosen sind beängstigend für die, die unter dem Grundwasserproblem leiden müssen“, sagte Peter Drüll (Aktive).
„Wenn wir jetzt zügig die diskutierten Projekte auf die Schiene setzen, die Oberflächengewässer optimieren, unnötige Einleitungen stoppen, dann können wir auch die etwa zehn Zentimeter Anstieg durch den Klimawandel bewältigen.“ - „Wenn diese Prognosen eintreffen, werden wir um Pumpen etwa für Kleinenbroich und Pesch nicht herum kommen“, sieht Hans-Jürgen Brieger Forderungen der FDP bestätigt.
Ulrich Afflerbach (SPD) mahnte, den Blick „nicht nur aufs Grundwasser zu richten. Bei künftig trockenen Sommern werden Bewässerungsprojekte zum Erhalt der Auen nötig.“
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