Korschenbroich (NGZ). Korschenbroich Neuer Technik gegenüber ist Walter Hintzen aufgeschlossen. Zu Hause probiert er zurzeit sparsame LED-Leuchten aus - als Testfeld sozusagen für eine künftige Verwendung in städtischen Gebäuden.
An Ideen und Plänen zur Energieeinsparung mangelt es dem Energieexperten bei der Stadt nicht - und wohl noch nie war seine Arbeit finanziell so nötig wie heute: Der Stadtverwaltung laufen die Energiekosten davon, steigende Preise für Öl, Gas und Strom machen sich bemerkbar. „Trotz eines geringeren Verbrauchs stiegen die Ausgaben für Energie von 1,17 Millionen 2005 auf 1,5 Millionen Euro 2006. Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr keine weitere Steigerung verzeichnen.“
Beispiel Hallenbad: Der Verbrauch sank in zwei Jahren von rund 2,6 Millionen 2004 auf 2,4 Millionen Kilowattstunden 2006, „die Kosten dagegen stiegen um 48 Prozent auf 135 000 Euro“, erläutert Walter Hintzen, der seinen Energiebericht auch im Umweltausschuss vorgestellt hatte. „Das kann doch keiner mehr bezahlen“, sagt er. „Doch das ist zugleich eine Chance, denn energiesparende Maßnahmen rechnen sich heute mehr als früher.“
Rathäuser im Test
Die NGZ hatte vor einigen Tagen Rathäuser im Rhein-Kreis Neuss auf Schwachstellen bei der Energieefizienz untersucht. Gebäudeenergieberater Achim Wirth aus Viersen war mit NGZ-Redakteur Jens Krüger und einer Wärmebildkamera unterwegs. Station machten sie auch vor dem Verwaltungsgebäude Sebastianusstraße in Korschenbroich. Wenn Wirth „Rot“ sieht, deutet das auf Energieverschwendung hin. Beim Korschenbroicher Gebäude überwogen Blau und Grün - der Kommentar des Experten: „Hinterlüftete Fassade, sieht super aus“.
In einem Negativ-Beispiel hat Walter Hintzen sein Büro - im früheren Sparkassengebäude an der Hindenburgstraße: „Aus energetischer Sicht ist das Haus eine Katastrophe, wird aus den Mauern hinaus geheizt.“ Für einige Tage hatte sich Walter Hintzen eine Wärmebildkamera ausgeliehen und damit den städtischen Gebäuden und ihrer Dämmung „auf den Zahn gefühlt“. Das Verwaltungsgebäude an der Sebastianusstraße beispielsweise „schneidet ordentlich“ ab. Bei anderen fliegt die Energie und damit das Geld quasi zum Fenster hinaus - etwa beim Hallenbad mit seinen großen Fensterflächen. „Es ist ein typischer Bau aus den 70er Jahren.“
An manchen Fenstern würden bis zu 15 Grad nach außen abgegeben, hat Hintzen festgestellt. Die Konsequenz: „Der Gebäudeservice der Stadt beantragt für 2008 im Haushalt Mittel für die Fenstererneuerung.“ Auf rund 200 000 Euro schätzt Hintzen die Kosten. Auch an den Fenstern der Andreasschule müsse nachgebessert werden. Überrascht ist Walter Hintzen nach dem Einsatz der Wärmebildkamera, dass bei einigen Dachstellen der Dreifach-Turnhallen in Korschenbroich weniger und in Kleinenbroich mehr Wärme frei wird - trotz gleicher Baukonstruktion. Hintzen vermutet „Mängel bei der Bauausführung in Kleinenbroich“.
Längst nicht immer müssen Investitionen zu Mehrkosten führen. „Wir möchten zunächst für die Turnhalle Pestalozzistraße ein Licht-Contracting mit einer Firma abschließen.“ Ein Angebot werde zurzeit geprüft. Das Procedere: „Die Beleuchtung wird komplett erneuert, die Investition mit den Energieeinsparungen finanziert“, so Hintzen. „Die Energiekosten würden von 12 400 auf 4500 Euro im Jahr sinken.“
Unter dem Schnitt könnte dies Verfahren schon in den ersten Jahren für die Stadt etwas preiswerter werden als bisher. „Außerdem haben wir in der Halle eine neue Technik mit mehr Licht als heute, und in zehn Jahren gehört sie der Stadt.“ Das ist nicht das einzige Projekt für sparsamere Lichtquellen. „Wir haben eine neue Straßenbeleuchtung getestet.“ Mit speziellen Lampen und elektronischen Vorschaltgeräten, mit denen sich das Licht dimmen lässt, könne der Energieverbrauch auf bis zu 20 Prozent verringert werden. „Es wird etwas dunkler, aber das ist kaum zu bemerken. Wir überlegen jetzt, wo wir die neue Technik einsetzen können.“
Und auch bei Flutlichtanlagen auf Sportplätzen sieht Hintzen Einsparpotenzial. „Häufig wird abends nicht der gesamte Platz zum Training benutzt, so dass auch nicht alle Strahler angeschaltet werden müssen.“ Für die Sportanlage Korschenbroich mit sechs Masten hat Hintzen ausgerechnet, was sich mit flexibleren Schaltmöglichkeiten erreichen lässt: „Die neue Technik würde sich nach acht Monaten rentieren.“ Die Anlage könne ein Vorbild für die anderen Sportplätze sein.
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