Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich Im August hatten etwa 20 Jugendliche im Bereich zwischen dem Korschenbroicher Bahnhof und dem Ortskern derart randaliert, dass sie nur durch ein Großaufgebot an Polizei in Schach gehalten werden konnten. Politik und Verwaltung sahen danach akuten Handlungsbedarf. Die gemeinsam mit dem Kreisjugendamt und der Polizei vereinbarte Ordnungspartnerschaft sollte schärfere Zähne bekommen, lautete nach der Sommerpause der einhellige Konsens im Hauptausschuss.
Das in Regie des Kreisjugendamts zu erarbeitende Konzept dürfte aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr vorgestellt werden, erste Konsequenzen wurden aber bereits gezogen: Im Kreisjugendhilfeausschuss bestätigte Jugendamtsleiter Norbert Dierselhuis auf Nachfrage von Hildegard Haas (SPD), dass dazu auch eine Aufstockung der Polizei gehört, die nun offensichtlich auf einen härteren Kurs gegen die betreffenden Jugendlichen setzt. „Ein Modul des Konzepts ist die verstärkte Polizeipräsenz“, so Dierselhuis. Die Korschenbroicher Polizei - neben drei Bezirksbeamten gab es bisher zwölf Streifenpolizisten - wurde um drei Beamte aus Meerbusch verstärkt. Bis zu drei Wagen zusätzlich sollen in der Stadt Streife fahren.
Treffpunkte
Bevorzugte Treffpunkte der Jugendlichen, mit denen es seit geraumer Zeit erhebliche Probleme gibt, sind der Bahnhof in Korschenbroich, der Bereich um das Gymnasium und die Andreasschule sowie sogar die Grünfläche hinter der Polizeiwache.
Dierselhuis betonte, dass es sich bei den Jugendlichen, mit denen es seit geraumer Zeit Probleme gibt, keineswegs um Randgruppen handele, vielmehr entstammten sie ansonsten unauffälligen Mittelschichtfamilien. Der harte Kern der Randalierenden wird auf zehn bis 15 Jugendliche geschätzt. Zu ihnen würden sich öfters noch etliche „Mitstreiter“ gesellen - rund 50 auffällig gewordene Jugendliche oder junge Erwachsene sind ins Blickfeld der Behörden geraten.
Wie Kreistagsabgeordneter Wolfgang Wappenschmidt (CDU) im Jugendhilfeausschuss sagte, sei Korschenbroich sicherlich kein Brennpunkt in punkto Jugendkriminalität: Gleichwohl sei die „Hilfe der Justiz“ dringend nötig, meinte Wappenschmidt, der sich für entsprechende Kontakte der Ordnungspartner zur Staatsanwaltschaft aussprach.
Was die Frage angeht, wie scharf die Instrumente sein sollen, mit denen gegen jugendliche Delinquenten vorzugehen ist, könnte nach Auffassung von Norbert Dierselhuis die „beschleunigte Diversion noch optimiert werden“. Dabei geht es um ein gegenüber dem normalen Strafverfahren erheblich verkürztes Prozedere. Der pädagogische Aspekt: Die Strafe soll der Tat möglichst auf dem Fuße folgen. Zudem ist es bei jugendlichen Delinquenten zulässig, in einem frühen Verfahrensstadium von einer Anklage abzusehen. Eine Voraussetzung hierfür ist, dass es sich nur um geringfügige bis mittelschwere Straftaten handelt.
Peter Annacker vom Jugendamt zufolge sollten „wir schauen, dass die Staatsanwälte zur Kenntnis nehmen, was wir tun und Zutrauen zu unserer Arbeit finden“. Bei aller Besorgnis müsse, so Dierselhuis, auch weiterhin zwischen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten differenziert werden. Und auch den Glauben daran, dass das „frühestmögliche“ Gespräch der Behörden mit den Eltern vielleicht „seine Wirkung zeigt“, hat der Kreisjugendamtsleiter nicht aufgegeben.
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