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Korschenbroich: Prokita als Pilotprojekt angelaufen

VON RUDOLF BARNHOLT - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007 - 22:01

Korschenbroich (NGZ). Kleinenbroich Kreisjugendamtsleiter Norbert Dierselhuis räumt mit einem Vorurteil auf: „Sprachförderung ist nicht nur bei den Kindern mit Migrationshintergrund erforderlich.“ Und Übergewicht ist erst recht ein Thema, das bei Kindern aller Gesellschaftsschichten anzutreffen ist. Mit Prokita soll solchen und anderen Fehlentwicklungen frühzeitig entgegengewirkt werden. Alle Angebote in diesem Zusammenhang sind für die Eltern völlig kostenfrei - das einzige, was sie dazutun müssen, ist ihr Einverständnis.

Lebhafte Jungen und Mädchen in Kleinenbroich: Im künftigen Familienzentrum Josef-Thory-Straße ist am Montag das Pilotprojekt Prokita angelaufen. Das Präventionspaket hilft, Defizite in den Bereichen Sprache, Motorik, Verhalten und Sozialkompetenz bei Kindern zu erkennen und mögliche Störungen zeitnah abzubauen. 
 Foto: NGZ
Lebhafte Jungen und Mädchen in Kleinenbroich: Im künftigen Familienzentrum Josef-Thory-Straße ist am Montag das Pilotprojekt Prokita angelaufen. Das Präventionspaket hilft, Defizite in den Bereichen Sprache, Motorik, Verhalten und Sozialkompetenz bei Kindern zu erkennen und mögliche Störungen zeitnah abzubauen. Foto: NGZ

„Kinder und Gesundheit ist ein wichtiges Thema auch in Korschenbroich.“ Bürgermeister Heinz-Josef Dick weiß, dass Problemkinder nicht nur in sozialen Brennpunkten anzutreffen sind. Tillmann Lonnes, Leitender Verwaltungsrat beim Rhein-Kreis, sprach jetzt bei der Vorstellung des Projektes von einem „dramatischen Wechsel der Kindergartenlandschaft“: Zu einer quantitativen Ausweitung komme auch die inhaltliche Ausweitung.

Dr. Beate Klapdor-Volmer, Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes beim Rhein-Kreis, liegen die Daten der Einschulungsuntersuchungen von rund 5000 Jungen und Mädchen vor: „Wir haben feststellen müssen, dass es viele Entwicklungsauffälligkeiten und -störungen gibt, vor allem in Bezug auf die Sprachkompetenz, das Körpergewicht und die Motorik“, so die Erfahrungen von Dr. Klapdor-Volmer. Sie machte dann auch deutlich, dass das Projekt Prokita in anderen Städten des Rhein-Kreises bereits zu erfreulichen Fortschritten geführt habe. Als Beispiel führte sie Neuss-Weckhoven an: 2005 waren dort gut 30 Prozent der Kids wegen Störungen der Motorik aufgefallen - bis zur Einschulung hatte diese Quote dank intensiver Bemühungen auf drei Prozent gesenkt werden können. Bei den Sprachdefiziten waren die Erfolge weniger spektakulär - da ging der Anteil der Kinder mit entsprechenden Problemen von 40 auf 30 Prozent zurück.

Info

Projekt Prokita

Prokita ist eine „Erfindung“ der Verwaltung des Rhein-Kreises Neuss. Zentrales
Ziel ist die Reduzierung der Anzahl entwicklungsauffälliger und entwicklungsgestörter Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren. Außerdem soll die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen verbessert werden. Prokita dient auch der Chancengleichheit aller Kinder bei Schuleintritt. Prokita wurde bereits mit dem Deutschen Präventionspreis ausgezeichnet, vor kurzem kam eine Auszeichnung durch die Konrad-Adenauer-Stiftung hinzu - kein Wunder, dass man auch außerhalb des Rhein-Kreises auf dieses Projekt aufmerksam geworden ist.

Was passiert jetzt in der Kindertagesstätte Josef-Thory-Straße konkret? Nun, am Montag Nachmittag wurden die Eltern bereits über das Projekt informiert. Als erstes wird nun eine Arzthelferin oder Kinderkrankenschwester in der Einrichtung vorstellig, und Hör- und Sehtests vorzunehmen. Das soll noch in diesem Monat geschehen. Ab dem 18. September stehen dann Beratungsgespräche mit den Eltern auf dem Zeitplan.

Sie sollen in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden - so wissen längst nicht alle Erwachsenen, dass erhöhter Fernsehkonsum der Sprachkompetenz ihrer Kinder eher schadet. Bei entsprechenden Auffälligkeiten werden die Eltern sofort informiert. Alle Fachleute und die Eltern arbeiten bei diesem neuen niederschwelligen Angebot Hand in Hand. So werden alle Untersuchungen in Anwesenheit eines Elternteils und einer betreuenden Erzieherin erfolgen. Die Kooperation empfiehlt sich auch, weil sie alle beteiligten Akteure motiviert. Wann diese Untersuchungen angesetzt sind, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Die Leiterin der Kleinenbroicher Kindertagesstätte Josef-Thory-Straße, Barbara Antony-Wildschütz, freut sich schon auf die zusätzliche Arbeit - sie sieht die Rolle der Kindertagesstätte durch das Projekt Prokita aufgewertet.

Quelle: NGZ


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